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MEGGEN: Eine kleine Schubertiade auf dem Schloss

Alpenländische Klänge im «Hirt auf dem Felsen» und Schuberts letzte Klaviersonaten prägten die letzten Tage des Festivals «klang» auf Schloss Meggenhorn. Letztere in der magischen Interpretation des Schweizer Pianisten Oliver Schnyder.
Gerda Neunhoeffer
Oliver Schnyder begeisterte durch ein Spiel, das die unterschiedlichsten Emotionen vermittelte. (Bild: Corinne Glanzmann (30. Dezember 2017))

Oliver Schnyder begeisterte durch ein Spiel, das die unterschiedlichsten Emotionen vermittelte. (Bild: Corinne Glanzmann (30. Dezember 2017))

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

Innerhalb des Kammermusikfestes «klang» auf Schloss Meggenhorn, in dem an fünf Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr sechs erlesene Konzerte stattfinden, gab es dieses Mal eine kleine Schubertiade: Sie begann am Freitagabend mit Franz Schuberts «Der Hirt auf dem Felsen», D 965 für Sopran, Klarinette und Klavier, und bildete dort den Abschluss des Konzertes «Stimmungen der Stimme». Es ist eine der letzten Kompositionen, die Schubert kurz vor seinem Tod 1828 schrieb. Und gestern waren zwei der drei letzten Klaviersonaten in der Galamatinee «Schuberts letzte Töne» zu hören.

Der intime Rahmen im Festsaal des Schlosses, in dem man den Musikern ganz nahe ist und jede Regung hautnah erlebt, war wieder ideal für die Konzerte. Mit der Sopranistin Franziska Hirzel, dem Pianisten Jan Schultsz und dem künstlerischen Leiter Fabio Di Càsola hatten sich drei Musiker zusammengefunden, die den Liedern von Louis Spohr für diese Besetzung und eben Schuberts opernhafter und gleichzeitig alpenländischer Musik im «Hirt» quasi Flügel verliehen.

Aufbäumen gegen das Schicksal

Leicht fliessend und mit hervorragender Artikulation sang Franziska Hirzel auch Lieder von Mahler und Strauss, orchestral farbig begleitet vom Pianisten. In Schuberts Komposition aber meinte man, den Hirten von weit her auf seiner Klarinette zu hören, Di Càsolas weich schmelzender Ton liess die Sopranstimme erglänzen; man fühlte sich mitten in den Bergen und hörte den Frühling kommen, auch wenn draussen leise Schnee fiel.

Dass die Künstler selber jeweils kurze Einführungen in die Werke geben, ist eine weitere Besonderheit von «klang» Meggen. Pianist Oliver Schnyder erläuterte die Unterschiede der beiden Sonaten in der gestrigen Matinee anschaulich, aber man hörte seinem Spiel auch ohne das genau an, was Schubert empfunden haben muss. In der Sonate c-Moll D 958 überwiegen Verzweiflung, Aufbäumen gegen das unausweichliche Schicksal, Festhalten am Leben und Panik. Schnyder aber gelang es neben diesen auskomponierten Ausbrüchen immer wieder, Melodien herauszuheben, die wie aufzuckende Lichter in die aufbrausenden Läufe und Akkordballungen des ersten Satzes hineinstrahlten.

Mit Sorgfalt bereitete er jeden Harmoniewechsel vor, liess die Zuhörer teilnehmen an seiner von innen heraus gestalteten Interpretation. Im Adagio gab er Raum, den fast verzagten Melodien nachzulauschen, er gestaltete die liedhaften, an die Winterreise erinnernden Themen schlicht und gesanglich. Drängend spielte er das Menuetto wie einen Ausweg, der aber nie vollendet wird, man blieb gefangen in kleinen hoffnungsvollen Abschnitten. Und das steigerte sich im letzten Satz, den Schnyder unerbittlich rasch, durchpulst von den ständigen Punktierungen, vorwärtstrieb.

«Ausserordentlichster Triller der Musikgeschichte»

Dabei blieb alles durchsichtig und hoch differenziert, bis das Anfangsthema nochmals wie sehnsuchtsvoll aufgegriffen wurde, um dann doch ohne Erlösung zu enden. Der ruhig fliessende Beginn der letzten Sonate B-Dur D 960 wird schnell durch einen grollenden tiefen Triller gestört, der immer wieder unvermutet aufscheint. András Schiff hält ihn für den «ausserordentlichsten Triller der gesamten Musikgeschichte».

Oliver Schnyder spielte ihn so, dass man ihn wohl bemerkte wie ein fernes Donnergrollen, das aber nicht bedrohlich wirkt. Mit fein durchdachter Artikulation wechselte er von sanftem Staccato in dichtes Legato; aus melancholischen Themen brachte er die Töne zu hellem Leuchten, das verzauberte und wie in himmlische Sphären lockte.

Das Andante erklang magisch und ruhig fliessend wie ein letzter Gesang, bevor das hell sprudelnde Scherzo in ganz andere, unbeschwerte Welten zu führen schien. Filigran und wunderbar leicht spielte Schnyder die einschmeichelnde Melodik, um im Trio starke Akzente zu setzen. Die Helligkeit verstärkte sich im letzten Satz, der sich schliesslich wie in warmen Sonnenschein auflöste. Die Zuhörer waren hellauf begeistert, einige meinten, man hätte gerne alle drei Sonaten gehört!

Aber wie in allen Konzerten bei «klang» Meggen hatte man danach die Möglichkeit, mit dem Künstler und den anderen Zuhörern bei Apéro und Diner noch ausführlich über das Gehörte zu sprechen – eine Möglichkeit, die es sonst selten gibt. Neben den Blumenarrangements, fürs Auge komponiert, und der Nähe zu den Künstlern macht auch dieses Zusammensein den besonderen Reiz der «klang»-Tage auf Schloss Meggenhorn aus.

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