Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUZERNER THEATER: «Hänsel und Gretel» – sogar die Brüderchen tanzen mit

Die Märchenoper «Hänsel und Gretel» begeisterte in der Box mit szenischem Zauber, Spielfreude und tollen Sängern: ein viel versprechender Anfang für künftige Kinderproduktionen.
Urs Mattenbergerurs.mattenberger@luzernerzeitung.ch
Stimmlich betörendes Geschwisterpaar wie aus dem Bilderbuch: Kathrin Hottiger und Stephanie Szanto als Hänsel und Gretel. (Bild: LT/Ingo Höhn)

Stimmlich betörendes Geschwisterpaar wie aus dem Bilderbuch: Kathrin Hottiger und Stephanie Szanto als Hänsel und Gretel. (Bild: LT/Ingo Höhn)

Eine Oper, bei der die Kinder backen und mit den Darstellern auf der Bühne tanzen und singen? Die Ausgangsidee von Regisseur Lennart Hantke für Engelbert Humperdincks Märchenoper «Hänsel und Gretel» in der Box des Luzerner Theaters klang bestechend (Ausgabe von gestern). Denn Interaktivität, also Aktivität auch von Seiten des Publikums, ist bei Kindern ein starker Trumpf. Beginnt also im Luzerner Theater auch in diesem Bereich eine neue Ära?

Man konnte sich die Antwort auf diese Frage nach der gestrigen Premiere mit einem beherzten Ja leicht machen. Einladend ist schon die aus Holzpodesten zusammengerückte Bühnenlandschaft, bei der man bereits an einen Waldhügel denken kann. Und weil die Zentralbühne nach allen Seiten abfällt, braucht es nur wenig Ermunterung vom bonbonbunt gekleideten Geschwisterpaar Hänsel und Gretel, damit einzelne Kinder mit der bereitgestellten Zuckermasse und Marzipanfrüchten Lebkuchenstücke verzieren.

Viel Spannung und Zauber im Schattenwald

Den liebevoll-beschaulichen Auftakt unterstützt noch die Akkordeon-Melancholie der Ouvertüre. Die in allen Schattierungen schillernde und auch folkloristisch zupackende Kammermusikfassung für Instrumente wie Hackbrett, Blockflöte oder Klarinette ist ohnehin eine Entdeckung ersten Ranges (Leitung Rolando Garza Rodriguez). Aber erst mit dem Ohrwurm «Brüderchen, komm tanz mit mir» kommt erstmals Schwung auf, weil sich zwar nicht der Tanzmuffel Hänsel, aber ein paar Kinder zum Tanzen verführen lassen.

Die Pointe dieser vorweihnächtlichen Beschaulichkeit ist der Knall, mit dem sie gestört wird. Der «Tobsuchtsanfall», zu dem Hantke den ersten Auftritt der schimpfenden Mutter steigert, ist zwar durch das harmlose Kinderfest kaum gerechtfertigt. Aber er setzt eine Handlung in Gang, die geschickt Längen der Vorlage meidet und so Spannung und Zauber über eine Stunde aufrechterhält.

Den Zauber schafft die sich wandelnde Bühne von Lea Burkhalter. Gespenstisches Licht, überdimensionierte Schattenwürfe und die zu Gestrüpp umfunktionierten Hexenbesen suggerieren Fantasiewelten und sogar einen Wald, den man vor lauter Bäumen kaum noch sieht. Für emotionale Spannung sorgt das handfeste Spiel des vorzüglichen Sänger-Ensembles in dieser Koproduktion mit der Musikhochschule Luzern. Kathrin Hottiger und Stephanie Szanto, die beide bereits in früheren Produktionen entdeckt wurden, geben nicht nur natürlich und spielfreudig ein süsses Geschwisterpaar wie aus dem Bilderbuch, sondern verströmen betörenden Wohllaut. Ursina Patzen umarmt mit ihrem Mezzosopran zum Schluss die wiedergewonnenen Kinder so herzerwärmend, dass man ihr den Zornesausbruch zu Beginn fast nicht mehr glaubt.

Trotz alledem bleibt klar: Die grösste Aufregung für die Kinder, die die Aufführung durchwegs «gut» fanden, machte die Hexe. Zu verdanken ist das dem Ensemble-Mitglied Robert Maszl. Während die Besetzung durch einen Mann und die Kostüme von Geraldine Arnold diese Hexe zum ambivalenten Fabelwesen stilisieren, spielt und singt, ja keift und ächzt Maszl, diese Hexe, so drastisch, wie Kinder das mögen – bis hin zum Überraschungscoup, wenn er tatsächlich mit einem Tritt im Ofen landet.

Auch interessant für Erwachsene

Man kann sich von daher die Antwort auf die oben gestellte Frage auch schwerer machen. Es war nämlich die Unbändigkeit dieser Hexe, die man im Auftakt und in den Reaktionen der jungen Zuschauer doch vermisst hat. An richtigen Kinderfesten geht die Post jedenfalls viel mehr ab, als es das hier der Fall war.

Der Anfang einer neuen Ära? Das könnte diese im Ansatz interaktive Märchenoper durchaus sein. Und vielleicht kommen schon die Folgevorstellungen über diesen Anfang bereits hinaus, wenn in der Box mehr Kinder sitzen. Das begeisterte Premierenpublikum bestand überwiegend aus Erwachsenen, für die diese Produktion musikalisch auf jeden Fall interessant ist.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.