LUZERNER THEATER: Julia: Schauspielerin und Figur geben Antworten

Sofia Elena Borsani spielt am Luzerner Theater die Julia in der Shakespeare-Inszenierung «Romeo und Julia» von Nina Mattenklotz. Den Romeo kennt sie noch von früher.

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Sofia Elena Borsani spielt eine der grössten Frauenrollen aller Zeiten. (Bild: Manuela Jans (Luzern, 18. Januar 2017))

Sofia Elena Borsani spielt eine der grössten Frauenrollen aller Zeiten. (Bild: Manuela Jans (Luzern, 18. Januar 2017))

Sofia Elena Borsani, im August kamen Sie nach Luzern. Vorher haben Sie fünf Jahre in Zürich gelebt. Kommt Ihnen hier nicht alles sehr klein vor?

Sofia Elena Borsani: Noch nicht. Ich habe die Strategie verfolgt, stückchenweise anzukommen. Das heisst: Ich versuche gar nicht erst, alles auf einmal kennen zu lernen. Mein erster Eindruck: Die Menschen hier wirken auf mich sehr offenherzig. In Zürich fand ich die Oberfläche viel schwerer zu durchdringen. Deshalb hatte ich dort auch mehr Engegefühle.

Wie äussert sich diese Offenherzigkeit für Sie?

Borsani: Wenn du hier an einem Café vorbeigehst, winken dir die Menschen einfach zu. Du brauchst dich nicht einmal darin aufgehalten zu haben. Alles ist so familiär. Ich finde das total schön.

Sie spielen demnächst in Shake­speares «Romeo und Julia» die Hauptrolle. Eine Traumrolle für Sie?

Borsani: Eigentlich nicht. Mir war das Stück gar nicht so präsent. Sofern es eine Traum­rolle für mich geben sollte, dann etwas Ungewöhnlicheres, zum Beispiel Albert Camus’ Drama «Caligula» über den gleichnamigen römischen Gewaltherrscher. Eine Männerrolle. So etwas würde mich reizen.

Wird in diesem Stück überhaupt eine Liebesgeschichte erzählt? Romeo und Julia sehen sich ja kaum.

Borsani: Für mich bleibt es die Geschichte einer nicht gelebten Liebe. Die Gefühle sind gross. Aber die Liebe selbst wird in keinem Moment in der Praxis überprüft. Deshalb bleibt sie so ideal.

Was ist das für eine Frau, diese Julia? Oder soll ich Kind sagen?

Borsani: Sie ist wahnsinnig mutig. So mutig, dass ich ihr mit meinem Mut während der Proben manchmal gar nicht mehr hinterherkam. Dann hatte ich das Gefühl, ich könne ihren Mut gar nicht ausfüllen. Was diese Frau an Entscheidungskraft aufbringt, um sich durchzusetzen und ihren Weg zu gehen, finde ich sehr beeindruckend.

Mir wurde gesagt, Romeo-Darsteller Jakob Leo Stark sei für Sie kein Unbekannter. Sie hätten ihn auch schon im echten Leben aus der Ferne bewundert.

Borsani: Ja, er hat mit meinem Exfreund Fussball gespielt. Während meiner Ausbildung habe ich ihn dann auf der Bühne des Neumarkt-Theaters Zürich öfters gesehen und war begeistert. Seine Bühnenenergie fand ich immer wahnsinnig stark. Als ich erfahren habe, dass er den Romeo spielt, habe ich mich deshalb sehr darüber gefreut.

Julia Stephan
julia.stephan@luzernerzeitung.ch

Premiere: Donnerstag, 26. Januar, 19.30

Zur Schauspielerin: Sofia Elena Borsani

Sofia Elena Borsani wurde 1991 in Genua geboren. Die Tochter eines Italieners und einer Deutschen absolvierte ihre Schauspielausbildung an der Zürcher Hochschule der Künste und war am Schauspielhaus Zürich im Studio engagiert. Seit der Spielzeit 2016/17 gehört sie zum Schauspielensemble des Luzerner Theaters, wo man sie zuletzt als Heidi im Stück «Man bleibt wo man hingehört …» von Katja Brunner erleben durfte.

jst

Zur Figur: Julia Capulet

Julia Capulet erblickte im Jahr 1597 in der Tragödie «Romeo und Julia» von William Shakespeare das Licht der Welt. In ihrer über 400-jährigen Karriere avancierte sie mit Romeo zu einem der berühmtesten Liebespaare der Weltliteratur. Sie spielte in zahlreichen Opern, Musicals, Ballettinszenierungen, Filmen und Büchern eine Rolle. Julia Capulet starb, gerade mal 13-jährig, in der Familiengruft durch Suizid.

jst