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Eine Ausstellung zeigt Menschen im Spiegel ihrer Kunst

Jürg Ganz sammelt Selbstporträts. Sie sind von überwältigender Vielfalt und Kraft, wie sich im Museum Rosenegg in Kreuzlingen zeigt.
Rolf App
An den Anfang seiner Ausstellung hat Jürg Ganz einen Spiegel gestellt. (Bilder: Reto Martin)

An den Anfang seiner Ausstellung hat Jürg Ganz einen Spiegel gestellt. (Bilder: Reto Martin)

Die interessanteste Landschaft für den Maler ist das menschliche Gesicht. Unter diesen Gesichtern gibt es eines, das ihn in besonderem Masse fasziniert: sein eigenes. Seit in der Renaissance der selbstbewusste Künstler geboren wurde, hat kaum ein Künstler der Versuchung widerstehen können, sich vor einen Spiegel zu stellen, ein Bild seiner selbst zu zeichnen oder zu malen – und damit oft auch sein Inneres zu erkunden.

Ein Spiegel ist es auch, der den Besucher im Kreuzlinger Museum Rosenegg empfängt. Davor ein Stehpult mit aufgeschlagenem Buch. Die Seite ist leer, hier kann sich der Besucher selber porträtieren. Vor oder nachdem er jene 97 Selbstbilder betrachtet hat, die Jürg Ganz über Jahrzehnte gesammelt hat, und die die Kuratorin Lucia Angela Cavegn im schönen alten Gebäude auf zwei Etagen angeordnet hat.

Ein Beruf, der Kunst und Menschen verbindet

Jürg Ganz ist ein freundlicher, wacher älterer Herr, der gerne erzählt, wie er zu seiner Leidenschaft gekommen ist. Aus kunstsinniger Familie stammend, hat er zuerst die Ausbildung zum Fotografen absolviert und dann in Basel Kunst- und Architekturgeschichte studiert. Die noch kaum institutionalisierte Denkmalpflege interessierte ihn. Es war ein Gebiet, wie er erzählt, «bei dem man zuerst mit dem Regierungsrat reden muss, eine halbe Stunde später mit einer Frau, die keine Sprossenfenster will, weil sie sie mühsam zum Putzen findet, dann wieder mit einem Handwerker». Was er beruflich tat, zuletzt von 1974 bis 1988 als kantonaler Denkmalpfleger des Thurgau, «hat mit Kunst zu tun und mit Menschen».

Jürg Ganz sammelt Selbstportraits von Künstlern. Diese stellt er gerade im Museum Rosenegg in Kreuzlingen aus.

Jürg Ganz sammelt Selbstportraits von Künstlern. Diese stellt er gerade im Museum Rosenegg in Kreuzlingen aus.

Auch im Privaten verbindet Jürg Ganz die Kunst und die Menschen – indem er sammelt. Bald reicht der Platz an den Wänden nicht mehr, und er beschliesst, sich auf ein Thema zu konzen­trieren: auf jene Selbstporträts, von denen er schon einige besitzt. Denn:

«mit jedem Selbstporträt lerne ich einen neuen Menschen mit Leib und Seele kennen.»

Er spricht an Vernissagen Künstler an, oft führt eines zum andern.So verbindet sich mit jedem Bild eine Geschichte. Als er den Winterthurer Maler Martin Schwarz fragt, liefert der ihm ein Bild in dunklen Tönen mit zwei Silhouetten. Die eine trägt seine Züge, das Gesicht der andern ist unkenntlich gemacht. Und darüber schreibt Schwarz: «Ich weiss nicht mehr, wer ich war.»

Jürg Ganz hat Menschen zu Gast, nicht Bilder

Die Bilder sprechen miteinander. Es werden Verknüpfungen geschaffen, auch über die Zeit hinweg. Die Ausstellung eröffnen Grossvater, Schwiegersohn und Enkelin in Selbstdarstellungen von Sigismund Righini, Willy und Hanny Fries. Manche Künstler werfen sich in Pose, andere por­trätieren gewissermassen ihr Inneres, malen sich in bunten Paradieslandschaften wie Paul Camenisch oder im Gefängnis wie Aleks Weber. Viele porträtieren das Malen mit, zeigen sich wie Henry Meylan an der Staffelei oder wie der Illustrator Hannes Binder mit dem Schabwerkzeug. So bleibt als Eindruck dieser überwältigend vielfältigen Ausstellung im Museum Rosenegg, dass Jürg Ganz in seinem Schaulager Menschen und nicht Bilder zu Gast hat. Er grüsst sie denn auch, wenn er hereinkommt.

Vernissage am Freitag, 29. Juni um 19 Uhr, Museum Rosenegg Kreuzlingen

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