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LUZERNER THEATER: «Karneval der Tiere» – Verführerisch wie Muffins

Das Luzerner Theater stimmt auf die Fasnacht ein: In einer szenisch verspielten Version von Camille Saint-Saëns’ «Karneval der Tiere» outen sich die Schauspieler erst am Schluss auch noch als Sänger.
Urs Mattenberger
Der Schwan muss warten: Sarah Alexandra Hudarew als charismatische Erzählerin im «Carneval des animaux». (Bild: Luzerner Theater/Ingo Höhn)

Der Schwan muss warten: Sarah Alexandra Hudarew als charismatische Erzählerin im «Carneval des animaux». (Bild: Luzerner Theater/Ingo Höhn)

Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

«Spieled die das nur oder meined sie das au eso?», fragte ein Mädchen gestern während der Aufführung von Camille Saint Saëns’ «Carneval des animaux». Und bewies damit nicht nur, dass die jüngste Produktion des Luzerner Theaters für Kinder bereits für Vierjährige bestens funktioniert. Sondern traf mit seiner Bemerkung einen Nerv der Aufführung, die die typische Kinderfrage «Ist das echt?» hier auch für Erwachsene interessant macht.

Denn Regisseur Lennart Hantke (24) schafft in diesem «Konzert der Tiere» wie schon mit «Hänsel und Gretel» für die Kinder, mit wenigen Mitteln grossen Zauber zu erzeugen. Gleichzeitig führt er mit dem im Hintergrund platzierten Luzerner Sinfonieorchester (Leitung: Rolando Garza Rodríguez) das Rätseln musikalisch weiter, indem er unter die Titel des Kinderklassikers Vorlagen mischt, die Saint-Saëns darin veralbert hat.

Viel Klamauk nah am Original

Das beginnt schon, während das kleine Publikum sich tuschelnd auf seinen Plätzen einrichtet. Da rattert die Sopranistin Diana Schnürpel mechanisch Läufe rauf und runter wie später die Etuden-«Pianisten» im gleichnamigen «Carneval»-Stück. Ist das «echt», gehört es schon zum Stück? Die Kinder wollen es wissen. Und wir Erwachsenen wundern uns, wie die in die Höhe geschraubten Wiederholungen zur Kunst werden: zu einer Arie der Olympia-Puppe aus «Hoffmanns Erzählungen» von Offenbach. Sind also mit den Gewohnheitstieren wir Menschen gemeint?

Das ist freilich nur die gedankliche Rahmenhandlung für erwachsene Begleiter. Für die Kinder kommt Hantke eine Stunde lang mit viel Klamauk zur Sache und bleibt doch nah am Original, wie man es aus anderen Bearbeitungen kennt. Auch in dieser hauseigenen Textfassung (Hantke/Laura Schmidt) wird auf Einladung des Löwen eine Tierparty gefeiert, bei der einiges aus dem Ruder läuft und deren Maskeraden am Schluss zum Rollentausch zwischen dem Löwen-Gatten und der Tiger-Gemahlin führt.

Das Als-ob unterstreicht das Spiel auf verschiedenen Ebenen. Sarah Alexandra Hudarew gibt die Erzählerin so erfrischend resolut, als wäre alles wirklich echt. Für die handgemachte und liebevolle Animation der Tiergestalten, die Coline Juds Kostüme witzig andeuten, steht rechts eine Guckkastenbühne bereit: Bei der Ansprache des Löwen wird sie zum Rednerpult, für die flatternden Hühner zum Hof und für die Fische – ein poetischer Höhepunkt – zum zauberhaft ausgeleuchteten Aquarium. Die dritte Spielebene ist die Leinwand im Hintergrund, auf der in Schattenspielen auch mal geboxt wird.

Überraschendes Outing als Tenöre

Als Puppenspieler und Tierparodisten im Dauereinsatz sind die beiden Sänger Denzil Delaere und Robert Maszl. Sie tun es zur Freude der Kinder mit so viel schauspielerischem Witz, dass man überrascht ist, als sie sich als Tenöre outen (zusammen mit der vorzüglichen Sopranistin in Originalen von Rossini oder Offenbach, die Saint-Saëns parodiert).

Ein Höhepunkt für die begeisterten Kinder im Publikum blieben trotzdem die von der Löwen-Gattin gebackenen Muffins. Sogar die Panne, bei der die Darsteller mit vollem Mund ihre Einsätze verpassten, schien so echt wie die Muffins selbst. So verführerisch kann Theater sein.

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