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LUZERNER THEATER: «Robin Hood» – Slapstick am Lagerfeuer

Das Luzerner Theater setzt mit dem Kinderstück vor Weihnachten weiterhin auf Bewährtes: «Robin Hood» fand an der gestrigen Premiere auf Anhieb den Draht zum jungen Publikum.
Urs Mattenberger
Geschlechterklischees köstlich parodiert: Linda C. Gunst (Gouvernante), Annina Polivka (Marian) und Mirza Šakic (Robin Hood). (Bild: LT/Ingo Höhn)

Geschlechterklischees köstlich parodiert: Linda C. Gunst (Gouvernante), Annina Polivka (Marian) und Mirza Šakic (Robin Hood). (Bild: LT/Ingo Höhn)

Starke Anfänge sind ein Markenzeichen des Luzerner Theaters unter der Intendanz von Benedikt von Peter. Gezielt unterlaufen sie die Grenze vom Alltag hinein in die Kunstwelt des Theaters. Ob Party-Auftakt zu «Rigoletto» oder gemeinsames Backen zu Beginn der Kinderoper «Hänsel und Gretel»: Der niederschwellige Zugang zum Theater ist wichtig gerade für ein junges Publikum. Und findet eine Fortsetzung im Kinderstück zur Vorweihnachtszeit. Als solches hatte gestern John von Düffels «Robin Hood» auf der grossen Bühne Premiere.

«Aufhören, aufhören!», bellt uns da gleich zu Beginn die schneidende Stimme eines bulligen Ordnungshüters von hinten ins Ohr. Er poltert und stampft lauthals nach vorne auf die Bühne, wo es sich das bunte Völkchen gemütlich macht, aus dem sich später Robins Bande und seine Gegenspieler rekrutieren.

Für jede Gemütslage eine Identifikationsfigur

Gurrend, pfeifend, krächzend und schaurig rufend haben sie den poetischen Wald (Bühne Martin Dolnik) zum Leben erweckt und lullen uns mit Akkordeon, Gitarre und einem Folksong über Robin Hood erstmals wohlig ein (Musik: Matthias Schoch). Aber der Sheriff von Nottingham duldet keine Ruhestörung ohne «Auftrittsbewilligung». Nicht nur die Bühne wird geräumt, auch das Publikum soll zusammenpacken und heimgehen.

Aber der erste johlende Protest der Kinder fegt seinerseits den Aufpasser hinweg. Er beweist, wie rasch diese Produktion den Draht zu den Kindern findet – und bis zum Schluss nicht verliert. Den hat schon Düffel, wenn er die bekannte Geschichte mit aktuellen Seitenhieben gegen bürokratische Auswüchse verbindet, aber geradlinig vorantreibt.

Intensive Bezüge zur Erlebniswelt der Kinder schafft die träfe Besetzung der Rollen durch junge Schauspieler. Mirza Šakic brilliert in der Titelrolle als cooler Bandenführer, der sich aus purer Sorglosigkeit nicht um Obrigkeiten schert. Multitalent Matthias Schoch ist als «Hosenschiss» Mitch eine knuddelige Identifikationsfigur für Ängste, die mit der Revolte gegen Autoritäten verbunden sind. Michèle Breu unterläuft als Karatekid Little John schillernd Geschlechterklischees, die Annina Polivka als verwöhnte Marian und Linda Corinna Gunst als gackernde Gouvernante köstlich parodieren.

Überhaupt bringt Regisseur Maximilian Merker Slapstick-Action (Julian Koechlin und Katharina Sonja Kessler als Large und Extra Large), Lagerfeuer-Poesie und Rebellionsromantik in einer Mischung, die nicht nur Kinder verzaubert und hinreisst. Die Empfehlung «ab sechs Jahren» darf man da getrost weit nach oben und sogar nach unten ausweiten.

Urs Mattenberger
urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

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