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Kunsthaus Zug: Mehr als nur Objektkunst

Weg von der Wand, hinein in den Raum: Das spannungsvolle Wechselspiel zwischen Objekt, Figur und Raum ist ab heute in der neu eröffneten Ausstellung erlebbar.
Haymo Empl
Figurale Objektkunst wird in einen Raumkontext gestellt. Einige der Exponate werden im Kunsthaus Zug zum ersten Mal in einem solchen Rahmen präsentiert. (Bild: Maria Schmid, 28. März 2019)

Figurale Objektkunst wird in einen Raumkontext gestellt. Einige der Exponate werden im Kunsthaus Zug zum ersten Mal in einem solchen Rahmen präsentiert. (Bild: Maria Schmid, 28. März 2019)

Wenn die Zugerkirschflaschen von Roman Signer über Ventilatoren kreisen, wird klar, dass der Begriff «Kunst» relativ ist und der Begriff «Raum» ebenfalls, genauso wie «Objekt». Eine «Figur» beinhaltet im übertragenen Sinn auch Gegenstände – heruntergebrochen auf Farben, Formen, Materialien, Geräusche und im Fall von Roman Signer auch – Luft! Spannende Objektfusionen also im Kunsthaus Zug.

Was bei Signer wie diese kreisenden Flaschen über Ventilatoren schwebend und humorvoll losgelöst vom starren Objekt ist, thematisiert die junge Zugerin Sara Masüger mit einer Skulptur auf ihre Weise: Das Objekt ist starr, der Ausdruck desselben aber fliessend. Ein statisches Objekt im Fluss – aus unverwüstlichen Materialien wie Eisen, Gummi und Acryl – mit Ausdruck der Bewegung: Das fasziniert und begeistert.

Sorgfältig kuratiert

Überhaupt lohnt sich die aktuelle Ausstellung, wenn man etwas Zeit aufwendet, denn oft erschliesst sich das Objekt und vor allem das «Objekt im Raum» erst bei genauerem Betrachten. Äusserst sorgfältig kuratiert und mit grossem Fachwissen einem breiten Publikum nun zugänglich gemacht, finden sich auch einzigartige Trouvaillen. Erstmals werden nämlich auch Neuerwerbungen und Schenkungen der letzten Jahre kompakt und im entsprechenden Kontext («Raum») präsentiert. Helvetische, darunter auch lokale Kunstschaffende wie Eva Wipf, Katharina Sallenbach, Hans Aeschbacher oder Fritz Roth sind seit gestern im Kunsthaus ebenso vertreten wie internationale Kunststars. «Die Sammlungspräsentation legt den Fokus auf einen Bereich der Sammlung, der in fast 30 Jahren nach und nach durch Ankäufe, Dauerleihgaben und wichtige Schenkungen entstanden ist und noch nie Mittelpunkt einer Ausstellung war», erklärt Marco Obrist vom Kunsthaus Zug seine Vorgehensweise beim Kuratieren. Die Namen der Künstler standen weniger im Fokus, wichtiger ist die Aussage der Objekte oder eben: der Kontext, in welchem diese stehen. «Die Ausstellung dokumentiert die Entwicklung der Auffassung der Skulptur von der Figur zum Raum von der Mitte des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart», erklärt Kurator Obrist. Dies gelingt dem Kunsthaus anhand qualitätvoller Werke, die gleichwertig nebeneinander gezeigt werden. «Unabhängig vom Bekanntheitsgrad der Künstlerpersönlichkeiten, von denen sie stammen», führt Obrist weiter aus.

Die Hinterfragung des Begriffs «Objekt»

Moderne Objekte, wie beispielsweise diejenigen des Surrealisten Serge Brignoni, sind gearbeitet mit traditionellen Materialien, aber losgelöst von dem, was wir gemeinhin als «Statue» oder «Figur» bezeichnen würden – und lehnen dennoch an die üblichen menschlichen Proportionen an. Das fasziniert, und genau das sind auch Exponate, die Lust auf mehr machen und vielleicht den Ansporn geben können, sich – endlich? – einmal mit dem Thema «Objekt» näher auseinanderzusetzen. Dass solche «Objekte» ganz generell sehr oft ohne Verweis auf einen menschlichen Körper auskommen können oder ungegenständlich (hier wären wir wieder bei Signers Ventilatoren) sind, zeigen ebenfalls viele weitere ausgestellte Werke.

Singsang auf dem WC

Besonders abstrakt und äusserst humorvoll ist dabei bestimmt die «Toilet in the corner» von Ilya Kabakov: leicht abgeblätterte weisse Farbe, beinahe schon ordinär wirkende Gelblichtglühbirnen und an den WC-Türen von Hand in kyrillisch das Wort «Toilette» geschrieben. Auf dem Klo – für eine «Toilette» wirkt die Installation zu wenig vornehm – ist gedämpft eine männliche Singsangstimme zu hören, sie singt unspektakulär und ganz offensichtlich für sich selbst. Ein Klo in der Ecke im Kunsthaus – auch ein Objekt. Und kennt man die Geschichte dahinter – der Künstler im sowjetischen Wohnblock verschanzte sich seinerzeit als Kind in den jeweiligen Etagenklos, um für sich selbst zu sein –, dann bekommt das Objekt noch mehr Tiefgang und löst sich los vom «banalen Objekt» hin zu einer faszinierenden Installation im Raum. Dass dieses einzigartige Ilya Kabakov-Objekt nun auch in Zug zu sehen ist, ist sicherlich der engen Beziehung des Kunsthauses zum russischen Exilkünstlers zu verdanken. Allein die Toilette in dieser Form wäre übrigens schon einen Besuch im Kunsthaus wert!

«Hauseigene» Künstler

Spannend aber auch, wie das Kunsthaus Zug «eigene Künstler» pflegt, Fritz Roth (1945–2016) aus Cham ist prominent vertreten. Und gerade bei seinen «Holzköpfen» ist schön ersichtlich, wie der verstorbene Bildhauer Material, Form und letztendlich auch den Raum in seine Werke miteinbezog. An der Eröffnung zeigten sich der Direktor des Kunstmuseums Zug, Matthias Haldemann, und Kurator Marco Obrist von der neuen Ausstellung begeistert. Zu Recht, selten stimulieren Ausstellungen die Sinne in und auf so vielen Dimensionen wie «Von der Figur zum Raum».

«Von der Figur zum Raum»: Skulpturen, Objekte, Installationen der Sammlung des Kunsthauses Zug. Ausstellung bis 12. Mai.

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