Pop

Michael Jackson ist zurück: Die Renaissance des «King of Pop»

«Michael» – das erste posthume Jackson-Album mit bisher unveröffentlichten Songs erscheint. Hören Sie hier den Song «Hold My Hand», ein Duett von Michael Jackson und Akon.

Hanspeter Künzler
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Die Debatte, ob es zulässig sei, dem Perfektionisten Michael Jackson ins Handwerk zu pfuschen, indem man Lieder, die zu seinen Lebzeiten unvollendet geblieben waren, für eine Veröffentlichung aufbereitete, führte in den Fan-Foren zu Wortschlachten, wie sie für die grundsätzlich friedfertige Welt der Jackson-Verehrer höchst ungewöhnlich waren.

Für eine bestimmte Schule von Fundamentalisten ist es Ehrensache, solche Veröffentlichungen zu boykottieren. Es gehe dabei nur um eine letzte Ausbeutung des King of Pop durch das «Big Business», das ihn zuvor nur fertiggemacht habe. Diverse Mitglieder des Jackson-Clans hauten in die gleiche Kerbe.

Als vor einigen Wochen das beschwingte «Breaking News» als Appetitanreger aufs erste posthume Jacko-Album veröffentlicht wurde, zweifelten sie sogar die Authentizität der Stimme an.

Die Erbverwalter reagierten mit einem eleganten Pressecommuniqué, in welchem vom Produzenten Teddy Riley bis hin zu einem «Musikforensiker» alle Befragten bestätigten, dass hier tatsächlich die Stimme von Michael zu hören sei.

Und übrigens profitiert nicht nur die Plattenfirma von dem Unterfangen, aus Aufnahmen, die im Archiv von Michael nach seinem Tod gefunden wurden, weitere Alben zusammenzustellen. Michaels Erben - also: seine Kinder und seine Mutter - schlossen im vergangenen Frühling mit Sony einen Vertrag über zehn Veröffentlichungen ab, der ihnen 200 Millionen Dollar garantieren soll.

Abwechslungsreicher als «Invincible»

Selten hat ein so simpler Albumtitel - «Michael» - so bombastisch gewirkt. Er suggeriert, dass wir es hier mit der Essenz von Michael Jacksons Muse zu tun haben.

Das ist schon insofern falsch, als bei diesem Album das Feingefühl von Produzenten wie Akon, Teddy Riley und John McClain genau so wichtig war wie der Jacksonsche Genius zum Liederschreiben: Sie haben es verstanden, die Aufnahmen in der Absenz des Meisters so zurechtzurücken, dass sie selbst Jackson selber möglicherweise hätten gefallen können.

Süchtig nach Perfektion

Da und dort - zum Beispiel beim grossartigen «Behind The Mask», das auf einem Stück des Yellow Magic Orchestra basiert - drängt sich gar der frevelhafte Verdacht auf, dass es sogar geholfen haben könnte, dass der in den letzten Jahren fast schon krankhaft perfektionssüchtige Jackson bei der Fertigstellung nicht dreinreden konnte.

Mit seinen zehn Songs und 43 Minuten ist «Michael» erfrischend kurz und auf jeden Fall abwechslungsreicher, als das endlose letzte «offizielle» Album «Invincible».

Derweil durchaus nicht alle Songs wie «Behind the Mask» in die Kategorie «Klassiker» gehören, wäre nur ein einziges Stück - das seichte «Keep Your Head Up» - wirklich besser in der Schublade geblieben.

Weitere Highlights sind die radiofreundliche Akon-Komposition «Hold My Hand», die funkige Teddy-Riley-Produktion «Hollywood Tonight» aus dem Jahr 2001, der feine Gegenwarts-R&B von «Monster» und «(I Can't Make It) Another Day» aus der Feder von Lenny Kravitz.

Es ist zu hoffen, dass die weiteren «neuen» Michael-Jackson-Werke ähnlich sorgfältig aufbereitet werden.