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MEGGEN: Zwischenhochsaison der Klassikfestivals

Kammermusikfestivals haben Hochkonjunktur als Treffen unter Freunden. Am Beispiel von «Klang Meggen» sagt der Klarinettist Fabio Di Càsola, wieso Musiker dafür sogar auf Ferien verzichten.
Orion-Streichtrio: Benjamin Gregor-Smith (Cello), Soyoung Yoon (Violine) und Veit Hertenstein (Bratsche). (Bild: PD)

Orion-Streichtrio: Benjamin Gregor-Smith (Cello), Soyoung Yoon (Violine) und Veit Hertenstein (Bratsche). (Bild: PD)

Ein Sommerloch gibt es in der klassischen Musik in der Region längst nicht mehr. Aber erstmals führen jetzt Kammermusikfestivals in einer Art Stafettenlauf nahtlos über von der vergangenen Saison hin zum Lucerne Festival, mit dem die nächste Hochsaison beginnt.

So wurde das erstmals durchgeführte Festival Andermatt Swiss Alps Classics bereits gestern eröffnet (vgl. letzte Ausgabe des APEROS). Am nächsten Wochenende ist Zwischenhochsaison, weil da sowohl die Musiktage «Klang» auf Schloss Meggenhorn wie der Boswiler Sommer beginnen. Eine Woche später übernehmen die Sommerklänge Zug, die mit fünf Konzerten jeweils am Sonntag bis zum Sommerfestival dauern.

Keine Ferien für Musiker?

Dass das Publikum die Verlängerung der Konzertsaison bis zu den Ferien schätzt, ist naheliegend. Aber wie ist das für die Musiker – brauchen die keine Ferien? Einer, der es wissen muss, ist der Klarinettist Fabio Di Càsola. Er ist bei «Klang Meggen» in beiden Rollen tätig: als künstlerischer Leiter auf Seiten der Veranstalter, als Mitspieler in zwei der vier Konzerte auf der der Musiker.

Brauchen diese also keine Erholung und machen keine Ferien? «Doch, doch», wehrt der Tessiner mit seinem charmanten italienischen Akzent ab, «aber als Musiker nehme ich sowieso meist mein Instrument in die Ferien mit und spiele auch mal eine halbe Stunde zum Spass.»

Fast wie eine Schubertiade

Denn wenn man das Instrument für längere Zeit zur Seite legt, gibt das zwar «frische Luft» im Kopf: «Aber man verliert auch etwas den Kontakt zum Instrument.» Und wer nicht vier Wochen am Stück in die Ferien fährt, für den sind Festivalauftritte zwischendurch sehr willkommen: «Wenn man in den Ferien ohnehin übt, ist es befriedigender, zwischendurch damit auch aufzutreten.» Das gilt erst recht, wenn dies an Orten geschieht, wo wie rund um Schloss Meggenhorn der Ferienduft in der Luft liegt. Was schätzt Di Càsola am Schloss? «Ich mag die Nähe zum Publikum! Ich verstehe zwar, dass gewisse Musiker das als Stress empfinden, weil man quasi wie durch eine Lupe beobachtet wird», lacht er, «aber das gehört zur Atmosphäre wie an einer Schubertiade, wo man sich mit Freunden trifft, diskutiert und entscheidet, was man spielen will.»

Schubertiaden, das waren einst die Zusammenkünfte des Freundeskreises um Franz Schubert, wo sich Literaten und Musiker trafen, um im geselligen Rahmen zu essen und zu trinken, zu debattieren und zu musizieren. Wie lebhaft es da zu- und herging, lassen die vielen Tänze erahnen, mit denen Schubert am Klavier für Unterhaltung sorgte und wohl auch improvisierte.

So gesehen gehören die anschliessenden Dinners bei «Klang Meggen» durchaus zum Programm. Denn am Tisch der Musiker erlebt man diese von ihrer ungezwungen-geselligen Seite. Wobei es in den Diskussionen nicht nur, aber auch mal um die Musik gehen kann, wenn Di Càsola ein Geheimnis seines Klarinettenspiels preisgibt: «Es ist ein Instrument aus Buchsholz, mit dem man leicht phrasieren und zum Beispiel auch sehr gut Musik von Bach spielen kann. Gerade in den Ferien spiele ich diese gerne zum Relaxen.»

Aus vier und acht werden fünf

So weit geht er am Festival zwar nicht. Aber zu welch individuellen Programmen der «Spass, miteinander zu spielen», führt, zeigt der Auftritt des Klang-Bläserensembles, in dem der Klarinettist mit befreundeten Bläsern zusammenspielt. Da erklingen lauter Werke in Arrangements für Bläserquintett.

«Beim Streichquartett in d-Moll von Mendelssohn erlaubt ein fünftes Instrument mehr Abwechslung, weil man die Melodiestimme auf mehr Instrumente verteilen kann», erklärt Di Càsola: «Da ist es spannend, die Klangfarben so hinzukriegen, dass das die Absichten des Komponisten noch verdeutlicht.» Eine umgekehrte Herausforderung stellt Mozarts Serenade Nr. 11 für Bläseroktett dar, die in einer reduzierten Besetzung für fünf Instrumente realisiert wird.

