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LUZERNER THEATER: Wenn sich Mond und Pfütze streiten

Erzählerin Zita Bucher und das Luzerner Sinfonieorchester brachten mit «Von Maus und Mond» ein Kinderstück in die Box. Schön konnte man beobachten, wie Kinder auf einzelne Instrumente reagieren.
Michael Graber
Zita Bucher erzählt die Geschichte in der Box des Luzerner Theaters. Im Hintergrund das Luzerner Sinfonieorchester. (Bild: Luzerner Theater)

Zita Bucher erzählt die Geschichte in der Box des Luzerner Theaters. Im Hintergrund das Luzerner Sinfonieorchester. (Bild: Luzerner Theater)

Michael Graber

michael.graber@luzernerzeitung.ch

Ja, wer ist denn nun der Grösste und der Stärkste? Gerade in olympischen Zeiten scheint ja die ganze Welt nur danach zu streben, besser, schneller, grösser und stärker zu sein. Und auch Jonah und Enuki, zwei Inuit-Kinder, bilden da keine Ausnahme. Sie balgen sich, welcher von beiden denn nun ein bisschen grösser gewachsen sei. Und da sich – welch Überraschung – beide als grösser sehen, muss die Grossmutter als neutrale Stelle amten. Doch Leah, eben ganz Grossmutter, denkt nicht daran, sich an dem Wettmessen zu beteiligen, sondern erzählt stattdessen eine Geschichte.

Aber eigentlich erzählt das Zita Bucher in der Box des Luzerner Theaters. Das Stück heisst «Von Maus und Mond oder wer ist der Grösste?». Hinter ihr sitzt das Luzerner Sinfonieorchester (geleitet von Rolando Garza Rodríguez) und untermalt die Geschichte musikalisch. Wobei: Wer hier die Hauptrolle spielt, ist ähnlich schwierig zu bestimmen wie der Grössenstreit zwischen Jonah und Enuki. Es ist ein Nebeneinander, manchmal ein Miteinander und glücklicherweise nie ein Gegeneinander.

Geschichten in der Geschichte

Es ist ein unaufgeregtes musikalisches Märchen (Text: Paul Maar, Musik: Alf Hoffmann). Bucher erzählt mit wenigen Extras die Geschichten in der Geschichte, und das Orchester gibt dem Erzählten eine zusätzliche Tiefe. Und so hören Enuki und Jonah und das Publikum in der Box zuerst etwas über einen hochmütigen Mond, der meint, er sei der Grösste. Er streitet sich mit einer Pfütze um diesen Titel. Immerhin füllt das Spiegelbild des Mondes nicht die ganze Pfütze aus und so schlussfolgert die Wasserlache, sie sei doch ganz offensichtlich die Grösste. Bis sie dann von einem Hasen ausgetrunken wird, der so wiederum zum Grössten wird, bis dieser dann kurzerhand von einem Fuchs verspeist wird.

Und während der Mond hoch oben am Himmel am Sinnieren ist, wer denn nun der Grösste ist, geht die Sonne auf und der einst so stolze Mond verschwindet kleinlaut. Dank der schönen Musik vergessen wir darüber nachzudenken, was uns diese Geschichte eigentlich sagen wollte. Ist es, dass immer jemand grösser ist? Oder war die Aussage, dass Grösse immer eine Frage der Perspektive ist? Ganz erschlossen hat sich uns das nicht. Macht aber nichts.

Deutlicher ist die zweite Geschichte über das Thema Stärke: Auch in diesem Punkt sind sich Jonah und Enuki uneinig. Also erzählt Leah wieder. Ein Mäuse­könig macht sich auf die Suche nach dem Stärkstem im Lande, dieser soll dann seine Mäusetochter heiraten dürfen. Und so spricht er nach und nach mit Sonne, Wolke, Wind und Wand, um am Schluss doch auf eine Maus zu kommen. Als er der Tochter den Bräutigam präsentieren will, ist diese aber entsetzt und sagt, sie wolle doch nicht den Stärksten, sondern jenen, den sie am liebsten hat. Dass der vom Vater Auserkorene dann gleich beide Eigenschaften erfüllt, ist ein schöner Märchen-Nebeneffekt.

Vorfreude auf die Tschinellen

Das Stück, die Musik und die Erzählweise in diesem Werk für Kinder sind anspruchsvoll. Mit knapp einer Stunde Spielzeit überfordert es manch ein Kind im Publikum – die Altersempfehlung ab fünf ist eher an der unteren Grenze angesetzt. Das führte am Samstag gegen Ende des Stücks zu einer gewissen Grundunruhe, die aber bei Kinderstücken wohl einfach in Kauf genommen werden muss.

Imposant war es dagegen zu beobachten, wie die Kinder auf die Instrumente reagierten. Insbesondere jeder sich anbahnende Ton der Tschinellen löste eine grosse Vorfreude aus. Und wenn sich Bucher zu den Klängen sanft bewegte, wippten auch auf den Tribünen in der stimmig dekorierten Box zahlreiche Kinderköpfe und Kinderfüsse mit.

Die eigentliche Interaktion mit dem Publikum beschränkte sich auf einige Mitmachspiele (Stampfen und Reden). Etwas mehr Interaktion hätten wir uns einzig zwischen Orchester und Erzählerin gewünscht. Als Bucher den Orchesterleiter aufforderte, den Marsch für den Mäusekönig zu spielen, verzahnten sich die beiden Ebenen auch für die Kinder deutlich.

Hinweis

Das Stück wurde am Wochenende dreimal gespielt. Es sind keine weiteren Aufführungen geplant.

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