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MAIHOF LUZERN: «Fall Schönberg» fesselt das Publikum

Ein Jahr lang hat die Konzertreihe «MusikWerk» Schönbergs ­Musik beleuchtet. Am Samstag gelang sogar der Brückenschlag nach Hollywood.
Charlie Chaplins «The Circus» live begleitet war ein Höhepunkt. (Bild Manuela Jans-Koch)

Charlie Chaplins «The Circus» live begleitet war ein Höhepunkt. (Bild Manuela Jans-Koch)

Simon Bordier

Die Konzertreihe «MusikWerk» Luzern hat sich in ihrem ersten Jahr dem «Fall Schönberg» gewidmet. Nach dem fünften und letzten Konzert scheint der «Fall» aber alles andere als gelöst. Denn Arnold Schönberg (1874–1951) hat gegen Schluss seines Lebens im Exil in Los Angeles eine erstaunlich stilistische Breite an den Tag gelegt, wie der Abend mit der «Ode To Napoleon» nach Versen von Lord Byron beispielhaft zeigt.

Fragwürdiger Herrscherruhm

Das gegen das Nazi-Regime gerichtete Stück für Streichquartett, Klavier und Sprecher ist in der Zwölftontechnik geschrieben, enthält aber zahlreiche tonale Momente und Beethoven-Zitate. Es sind aber insbesondere die rhetorischen Gesten des vorzüglichen Sprechers Jonathan Schiffman, die am Samstag aufhorchen liessen. Der gebürtige New Yorker Dirigent trug die englischen Verse in klarer Diktion vor und öffnete zugleich Räume für die Musik. Gerade in den letzten Strophen stellte er hinter den Herrscherruhm grosse Fragezeichen. Die Streicher rund um die Geigerin Lisa Schatzmann und der Pianist Federico Bosco griffen diese nahtlos auf, um sie dann in Wehmut zerfliessen zu lassen. Der finale Steigerungslauf vermochte kaum darüber hinwegzutrösten – es überwog ein grotesker Moment.

Das Stück birgt nicht nur in sich eine ungeheure musikalische Vielfalt, sondern weist über sich hinaus: auf den Krieg, Beethoven, die englische und amerikanische Kultur. Dazu passt, dass im «MaiHof» ein Panoptikum der namhaften europäischen Exilgemeinde in Los Angeles gezeigt wurde. So erklang nach der Schönberg-Ode Strawinskys Septett für Klavier und je drei Bläser und Streicher: Insbesondere der Klarinettist Livio Russi und der Hornist Antonio Lagares Abeal glänzten mit demonstrativ einfachen, aber betörend reinen Intervallsprüngen. Der Pianist Benjamin Engeli hingegen lächelte in Erich Korngolds «Vier kleinen Karikaturen für Kinder» leise über die Avant­garde in Europa und liess in der Prélude Nr. 2 von George Gershwin seine rechte Hand traurig singen.

Slapstick herrlich eingefangen

Zu einem Höhepunkt geriet die Vorführung von Charlie Chaplins Stummfilm «The Circus». Dazu spielte das Ensemble Metropolis live die von Hanns Eisler geschriebene Filmmusik. Streicherpizzicati und virtuose Läufe der Holzbläser fingen die Slapstick-Momente des Films herrlich ein. Vor allem aber überraschten die an Mahler gemahnenden romantischen Töne. Das Ensemble unter der Leitung von Mischa Santora bewies starkes Timing, schillerte in vielen Farben und schuf so eine Brücke zwischen Publikum und Leinwand.

Die Einspieler von Dokumentarfilmen, welche zum Thema Emigranten in Hollywood gezeigt wurden, drohten hingegen von den eindrücklichen Live-Darbietungen abzulenken. Die Stärke der Konzertreihe liegt gerade darin, dass sie aus einer freien, ungezwungenen Konzertkonstellation aus zum Kern der einzelnen Stücke vordringt.

Der Klarinettist Adrian Meyer und der Cellist Beni Santora, die beiden Veranstalter der Reihe, zeigen sich nach der ersten Saison «sehr zufrieden». Entscheidend bei der Vermittlung von Schönbergs scheinbar «sperrigen» Musik sei die flexible Sitzanordnung im Kirchensaal gewesen. Zudem sei es gelungen, den Bogen zu Vorbildern und Zeitgenossen Schönbergs zu schlagen – Mahler, Ravel, Skrjabin oder Ives – sowie mit der Uraufführung von Josef Kosts Kammersinfonietta einen starken Bezug zur Gegenwart herzustellen. Die «Werkstattatmosphäre» wolle man beibehalten. Die rund 60 Saisonmitglieder und 100 Zuhörer pro Konzert bildeten eine gute Grösse für den Musikclub. «Aber wir würden uns auch über 150 Zuhörer freuen», meint Santora.

Wer ist «Herr M.»?

In der nächsten Saison werde man das Konzept mit einem anderen Komponisten der klassischen Moderne weiterführen. Man wolle die «Reisen des Herrn M.» vorstellen. Wer sich hinter dem M. verbirgt, wollen die Veranstalter nicht verraten.

Herr M. sei aber wie Schönberg «zweifellos einer der bedeutenden Komponisten des 20. Jahrhunderts», wenn auch kein «radikaler Erneuerer» wie dieser. Durch seinen engen Bezug zum Basler Dirigenten und Förderer Paul Sacher habe der 1959 verstorbene Komponist einen wichtigen Platz in der jüngeren Schweizer Kulturgeschichte eingenommen. Für die Konzertreihe sei er besonders interessant, weil er Werke für unterschiedlichste Besetzungen geschrieben habe. Man darf gespannt sein, um wen es sich handelt.

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