MADRID: Spanischer Schriftsteller Goytisolo mit 86 gestorben

Der mehrfach ausgezeichnete spanische Schriftsteller Juan Goytisolo ist tot. Der kritische Intellektuelle starb am Sonntag im Alter von 86 Jahren in Marokko. Er galt als Mittler zwischen den Kulturen und seit vielen Jahren als Kandidat für den Literaturnobelpreis.

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Juan Goytisolo während einem Interview im Jahr 2015. (Bild: EPA/JAVIER LIZON)

Juan Goytisolo während einem Interview im Jahr 2015. (Bild: EPA/JAVIER LIZON)

Der Schriftsteller und Essayist starb in seinem Haus in Marrakesch umgeben von seiner Familie, wie die Agentur Carmen Balcells in Barcelona mitteilte. Er litt in den letzten Monaten an gesundheitlichen Problemen, darunter an einer gebrochenen Hüfte, die ihn zwang, einen Rollstuhl zu benutzen.

Goytisolo wurde 1931 als Sohn einer wohlhabenden Familie in Barcelona geboren und lebte ab 1957 in Paris und Marrakesch. Neben Romanen veröffentlichte er Erzählungen, Reisebücher und Essays. Seine besondere Vorliebe galt der islamischen Kultur und Lebensweise. Als er sieben war, kam seine Mutter bei einem Bombardement im spanischen Bürgerkrieg um. Den Verlust prägte ihn tief.

2014 erhielt der kritische Intellektuelle in seiner Heimat den renommierten Cervantes-Preis. Goytisolo repräsentiere eine der Spitzen der spanischen Literatur, vor allem in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, liess die Jury damals verlauten.

Der Katalane galt als Pendler zwischen der westlichen und der arabischen Welt, als Mittler zwischen den Kulturen und den Religionen. Er wuchs in Barcelona auf, ging aber schon 1956 als energischer Gegner des Regimes von Diktator Francisco Franco ins selbstgewählte Exil nach Paris.

Werke durch Franco verboten


In Spanien waren seine Werke von 1963 bis zum Tod Francos im Jahr 1975 verboten. In seinen Büchern rechnete der Autor mit der Rückständigkeit der spanischen Gesellschaft während der Franco-Diktatur (1939-1975) ab. Er sparte in seinen späteren Werken aber auch nicht mit Kritik am modernen Spanien.

In den 1960er Jahren unternahm Goytisolo viele lange Reisen, unter anderem nach Lateinamerika, Nordafrika und in den Nahen Osten. Er unterrichtete danach an verschiedenen US-Universitäten, bevor er in seinen zweiteiligen Memoiren über seine Kindheit und Jugendzeit und unter anderem auch über seine Homosexualität schrieb.

Nach dem Tod seiner langjährigen Ehefrau, der französischen Autorin, Übersetzerin und Schauspielerin Monique Lange, im Jahr 1996 liess sich Goytisolo in Marokko nieder. Dort adoptierte er drei Kinder, die er in seinem Testament zu seinen Universalerben erklärte.

Zu den bekanntesten Werken zählen neben "Trauer im Paradies" (1958) die Trilogie "Identitätszeichen" (1978), "Rückforderung des Grafen Don Julian" (1976) und "Juan ohne Land" (1981).

In seinem letzten, 2008 veröffentlichten Roman "El exiliado de aquí y de allá" (Der Exilant von hier und da) stellte er den Konsumwahn und die Macht der Religion an den Pranger. "Wir leben gefangen zwischen Konsum und Terror", sagte Goytisolo damals anlässlich der Herausgabe des Buches. Neben Romanen veröffentlichte er Erzählungen sowie Reise- und Essay-Bänden.

sda