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LUZERNER THEATER: Was Frauen weltweit verbindet

13 Frauen aus zehn Ländern bekochten am Donnerstagabend das Premierenpublikum mit Speisen aus ihrer Heimat. Ein Abend mit Fusion-Kulinarik, der zeigt, dass das Leben jeder Frau universale Themen hat.
Julia Stephan
Hinten links Shery Davtalab aus dem Iran. Vorne Minu Tighi aus dem Iran (links) und Gloria Buser aus Uganda. (Bild: Ingo Höhn/Luzerner Theater)

Hinten links Shery Davtalab aus dem Iran. Vorne Minu Tighi aus dem Iran (links) und Gloria Buser aus Uganda. (Bild: Ingo Höhn/Luzerner Theater)

Schauspielchefin und Co-Dramaturgin Regula Schröter kam in der neuen Sprechtheaterproduktion des Luzerner Theaters eine delikate Aufgabe zu. Sie suchte Mütter. In der Luzerner Baselstrasse sprach sie mutig «interessant aussehende Frauen» an, im Begegnungstreff Hello Welcome und an den vom Schweizerischen Arbeiterhilfswerk Zentralschweiz organisierten interkulturellen Austauschabenden wurde sie schliesslich fündig. 13 Frauen aus zehn Ländern, die zweierlei verbindet: eine unerschütterliche innere Stärke und das Glück einer frühen oder späten Mutterschaft.

Das Format «Mütter» der niederländischen Regisseurin Alize Zandwijk, die derzeit dem Zürcher Schauspielhauspublikum Ibsens «Wildente» auftischt, ist ein Exportschlager. Seit Jahren führt das Format Mütter mit verschiedenen kulturellen Hintergründen an den Küchenherd, wo sie das Publikum bekochen und ihre Lebensgeschichte mit viel Würze erzählen. Das Ergebnis ist eine spannende Fusion-Küche, die aus den unterschiedlichen Zutaten ein harmonisches Ganzes komponiert.

Statt intellektuellen Beigemüses gibt’s Rezepte

Seit Donnerstag kann man das durch die vielen Wanderjahre Gebrauchsspuren aufweisende Bühnenbild von John Thijssen und Lidwien van Kempen mit seinen Küchenutensilien und Lebensmitteldosen im Luzerner Theater bewundern. Statt intellektuellen Beigemüses stehen auf dem Programmheft des Theaters für einmal handfeste Rezepte – persischer Safranreis, Lamm-Couscous aus Algerien und bosnische Sauerkrautwickel. Mit ­diesen wird das auf langen Holzbänken sitzende Publikum im zweiten Teil des Abends, der mindestens so bedeutsam ist wie der erste, liebevoll bewirtet.

Doch zunächst werden wir zu stillen Mitwissern von banalem Küchenklatsch. Behutsam hinführen wird er im Laufe des Abends zu einer berührenden Emotionalität.

Die Darstellerinnen aus dem Iran, der Schweiz, dem Iran, der Ukraine, aus Uganda, Algerien, Bosnien, Kroatien, Kolumbien und Sri Lanka haben mit wenigen Ausnahmen keine Bühnenerfahrung. Aufgrund der sprachlichen Hürden kippen die Frauengespräche oft ins Komische. Etwa, wenn die Iranerin Shery Davtalab vom Telefonat mit ihrer Schweizer Gynäkologin erzählt. «‹Wie oft haben Sie Geschlechtsverkehr?›, fragte sie mich. Ich erwiderte: ‹Fünf Mal die Woche, jeden Abend, zwischen Sursee und Luzern. Immer stecke ich in diesem Abendverkehr fest.›»

Der Zauber des Abends liegt im Herausstreichen der weiblichen Solidargemeinschaft. Zandwijk beschränkt sich auf die universalen Themen Geburt, Leben und Tod. Die Lebensgeschichten bleiben fragmentarisch, die Ano­nymität gewahrt. Zandwijk lässt die Frauen von ihren Müttern, Männern, Schwiegermüttern und Kindern erzählen, von ihren Erfahrungen mit dem Körper, seinen Menstruationszyklen und Geburtswehen. Ein persönliches Erlebnis weckt das nächste. Man bestätigt und bejaht die Geschichten der Bühnenpartnerinnen und stimmt in deren Lieblingslieder ein.

Dabei hat die Regie anscheinend ganz bewusst kulturell Trennendes ausgespart. Religion wird nur gestreift, sofern sie den Alltag der Frauen berührt. Beruf, gesellschaftlicher Status sowie politische Überzeugungen hat man aufgrund ihrer Differenzen schaffenden Tendenz dezent in den Hintergrund gerückt.

Berührende Lebensgeschichten

Mitten ins Herz trifft der Bericht der Journalistin Rathika Thevakumar aus Sri Lanka. In ihrer Heimat hat sie zwei Mordanschläge überlebt – mit schwersten Verletzungen. Eine andere Mutter bricht beim Bericht vom Tod ihrer Mutter spontan in Tränen aus und muss von den Bühnenpartnerinnen getröstet werden.

Dabei kommt im Laufe des Abends etwas zum Vorschein, was in den meisten Medienberichten über die schwierige Situation von Frauen ungesagt bleibt: dass die Ungerechtigkeit, die vielen Frauen weltweit widerfährt, ihrer inneren Stärke und ihrem Gemeinschaftsgefühl nichts anhaben kann.

Julia Stephan
julia.stephan@luzernerzeitung.ch

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