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MAIHOF: Tonreichtum berührt auch menschlich

Gemeinsam sang der Luzerner Konzertchor Molto Cantabile mit dem Berner Vokalensemble Ardent Songs und Motetten unter dem Titel «AndersWo».
Der Konzertchor Molto Cantabile und das Berner Vokalensemble Ardent mit abwechslungsreichem Wohlklang. (Bild: Philipp Schmidli (21. Okt. 2017))

Der Konzertchor Molto Cantabile und das Berner Vokalensemble Ardent mit abwechslungsreichem Wohlklang. (Bild: Philipp Schmidli (21. Okt. 2017))

Gleich zwei verschiedene Chöre mit unterschiedlicher Klangkultur in ein und demselben Konzert zu geniessen, ist selten und meist Wettbewerben vorbehalten. So wurden der hiesige Konzertchor Molto Cantabile und das aus Bern stammende Vokalensemble Ardent dem Titel des Konzerts ­«AndersWo» für den jeweiligen Gast sowohl am Samstag im MaiHof Luzern als auch gestern in Bern gerecht. Beide Ensembles hatten sowohl im Verbund als auch einzeln genügend Raum, um sich mit ausdrucksstarker Leistung zu präsentieren.

Zu Beginn fluteten die beiden Stimmkörper gemeinsam mit einem sehr leidenschaftlich gesungenen Klangbad den gut ­besuchten MaiHof, dies mit für 16 Stimmen arrangierten Debussy-Chansons. Gut ausgeglichene Register sorgten für die nötige Transparenz, um die reich bestückte Tonsprache zur Geltung zu bringen. So war, dank viel Artikulation und Dynamik, der Tod, der im Winter, mit seiner eisigen Geige um die Häuser zog, bis auf die letzte Schneeflocke spürbar (Des pas sur la neige).

Diese menschliche Not und der Herzschmerz waren auch im folgenden Stück «Il pleure dans mon cœur» gut hörbar. Den heiklen Stellen waren vor allem die Soprane aus Bern, welche im Schnitt etwas älter sind als jene der Gastgeber, aber nicht immer ganz gewachsen.

Unterschiede der Chöre bei der Textverständlichkeit

Nach den beiden Chansons zeigten die Chöre je einzeln, was sie zu bieten haben. Bemerkenswert, dass beide ihr jeweiliges Programm ganz ohne Noten sangen. Das von Patrick Secchiari kom­petent geleitete Vokalensemble ­Ardent bot mit drei weiteren Liedern von Claude Debussy, welche auch solistisch souverän unterstützt wurden, einen farben­reichen und durch Wohlklang ­bestimmten Vortrag. Einzig die Textverständlichkeit liess manchmal zu wünschen übrig. Auch wenn im schummrigen Licht der Saalbeleuchtung schlecht lesbar, half das Programmheft mit den Liedtexten weiter.

Ausgerechnet die aus reformierten Gebieten stammenden Berner sangen danach noch drei wahrlich katholische Motetten von Poulenc und Monney, in welchen das glanzvolle Tenor-Register zu begeistern wusste.

Nur nicht gesungen, sondern auch gepfiffen

Mit jugendlicher Klarheit, Reinheit, einem homogenen Klangbild und gut gepflegter Diktion verzückte Molto Cantabile im zweiten Teil. Dies galt unter der umsichtigen Leitung von An­dreas Felber auch für die solistischen Einwürfe. Hier war der Blick ins Textheft nicht nötig. Mühelos konnte Samuel Barbers «Reincarnations» und Maurice Ravels Chansons gefolgt werden. Danach vereinten sich die Chöre wieder zum Singen und in Ravels «Soupir» auch zum Pfeifen.

Als gemeinsamer Höhepunkt erklang zum Schluss Barbers Agnus Dei, welches der Komponist aus seinem berühmten Adagio gefertigt hatte. Der lang anhaltende Applaus motivierte die Sängerschar zum Vortrag des virtuosen Sanctus von Frank Martin.

Roger Daniel Tanner

kultur@luzernerzeitung.ch

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