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Mein Hut, der hat drei Ecken

Was haben wir jahrhundertelang auf dem Kopf getragen? Und warum? Eine kleine Ausstellung im Museum Prestegg Altstätten erkundet die Geschichten, die unter und hinter den Kopfbedeckungen stecken.
Julia Nehmiz
Federleicht schweben sie quer durch den Raum: Kreationen der Alt­stätter Hutmacherin Lydia Baldegger-Lüchinger. (Bild: Marcel Zünd)


Federleicht schweben sie quer durch den Raum: Kreationen der Alt­stätter Hutmacherin Lydia Baldegger-Lüchinger. (Bild: Marcel Zünd)

In einer Reihe aufgespiesst hängen sie an der Wand. Alte Hauben, aus Spitze, gewebt, geklöppelt, mit Bändern, zum Fest­binden, mit golddurchwirkten Fäden, Blumenmustern oder schlicht weiss. Hauben: eine längst vergangene Mode. Doch früher waren sie gang und gäbe.

Es ist eine ungewöhnliche Ausstellung, die Marcel Zünd für das kleine Altstätter Museum Prestegg kuratiert hat. Beim Inventarisieren des Bestands waren ihm die vielen schönen Damenhauben aufgefallen, über 100 Jahre alt – und er fand, das wäre doch was für eine Ausstellung.

Selber probieren im Hutkabinett

«Kopfbedeckungen erzählen Kopfgeschichten» heisst die nun, und sie zeigt mehr als bloss Hauben. Von hölzernen Hutformen über Militärmützen, Trachtenhauben, Hutkreationen für die Damenwelt bis hin zur skurrilen Sammlung einer Altstätter Persönlichkeit – in jedem Raum setzt Marcel Zünd einen anderen Schwerpunkt. Es gibt viel zu ­betrachten: Im Keller wartet die künstlerische Arbeit «Hidden Mothers» von Marlies Pekarek auf Entdeckung, an einer Wand läuft ein Film von Roman Signer, die Treppe wurde bestückt mit geflügelten Worten zu Hüten.

Ein bisschen wird ihm die Grösse des Themas zum Verhängnis, denn Kurator Zünd reisst viele Geschichten an, wo man sich stattdessen eine Vertiefung wünschen würde.

Wie zum Beispiel im «Hutkabinett». Bezaubernde Idee, die ­Besucher nach all dem Hut-Anschauen auch Hüte aufprobieren zu lassen. Die 40 Hüte (vom Fez über Strohhut bis zum schicken Hütchen) sind eine Leihgabe der Rheintaler Sammlerin Hildegard Tanner. Die Balgacherin sammelt Hüte, «sie hat Hunderte», erzählt Zünd. Sie sei bekannt in der Region, sagt er, wer an ein Fest geladen sei, könne bei ihr einen Hut ausleihen. Schade, dass Hildegard Tanner nicht zu Wort kommt in ihrem Hutkabinett, gerne hätte man mehr über sie und ihre Sammelleidenschaft erfahren.

Sacht schaukeln die Hüte im Wind eines Ventilators

Oder im prächtigen Saal im obersten Stock: Dort hat Kurator Zünd eine Installation aus Hüten geschaffen. Federleicht schweben sie durch den Raum, laden ein zum Staunen. Ganz nah kann man herangehen. Die 17 Hüte sind aus dem Nachlass von Lydia Baldegger-Lüchinger (1911–2001), einer Altstätter Hutmacherin, Geschäftsfrau und Mutter von sieben Kindern. Auf einem iPad kann man ihrer Lebensgeschichte lauschen, erzählt von einem ihrer Söhne. Doch zu den 17 ausgestellten Hutkreationen ist nichts bekannt. Auf einem zweiten iPad kann man «Huetmachers Irma verzellt» lauschen – die Widnauerin führte lange Jahre ein Hutgeschäft und erzählt über ihre Lehre in St. Gallen, über Mäusefelle oder Brautschleier. Schön anzuschauen auch die ­Vitrine mit der Hutsammlung des Altstätters Peter Schaps. Vor blau-weissem Himmel aufgehängt, schaukeln die Hüte sacht im Wind eines Ventilators.

«Kopfbedeckungen erzählen … Kopfgeschichten», Museum Prest­egg Altstätten, bis 28. Oktober

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