Neuartige, märchenhafte Klänge

Gerda Neunhoeffer
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Ein Hauch von Spanien weht am Sonntag durch das Luzerner Neubad. Im Rahmen der Lucerne Guitar Concerts erklingen Werke für Gitarren und Streichquartett. Das international renommierte Schweizer ­Casal Quartett und zwei aussergewöhnliche Gitarristen ver­zaubern die Zuhörer. In Luigi Boccherinis Quintett für Gitarre und Streichquartett Nr. 4 D-Dur mischen sich Streicherklänge und das fein ausbalancierte ­Gitarrenspiel von Vojin Kocic reizvoll. Lieblich schwingt sich die «Pastorale» in den hohen Raum. Der zweite Satz ist fast ein Cellokonzert, in dem Andreas Fleck seine klangstarke ­Virtuosität bis ins Flageolett ausspielt. Und den tänzerisch hinreissenden «Fandango» würzt er mit Kastagnetten.

Im Quintett des kubanischen Gitarristen und Komponisten Leo Brouwer (*1939) spielt Lazhar Cherouana den virtuosen Gitarrenpart. Die Dialoge mit den Streichern verzahnen sich ineinander, das ruhige viertönige Thema im zweiten Satz wirkt archaisch. Mit Pizzicato und Trillern, mit vorwärtsdrängender Intensität wird man in den Sog des Finales mitgerissen.

So vielgestaltig wie das Meer

Komponist Carles Giusado (*1978) stammt aus Barcelona und lebt jetzt in Zürich. Sein ­Sextett für Streichquartett und Gitarrenduo «Ajenjo del Mar» eröffnet viele Assoziationen. Selbst «Agua helada», gefrorenes Wasser, hat Bewegung in minimalistischer Klarheit. Betörend elegisch, immer wieder in reinen Harmonien, winden sich die Themen wassergleich durch den hohen Raum. Neuartig, märchenhaft, von barocken Anklängen bis Jazz, ist diese Musik so wundersam und vielgestaltig wie das Meer. Das Publikum feiert Komponist und Interpreten begeistert.