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Ein Kinofilm auf den Spuren von Mammutjägern und Zukunftsforschern

Der Schweizer Regisseur Christian Frei spürt auf den Fersen von Mammutjägern und Klonforschern dem Geheimnis des Lebens nach. Sein Film ist stellenweise so spannend wie ein Thriller, macht aber auch Angst.
Irene Genhardt

Man bezeichnet sie als «Mammutjäger». Doch das führt in die Irre. Denn eigentlich sind die paar Unentwegten, die in Christian Freis «Genesis 2.0» im höchsten Norden ablegen und in winzigen Booten zwei-, dreihundert Kilometer über die oft raue See donnern, um auf die Neusibirischen Inseln zu gelangen, nicht Jäger, sondern Sammler. Man könnte sie etwas salopp gar als Glücksritter bezeichnen, die auf dem Buckel der Klimaerwärmung zum schnellen Geld zu kommen trachten, indem sie im während der Sommermonate auftauenden Permafrost nach dem «weissen Gold», den elfenbeinernen Stosszähnen des vor vier bis fünf Jahrtausenden ausgestorbenen Mammuts graben.

Regisseur Christian Frei. (Bild: PD)

Regisseur Christian Frei. (Bild: PD)

Doch man würde Spira Sleptsov, Semyon Grigoriev, Vassili, Juri und wie sie heissen, damit ein wenig ungerecht. Denn sie kommen aus Jakutien, gehören garantiert nicht zur reichsten Bevölkerungsschicht, und so ein Mammutstosszahn, der in guten Zeiten auf dem Markt einige Tausend Dollar abwirft, ist ihnen ein dringend benötigter Zustupf. Auch ist die Mammutjägerei überaus strapaziös. Nicht nur, weil man über Wochen unter primitivsten Umständen lebt, mit den Liebsten nur selten per Satellitentelefon Kontakt hat, sondern vor allem, weil der Erfolg nie gewiss ist.

Ein Mammut zum Leben erwecken

«Genesis 2.0», mit den Mammutjägern und dem von einer Frauenstimme vorgetragenen jakutischen Heldenepos «Olonkho» einsetzend, mutet in seinen ersten Minuten spektakulär archaisch und ein wenig auch esoterisch an. Doch Dokumentarfilmer Christian Frei ist kein Fantast. «Spannung entsteht ­immer da, wo man etwas per se nicht mehr versteht», sagt er. Wo Gegensätze wie Ratio und Aberglaube, Erkenntnis und Verteuflung aufeinandertreffen. Frei las das Buch «Regenesis» über die Zukunft der Gentechnologie und die Pläne, das Mammut wieder zum Leben zu erwecken, als ihm ein «National Geographic»-Heft mit einem Beitrag der Russin Evgenia Arbugaeva in die Hände fiel. Deren Bilder von jakutischen Mammutjägern stülpten sich vor seinem inneren Auge über die Theorien des Gentech-Gurus George M. Church. Diese Vision wurde zum Kern von «Genesis 2.0».

Der Film stellt die Mammutjäger-Geschichten neben Szenen in modernsten Labors in Asien und den USA. Sie zeigen Gentechniker und Klonforscher, die sich, nachdem sie die DNA entschlüsselten, nun kühn an die eigene Erfindung des Lebens machen. Zum Bindeglied wird dabei ein vom Profi-Mammutjäger Peter Grigoriev 2013 entdeckter, ­nahezu unversehrter Mammut­kadaver. Grigorievs Bruder, der Paläontologe Semyon Grigoriev, der das Mammut-Museum von Jakutsk leitet, liess das Mammut, an dem man gar Fleisch und Blut entdeckte, sorgfältig ausgraben und träumt seither davon, dieses als Klon wiederaufstehen zu lassen. Es ist ein Traum, welcher der Stammzellenforscher Hwang Woo-suk, der derzeit in Südkorea für seine reiche Klientel am laufenden Band geklonte Hunde herstellt, nur zu gern teilt. Und sei dies auf Anregung von Christian Frei, der seine Rolle als Dokumentarfilmer auch dahingehend verstehe, neue Entwicklungen genau zu betrachten und kritisch zu hinterfragen:

«Mit diesen neuen Gentechnologien, welche die Menschen zu Schöpfern machen, rollt etwas auf die Menschheit zu, das viel grösser ist als ein Mammut.»

Er bestärkt im Gespräch seinen Respekt vor den Forschern, aber auch sein Verständnis für die bisweilen von Angst bestimmten Reaktionen des Publikums. Frei betont dabei die Wichtigkeit ethischer Grenzen, die im Film aber nicht so genau hinterfragt werden. Seine Faszination am Thema begründet Frei in seiner «genuinen Neugierde als Filmemacher». Dass er sich dabei mit kritischen Kommentaren zurückhält und die Zuschauer die apokalyptischen Dimensionen des Themas eigenständig entdecken lässt, spricht für ihn. So ist «Genesis 2.0», der mit einem pompösen Soundtrack und spektakulären Bildern aufwartet, oft spannend wie ein Thriller – spätestens dann aber, wenn ein Genforscher unverblümt davon spricht, das «Werk Gottes zu perfektionieren», so beängstigend wie ein guter ­Horrorfilm.

Der Schweizer Regisseur Christian Frei

Der Solothurner mit Jahrgang 1959 ist der international bekannteste Dokumentarfilmer der Schweiz. Sein Film «War Photographer» war 2002 für einen Oscar nominiert. Drei seiner Werke liefen im internationalen Wettbewerb von Sundance, wo er zweimal einen Preis gewann. Seit 2011 ist Frei Präsident der Schweizer Filmakademie. (PD)

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