Horw
Frauenvokalensemble Les Voc-à-Lises: Magische Verwandlung in Mariengesängen

Auch ohne Publikum erfüllte das Frauenvokalensemble Les Voc-à-Lises die Kirche St.Katharina in Horw mit eindrucksvollen Stimmenvolumen.

Gerda Neunhoeffer
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Das Berner Ensemble Les Voc-à-Lises.

Das Berner Ensemble Les Voc-à-Lises.

Bild: PD

Während die Kammerkonzerte am Wochenende mit Besuchern stattfinden konnten, durfte das Konzert in der Pfarrkirche St.Katharina in Horw am Sonntagabend nur live gestreamt werden. Denn dort wurde gesungen – von der Empore aus, weit weg von den Plätzen im Kirchenschiff. Das professionelle Frauenvokalensemble Les Voc-à-Lises aus der Region Bern interpretierte Gesänge um Maria: die Mutter Gottes, Maienkönigin, Maria als Vermittlerin zwischen den Menschen und Gott.

Das «Ave Maria» verbindet die Verehrung Marias mit gleichzeitiger Bitte um Beistand in aller Not. Mariengesänge aus verschiedenen Jahrhunderten zeigen das in vielerlei musika­lischem Gewand. Bestimmte Melodien wiederholen sich durch Epochen hindurch, scheinen in traditioneller Volksmusik ebenso auf wie in modernen Kompositionen. Von Gregorianik bis hin zu Grieg, Tschaikowsky, Saint-Saëns und noch lebenden Komponisten haben die 19 Vertonungen schwebende Melodik und lichten Charakter. Das Spiel zwischen Dur und Moll zieht sich durch die Werke. Es zeigt die Dulderin Maria auf der Erde und die Königin im Himmel in immer wieder neuen klanglichen Facetten.

In Zoltán Kodálys Komposition gelang den acht Sängerinnen diese magische Verwandlung zu himmlischer Helligkeit eindrucksvoll. Da schwangen sich die Soprane mühelos in ­reine Höhen, während die tiefen Stimmen den erdigen Grund behielten. Auch für andere Kompositionen fanden die Sängerinnen den richtigen Charakter. Alleine bei den traditionell bayerischen Gesängen ging die schlichte Schönheit der Weisen im Klangvolumen etwas unter. Die Frauenstimmen erfüllten die leere Kirche in dem achtstimmigen «Ave Maria» von Gustav Holst bis in den letzten Winkel.

Besonders überzeugte das Ensemble in Kompositionen mit Dissonanzen und grossem Klangspektrum. So im «Ave Maria» von Efrem Podgaits, in dem sich die Stimmen aus einstimmiger Hymne immer mehr verzahnen, vervielfältigen, ausweiten. Das Orgelspiel von Martin Heine in Poulencs «Litanies à la Vierge Noire» gab neue Klänge zum Gesang. Da ent­wickelte sich aus der gregoria­nischen Einfachheit ein subtiles Gemälde vieler Empfindungen. Es reichte von demütigem Bitten in feinen Melodien bis zu dramatischer Todesangst in krassen Reibungen. Die darauffolgende lange einstimmige Passage wurde mit einer Intensität gesungen, die erschauern liess, ein Höhepunkt in diesem Konzert.

Weiterhin als Stream verfügbar

Erstaunlich tonal wirkte dagegen das «Ave Maris Stella» von Eva Ugalde, tröstlich, harmonisch, homofon. In «Laudi alla Vergine Maria» aus den «Quattro pezzi sacri» von Verdi brachten die Sängerinnen den opernhaften Charakter wunderbar zum ­Klingen, der Schall verteilte sich weit in den Kirchenraum. Zu­hörer hätten das gerne direkt ­erlebt. Aber man kann das Konzert weiterhin auf der Website www.musikkathhorw.ch erleben.