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LUZERNER THEATER: «Viel Zauber mit wenigen Mitteln»

Ein Tobsuchtsanfall der Mutter stört die Kinderparty: Regisseur Lennart Hantke sagt, wie er Kindern mit Humperdincks «Hänsel und Gretel» die Angst vor Opern und Hexen nimmt.
Urs Mattenbergerurs.mattenberger@luzernerzeitung.ch
Alles für die Hexe: Regisseur Lennart Hantke (rechts), Bühnenbildnerin Lea Burkhalter. (Bild: Corinne Glanzmann)

Alles für die Hexe: Regisseur Lennart Hantke (rechts), Bühnenbildnerin Lea Burkhalter. (Bild: Corinne Glanzmann)

Das publikumsnahe Raumtheater, mit dem Intendant Benedikt von Peter dem Luzerner Theater neues Publikum gewinnen will, scheint prädestiniert für Kinderproduktionen. Aber für die erste, die heute Premiere hat, hat es sich das Theater nicht nur leicht gemacht. Engelbert Humperdincks Märchenoper «Hänsel und Gretel» liegt zwar das bekannte Märchen der Gebrüder Grimm zu Grunde. Aber der spätromantische Orchesterklang verlangt einen langen Atem. Und die Kunstform der gesungenen Oper ist Kindern eher fremd.

Das weiss auch Regisseur Lennart Hantke (24), der für eine solche Produktion beste Voraussetzungen mitbringt. Als Sängerknabe hat er selber alle wichtigen Knabenrollen auf der Bühne verkörpert. Bereits ab 15 erhielt er namhafte Regiehospitanzen und -assistenzen und arbeitete in den letzten Jahren als Regisseur mit Benedikt von Peter in Bremen zusammen.

Interaktive Party gegen Berührungsängste

Seine Inszenierung des Stücks zeigt denn auch, wie man mit dem Raumtheater-Ansatz die Distanz zum Kunstgesang überwinden kann. «Entscheidend ist, dass man von Anfang an alle Berührungsängste nimmt», sagt Hantke und stellt das so sicher: «Wenn die Kinder die Box betreten, feiern sie in ausgelassener Stimmung mit Hänsel und Gretel, die mitten unter ihnen sind und singen.» Die jungen Besucher verzieren Lebkuchenstücke, aus denen später das Hexenhäuschen gebaut wird.

Der ausgelassene Auftakt ermöglicht aber auch einen handfesten Einstieg in die Handlung des Stücks, wenn die Mutter hereinplatzt und dem Treiben ein Ende bereitet. «Das ist ein Tobsuchtsanfall, wie es jedes Kind von seiner Mutter kennt», schmunzelt Hantke: «Und wenn Hänsel und Gretel die Kinder vor der aufgebrachten Mutter in Sicherheit bringen, ist das ein Stück der Interaktivität, die für Kinderstücke zentral ist.»

Nach der Hexe die grosse Versöhnung

Kinder mögen Action und eine Handlung, der man gut folgen kann, weiss auch Lennart Hantke. Er hat deshalb das Stück auf eine Stunde Dauer gerafft, das Umherirren im Wald entfällt: «Wo Humperdincks Orchesterklang einen endlosen Wald suggeriert, ist in der Box nach zwei Metern an der nächsten Wand ohnehin Schluss», lacht Hantke. Stattdessen fokussiert er die Geschichte mit grosser Action-Dichte und ohne den Vater auf die Mutter – wie im Grimm-Original keine Stiefmutter – und die Hexe. Relativiert wird der anfängliche Tobsuchtsanfall der Mutter durch die Figur der Hexe, die Hantke mit einem männlichen Darsteller besetzt (Robert Maszl ist neben Sängern und dem Kammerensemble der Musikhochschule das einzige Ensemble-Mitglied in der Produktion).

Auch diese Ambivalenz ist kein Travestie-Element oder Gender-Statement: «Das unterstreicht die Rolle der Hexe als eine Art Fabelwesen. Dass sie ihrer eigenen Logik folgt und Dinge tun kann, die andere nicht können, bringt ein Stück Magie ins Spiel.» Und wenn die Hexe, als Negativprojektion der Mutter, in den Ofen gestossen wird, ist das ein grosser «Befreiungsschlag», der zur Versöhnung mit der Mutter führt: «Es ist wie ein Spiel mit Teufelchen und Engelchen, das zu verstehen hilft, wie man sich versöhnen und vergeben kann.»

Kinder sangen und tanzten mit

Darin zeigt sich noch ein anderer Grundsatz für Kinderproduktionen: «Bei Kindern kann man mit wenigen Mitteln grossen Zauber schaffen.» Das gilt auch für die Fassung für Volksmusikinstrumente wie Blockflöte oder Hackbrett: «Weil diese experimenteller instrumentiert ist, hat sie einen geradezu surrealen Zauber.»

Den Strichen nicht zum Opfer gefallen ist übrigens die Figur des Sandmanns. Auch die Vertrautheit mit volksliedhaften Melodien unterstützt die Interaktivität, wie sie sich in einer Probe spontan ergab: «Wie da die Kinder zu Beginn mitgetanzt und gesungen haben, hat mich selber überrascht», begeistert sich Hantke.

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