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MAIHOF: Perkussions- und Stimmenrausch

Das letzte Konzert der Musikwerk-Saison um Strawinsky wurde dank einer Absage ein kleines Klavierfest. Und das Vokalensemble Luzern setzte mit A-cappella-Gesang klangliche Kontraste.
Gerda Neunhoeffer
Das Vokalensemble Luzern. (Bild: PD)

Das Vokalensemble Luzern. (Bild: PD)

Die Saison 2017 des Musikwerks Luzern über den «Dandy aus ­Ustilug», Igor Strawinsky, endete am Samstag im Maihof Luzern mit einem denkwürdigen Konzert. Denn es weitete sich zu einem Mini-Klavier-Festival aus, nachdem der Pianist Benedek Horváth kurzfristig abgesagt hatte. Und die geplanten Werke für zwei Klaviere von Igor Strawinsky und Sergei Rachmaninow hat nicht jeder Pianist im Repertoire. Welch ein Glück, dass innert zweier Tage dennoch solche Pianisten gefunden wurden.

Aber so traten nicht zwei, sondern vier Pianisten auf: Leonhard Dering und Benjamin Engeli mit Strawinskys Konzert für zwei Klaviere, Anastasia Voltchok und Oleg Khudyakov mit der Suite Nr. 1 op. 5 von Rachmaninow (statt der geplanten 2. Suite). Dazwischen gestaltete Hansjakob Egli mit dem Vokalensemble Luzern Gesänge beider Komponisten. Der Wechsel zwischen den einmal romantisch- impressionistischen, einmal perkussiven Klavierwerken und den schlichten ­A-cappella-Gesängen gab dem Konzert seinen besonderen Reiz.

Klavierglocken zu liturgischen Gesängen

Anastasia Voltchok und Oleg Khudyakov interpretierten die vier Sätze der Suite von Rachmaninow, die auch als «Fantasie» bekannt ist, mit ausgesprochen farbenreichen Klängen. In dieser Abfolge von Stimmungen liessen sie die Wellen in der «Barcarolle» plätschern und rauschen, einzelne helle Töne und feine Triller glitzerten wie Tropfen. In «La nuit – L’amour» konnte man zu den verträumten Klängen immer wieder eine Nachtigall singen ­hören, und die Tränen in «Les Larmes» strömten unaufhörlich mit einem elegischen Thema aus vier Tönen, das sich über einem dicht gewobenen Klangteppich durchsichtig behauptete. Fast wie Minimal Music gestalteten die beiden Pianisten dann die Glocken in «Pâques», ein ständig sich wiederholendes helles Klingen, das zu den rhythmisch wie gemeisselten Akkorden eine geradezu hypnotische Wirkung entfaltete.

Nach diesem Klangrausch setzte das Vokalensemble Luzern mit «Paternoster» und «Ave Maria» von Igor Strawinsky einen starken Kontrast. Diesen streng liturgischen Gesängen verliehen die Sängerinnen und Sänger mit ihrer gemeinsam auf den Punkt gebrachten Aussprache und einem schlichten, vibratolosen Chorklang eindringliche Kraft. Und wie sich in «Bogorodize dewo», einem kurzen «Ave Maria» von Rachmaninow, die schlichte Vierstimmigkeit für einige Takte zu grossem sechsstimmigem Klang steigerte, gelang ausdrucksvoll. In der Zugabe, «Ubi caritas et amor» von Maurice Duruflé, bei der sich der Chor rund um das Publikum aufstellte, blühten die Stimmen noch einmal besonders auf.

«Nach-dem-Abendessen-Musik»

Strawinskys Konzert für zwei Klaviere, das er 1935 komponierte und mit seinem Sohn aufführte, wurde von Leonhard Dering und Benjamin Engeli mit rhythmischer Präzision gespielt. Virtuos verzahnten sie rasante Läufe. Die derben und witzigen Elemente im Notturno, das der Komponist als «Nach-dem-Abendessen-Musik», als Digestiv verstanden haben wollte, spielten sie genussvoll aus. Die schnell wiederholten Töne in der Fuga, die wie das Preludio in ihrer strengen Kompositionsweise an Bach erinnert, spielten sie trotz aller Klangfülle ausgesprochen filigran.

Als Zugabe hörten die begeisterten Zuhörer nochmals die anderen Pianisten mit den Osterglocken «Pâques» von Rachmaninow, was irgendwie ja auch zu Weihnachten passt. Nächstes Jahr widmet sich das Musikwerk Schweizer Komponisten wie Arthur Honegger, Frank Martin und Darius Milhaud.

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

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