Manu Dibango ist das erste weltbekannte Corona-Opfer

Der Saxofonist und Komponist des Welthits «Soul Makossa» gehörte zu den bedeutendsten afrikanischen Musikern.

Stefan Künzli
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«Papa Groove» Manu Dibango.

«Papa Groove» Manu Dibango.

Bild: EPA

Wer Manu Dibango sagt, der denkt an «Soul Makossa». Der 1972 veröffentlichte Song eroberte im Nu die Hitparaden der frankophonen Welt und stürmte sogar die amerikanischen Charts. «Soul Makossa» war aber nicht einfach ein Welthit. Die heisse Mischung aus traditionellen afrikanischen Rhythmen und westlichem Funk, Jazz und Disco steht vielmehr noch für den Aufbruch der afrikanischen Pop-Musik in die westliche Welt. Der Song bedeutete ein Fanal für viele afrikanische Musiker und das afrikanische (Selbst)-Bewusstsein in einer modernen Welt.

Der Hybrid «Soul Makossa» passt zur Biografie von Manu Dibango, der 1933 im kamerunischen Duala geboren wurde und mit 15 nach Paris geschickt wurde, um dort Musik zu studieren. Dibango lebte in zwei Welten und pendelte im Laufe seiner Karriere zwischen Frankreich und Afrika hin und her.

Michael Jackson und Rihanna inspiriert

Als Saxofonist und Komponist experimentierte «Papa Groove» folglich stets mit Synthesen aus afrikanischen Stilelementen sowie aktuellen Stilen der internationalen Popmusik und arbeitete mit westlichen Musikern wie Herbie Hancock, den Reggae-Ikonen Sly & Robbie und dem Produzenten Bill Laswell. Manu Dibango blieb stets auf der Höhe der Zeit und wagte 1985, ganz trendbewusst, mit «Electric Africa» einen Vorstoss in den Bereich der elektronischen Disco-Musik.

Die hypnotische Wirkung der Musik von Manu Dibango blieb auch Michael Jackson und seinem Produzenten Quincy Jones nicht verborgen. Für den Song «Wanna Be Startin’ Somethin’» aus dem Album «Thriller» (1982) wurde die markante, rhythmische Passage «Ma ma se, ma ma sa, ma ma coo sa» aus «Soul Makossa» verwendet. Als Rihanna dieselbe Passage ungefragt für ihren Dance-Knaller «Don’t Stop The Music» (2007) einbaute, wurde sie von Dibango verklagt.

Ein Afrikaner des 20. Jahrhunderts

«Ich verstehe mich als authentischer Afrikaner, aber als Afrikaner des 20. Jahrhunderts», antwortete er auf Vorwürfe, dass er das Erbe Afrikas verrate und keine «echte» afrikanische Musik mache. Dibango wehrte sich vehement gegen das (westliche) Bild und Klischee des wilden, rückständigen und primitiven Afrikaners. «Ich will dem Afrikaner der Gegenwart entsprechen und nicht dem, was seine Vorfahren einmal waren», sagte er dazu weiter.

Manu Dibango war ein Pionier. Dazu neben Miriam Makeba und Fela Kuti der wohl bekannteste und bedeutendste Musiker Afrikas. Am Dienstag morgen ist der Musiker in seiner zweiten Heimat Paris 86-jährig gestorben. Er ist der erste weltweit bekannte Prominente, der an den Folgen des Coronavirus erlegen ist.