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Performance mit Kindern: «Mama, wo bisch du?»

Die Luzerner Schauspielerin Nina Langensand schickt auch im zweiten Teil ihrer Bühnenerzählung «Chi» Erziehungsnormen bachab. Im Südpol präsentierte sie einen unruhigen Gedankenstrom, der mehr Fragen als Antworten ablagerte.
Céline Graf
Nina Langensand und ihre Kinder im Südpol in Kriens. (Bild: PD)

Nina Langensand und ihre Kinder im Südpol in Kriens. (Bild: PD)

Das eine Kind spielt mit Wasser und Blumen aus umgekippten Vasen. Das andere wackelt um ein Zelt herum, das mitten auf der Bühne steht, und ruft «Mama, wo bisch du?». Nina Langensand steht an der Bühnenecke vorne links und spricht in ein Mikrofon.

Im Südpol zeigte die Luzerner Schauspielerin und Performancekünstlerin am Dienstag den zweiten Teil ihres Stücks «Chi». Der erste war vor zwei Jahren zu sehen, ebenfalls am Festival Heimspiele der lokalen Freien Theaterszene.

Vier Wohnorte

Wie in «Chi I» ist auch in «Chi II» der Nachwuchs mit auf der Bühne. Inzwischen sind es zwei, ein zweieinhalbjähriges Mädchen und ein Junge im Bébéalter. Die Rolle der Kinder ist ethisch nicht ganz unbedenklich. Auch wenn sie zur Musik des Gitarristen Philip Burrell entzückende, unberechenbare Szenen beisteuern und meist zufrieden wirken – die Bühnenwelt der Mutter ist eigentlich nicht ihre.

An sie aber richtet Langensand ihren Text, insofern stimmt das Setting. Im persönlichen, mäandernden Gedankenfluss verhandelt die 36-Jährige ihre Erziehungsmuster und ihre Identität als Mutter. Diese widersprechen alles in allem dem Common Sense, also der nach gesellschaftlichen Normen handelnden Mehrheit der Bevölkerung. Zum Beispiel wachsen die beiden Kinder in einer Erziehungsgemeinschaft auf. Sie wohnen an vier Orten, je zwei in Genf und Luzern. «Manchmal weiss ich beim Aufwachen nicht, wo ich gerade bin», sagt Langensand.

Darf sie das?

Das ist für das Publikum der Performance noch kein Grund zur Aufregung. Im Gegenteil, eine grundsätzliche Offenheit gegenüber alternativen Familienmodellen bringt wahrscheinlich mit, wer hier ist. Dann sind da aber Stellen, die irgendwie die Stimmung anspannen und nach dem Schlussapplaus fragende Gesichter hinterlassen. Darf sie das? Geht sie zu weit? Angenommen natürlich, das Gehörte entspricht der Wahrheit.

Sie bade die Kinder eher nur alle zwei Monate richtig, sagt Langensand etwa. Eine Ausnahme habe sie gemacht, als das Mädchen einmal komplett ihre Haare in Suppe getaucht habe. Ein anderer Aufhorcher: Wenn sie mit den Kleinen Velo fahre, eins vorn, eins hinten, würden diese häufig einschlafen und darob zur Seite kippen. Während der Vorstellung lehnt das alte Damenrad mit zwei Kindersitzen draussen am Südpol.

Am Ende brennt das Haus

Nina Langensand erzählt auch, eine ihrer wenigen fixen gemeinsamen Beschäftigungen sei das Nagelschneiden. Und: «Es hat sich eigentlich nichts verändert, seit ihr da seid.» Ihre Selbstzweifel und ihre Süchte seien bestehen geblieben.

Ein Leben mit «viel Unruhe», wie sie sagt, oder aber «ein spannendes Leben», wie die Frau vom Betreuungsnotdienst «Rotkäppchen» meinte – sich zu entscheiden, fällt schwer. Welche Rolle spielt zudem Langensands Partner? Warum brennt am Ende in orangem Licht das Zelt, Symbol der häuslichen Geborgenheit?

Der Abend führt zu vielen Fragen und hält kaum Antworten bereit. Der Text verliert sich in Details. Oder irritiert mit plötzlichen Exkursen zu brutalen Schicksalen einer geflüchteten Frau, einer Nonne und einer Gefängnisinsassin. Vor allem mehr Erklärungen und privater Kontext würde diese Form brauchen. Ein dokumentarisches Regietheater böte mehr Möglichkeiten.

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