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LUZERNER THEATER: Kollektives Fusswippen im Theatersaal

Schauspielerinnen, die singen. Das Leben von Sängerinnen auf der Theaterbühne. Julia Wissert inszeniert am Luzerner Theater Popkultur als szenisches Konzert um den Begriff «Freiheit» in sieben Kapiteln.
Regina Grüter
Als Girlgroup sind sie stark: Sofia Elena Borsani, Anna Rebecca Sehls und Alina Vimbai Strähler (von links) singen und performen den Song ­«Revolution» von Nina Simone. (Bild: Ingo Höhn)

Als Girlgroup sind sie stark: Sofia Elena Borsani, Anna Rebecca Sehls und Alina Vimbai Strähler (von links) singen und performen den Song ­«Revolution» von Nina Simone. (Bild: Ingo Höhn)

Regina Grüter

regina.grueter@luzernerzeitung.ch

Gold ist die Farbe der Göttinnen. Ganz in diese Farbe gehüllt, empfangen die Schauspielerinnen Sofia Elena Borsani, Anna Rebecca Sehls und Alina Vimbai Strähler das Publikum zur Uraufführung des szenischen Konzerts «Göttinnen des Pop – Auf den Spuren von Beyoncé, Nina Simone, Aretha Franklin und anderen Stimmen» in der Box des Luzerner Theaters. Göttinnen huldigt man, und die erste Inszenierung der 1984 in Freiburg im Breisgau geborenen Julia Wissert ist auch eine Hommage. An die Sängerinnen und die Frauen, «Kämpferinnen für Gleichberechtigung, Freiheit, Liebe und eine gerechtere Welt».

Das Bühnenbild erinnert denn auch an einen Sektentempel und vereint verschiedenste Stile: ein Flickwerk aus Orientteppichen, darauf ein langer Tisch, der mal das Bild einer Pressekonferenz heraufbeschwört, dann als Altar in der Kirche oder als Schminktisch Backstage herhält. In der linken ­oberen Ecke ein goldener, aufblasbarer Plastikschwan und Blumengestecke links und rechts der Leinwand, über der ein orangefarbener Vorhang schwebt.

Die Schauspielerinnen sind meist Erzählerinnen

Die Schauspielerinnen fungieren als Sängerinnen, Tänzerinnen, meist aber als Erzählerinnen, die die Lebensgeschichten der «Popgöttinnen» resümieren, während deren Fotos auf die Leinwand projiziert werden. Das geht leider oft nicht über Allgemeinwissen hinaus. Hier hätte man sich ­einen persönlicheren, emotionaleren Zugang gewünscht, auch wenn die Anrede mit «du» wohl genau das bewirken soll. «Du warst der Überzeugung, Gewaltlosigkeit werde nicht ausreichen», heisst es etwa über das Engagement von Nina Simone in der Bürgerrechtsbewegung.

Doch gibt es in fast jedem ­Kapitel einen Höhepunkt: Alina Vimbai Strählers Interpretation von Billie Holidays «God Bless The Child» ist stark gesungen und sorgt für einen Szenenapplaus. Zum zweiten Mal an diesem Abend möchte man die Augen schliessen. Der emotionalste Moment aber gebührt Whitney Houston. Als Überleitung zu ­Kapitel «Freiheit 3» stimmt die grossartige Band (Schlagzeug: Dennis Blassnig, E-Piano: Adina Friis, Kontrabass: Jonas Künzli) deren grössten Hit «I Will Always Love You» an, bevor auf der Leinwand ein Konzertausschnitt gezeigt wird und Houston «Greatest Love Of All» singt – es ist das einzige Mal, dass die echte Stimme einer der «Popgöttinnen» zu hören ist. Borsani, Sehls und Strähler singen kräftig mit, um den Begriff kultureller Aneignung zu demonstrieren.

Doch es sind ihre Stimmen, die von Beyoncé Knowles, Aretha Franklin, Whitney Houston, Billie Holiday, Nina Simone, Mahalia Jackson und Miriam Makeba, die im kollektiven Gedächtnis verhaftet sind. Ihre Einzigartigkeit, ihre Emotionalität. «(You Make Me Feel Like) A Natural Woman» von Aretha Franklin zu singen, ist genau deswegen ein Wagnis. Die Songauswahl – der zweite ist «Chain Of Fools» – und die Kommentare von Sehls und Strähler, die sich mit «du, Aretha, und die Männer» zusammenfassen lassen, zeigen Franklin als eine Frau, die sich über die Männer definierte. Eine Abhängigkeit und Unfreiheit, die es zu überwinden gilt, oder das Ringen um wahre Liebe im Showbusiness?

Schauspielerisch wenig gefordert, entwickeln die Darstellerinnen als Girlgroup bei «Revolution» von Nina Simone eine Energie, die die politische, um nicht zu sagen existenzielle Komponente des Liedes erahnen lässt.

Generation ­ Beyoncé Knowles

Jede Generation hat einen anderen Zugang zur Musik der geehrten Sängerinnen, ist mit der einen oder anderen enger verbunden, mit ihren Liedern aufgewachsen. Für die Macher der Hommage «Göttinnen des Pop» ist es Beyoncé, an die sie auch frischer her­angehen. «Wenn ich an Beyoncé denke, denke ich an Tanzen; … an Milliarden; … an Jay Z; … dass sie schwarz und weiss ist», werfen Sofia Elena Borsani, Anna Rebecca Sehls und Alina Vimbai Strähler zu Beginn abwechselnd ins Publikum. Die vielen Facetten und Widersprüche der Beyoncé Knowles als Ergebnis einer imaginären Volksbefragung. Denn jeder weiss etwas zu Beyoncé zu sagen. Ihre Popularität ist es auch, die die «Göttinnen des Pop» in diesem szenischen Konzert zusammengeführt hat, sind sie doch nicht Vertreterinnen des Pop, sondern bewegen sich in ganz verschiedenen Stilrichtungen. Die Popdiva unserer Zeit vereint sie alle, und ohne die Wegbereiterinnen wäre ihr Erfolg undenkbar.

Und zum Schluss sind die drei Beyoncé, wenn sie sich nach einem Umstyling am Schminktisch, noch schnell den Hoody übergestülpt, in die R ’n’ B-Sängerin verwandelt haben und kraftvoll den Hit «Freedom» ab dem aktuellen Album «Lemonade» in den Raum schmettern. «Auch ich brauche Freiheit», singen sie. «Ich zerreisse meine Ketten selbst.» Kollektives Fusswippen.

Hinweis

«Göttinnen des Pop», bis zum 31. 3. in der Box des Luzerner Theaters. Nächste Aufführung: 31. 1. Infos: www.luzernertheater.ch.

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