Ein dritter Weg

Bei der Auswahl der Ensembles geht das «Klang»-Festival einen Mittelweg. Andere Festivals präsentieren prominente Namen oder setzen auf den Enthusiasmus junger En­sembles. «Wir bieten Musikern eine Plattform, die aus dem Alter herausgewachsen sind, für das es viele Fördermittel gibt», umschreibt Di Càsola die «Klang»-Philosophie: «Da gibt es viele gute Musiker, die zum Teil attraktive Stellen in grossen Orchestern haben, aber auch eine grosse Lust, tolle Kammermusik zu machen.»

Ein Beispiel dafür ist das 2012 in Basel gegründete Orion-Streichtrio, dessen Geigerin Soyoung Yoon Konzertmeisterin des Sinfonie­orchesters Basel ist. Letztes Jahr gewann das Trio den ersten Preis und den Publikumspreis beim 15. Kammermusikwettbewerb des Migros-Kulturprozents: Wohl auch dafür, dass es – wie im «Klang»-Schlusskonzert – sein Trio-Repertoire auswendig spielt und so ohne Notenständer zwischen sich und dem Publikum eine besondere Intensität erreicht.

Meisterwerke, Entdeckungen

Die Programme selbst umfassen Meisterwerke wie Schuberts Streichquintett, mit dem das Kaiser-­Quintett das Festival tatsächlich als Schubertiade eröffnet. Aber berücksichtigt werden auch Komponisten, die zu Unrecht kaum bekannt sind. So spielt Di Càsola mit dem Orion-Trio zwei Quartette von Beethoven-Zeitgenossen – darunter dem heute vergessenen Bernhard Henrik Crusell.

«Wenn man sie mit Meisterwerken von Beethoven vergleicht, können sie nicht ‹gewinnen›», räumt der Klarinettist ein: «Aber selbst Beethoven schrieb nicht nur Meisterwerke, sondern auch solche, gegen die diese tollen Quartette bestehen können!» Dass Crusell ein vorzüglicher Klarinettist war, sei dabei sowohl ein Vor- wie ein Nachteil, fügt er schmunzelt hinzu: «Sein Quartett ist der Klarinette auf den Leib geschrieben, aber auch sehr virtuos und deshalb schwer zu spielen!»

Urs Mattenberger
kultur@luzernerzeitung.ch

Klang-Wunder und Entdeckungen im Salon

«Klang Meggen» im Sommerwurde vor sechs Jahren nach dem Vorbild des Klang-Festivals zur Weihnachtszeit gegründet. Zu jedem Konzert im Bürgersalon von Schloss Meggenhorn gibt es einen Apéro auf der Schlossterrasse und die Möglichkeit zu einem anschliessenden Dinner.

Ein Gratis-Shuttle-Bus bringt Konzertbesucher von der Haltestelle Hermitage Luzern (erreichbar mit Bus 24) nach Schloss Meggenhorn. Abfahrt jeweils eine Dreiviertel-, halbe und Viertelstunde vor Konzertbeginn.

Eröffnung: «Streichgenuss»

Freitag, 30. Juni, 18.45: Das Eröffnungskonzert wartet mit einer kammermusikalischen Grossbesetzung auf: Das junge Kaiser-Quintettsetzt aber mit zwei Geigen, einer Bratsche und zwei Celli nicht nur auf orchestralen Klang, sondern auch auf vitale Rhythmen: Neben Schuberts Streichquintett-Wunder erklingen drei Tänze für Streichquintett von Erwin Schulhoff – «alla Czeca», «Alla Tango milonga» und «Alla Tarantella».

«Entdeckungen»

Samstag, 1. Juli, 17.45: Der Klarinettist Fabio Di Càsola und das Orion String Trio spielen Werke für Klarinette und Streicher, die zwischen den Meisterwerken von Mozart und Brahms entstanden sind. Zwischen den Klarinettenquartetten der Beethoven-Zeitgenossen Franz Krommer und Bernhard Henrik Crusell erklingt auch ein Werk von Beethoven selbst, sein Streichtrio Nr. 3.

Matinee: Bläser-Brise

Sonntag, 2. Juli, 11.00:Mit Brise sind beim Klang-Festival jeweils Blasinstrumente gemeint. Das Klang-Bläserquintettum den Klarinettisten Fabio Di Càsola spielt Bläser-Arrangements von gewichtigen Werken von Mendelssohn (Streichquartett Nr. 4) und Mozart (Serenade Nr. 11).

Zum Schluss «dreimal drei»

Sonntag, 2. Juli, 17.45:Das Orion String Trio führt verschiedene Möglichkeiten der Streichtrio-Besetzung vor: vom c-Moll-Streichtrio des frühen Beethoven über einen Trio-Satz von Schubert bis zur Spätromantik Ernst von Dohnányis.

mat

«Klang Meggen» findet statt vom Freitag, 30. Juni, bis Sonntag, 2. Juli
im Schloss Meggenhorn, Meggen.
www.klang.ch, VV: Tel. 041 250 79 02

Eröffnet mit Schuberts Streichquintett: das Kaiser-Quintett. (Bild: PD)

Eröffnet mit Schuberts Streichquintett: das Kaiser-Quintett. (Bild: PD)

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