MICHAEL SCHANZE: Eine Generation ist mit ihm gross geworden

Er hat sich mehrmals neu erfunden: Musiker, Showmaster, Sänger, Schauspieler, Komponist. Heute wird Michael Schanze 70 Jahre alt. Einen Traum will er sich noch erfüllen.

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Michael Schanze (70) konnte seine TV-Karriere loslassen. (Bild: Keystone (17. Oktober 2016))

Michael Schanze (70) konnte seine TV-Karriere loslassen. (Bild: Keystone (17. Oktober 2016))

Ende der 70er-Jahre startete er als smarter Sonnyboy seine Karriere. «Hätten Sie heut’ Zeit für mich?», «1, 2 oder 3», «Flitterabend» und «Kinderquatsch mit Michael» – eine Generation von Fernsehzuschauern ist mit Michael Schanze gross geworden. Schon davor war Schanze als Schlagersänger sehr erfolgreich gewesen, etwa mit «Ich hab dich lieb, Oh wie wohl ist mir».

Doch eines Tages hatte er keine Lust mehr, singend die Showtreppe herunterzukommen. Der Moderator sortierte sein Leben neu, startete als Theaterschauspieler durch und ist heute mit seinem Leben im Reinen. Derzeit arbeitet er an einer Musical-Version von «Heidi», schreibt sowohl den Text als auch die Musik zu dem Stück. Heute wird der Münchner 70.

Schanze findet es schade, dass sein Abschied vom Fernsehen oft als Karriereknick dargestellt wird. Er empfindet das gar nicht so. «Ich habe 1995 den ‹Flitterabend› beendet – ganz ohne Not. Wir hatten immer noch elf Millionen Zuschauer. Da würde heute so mancher von träumen», sagt er im Gespräch. Er habe einfach Zweifel gehabt, ob er diesen Job sein Leben lang machen wolle.

«Ein neues Universum hat sich aufgetan»

Gleichzeitig ging seine Ehe in die Brüche, und er traf die «nicht ganz populäre Entscheidung», aufzuhören mit dem Fernsehen. Auf zu neuen Ufern. Schanze spielte Theater, erst komödiantische Rollen, dann auch das ernste Fach. «Da hat sich mir ein ganz neues Universum aufgetan.»

Die Fernsehkarriere bedauert er nicht. Im Gegenteil, er empfindet grosse Dankbarkeit dafür. Aber der Schlussstrich sei richtig gewesen. «Der einzige, der es bedauert, ist mein Banker. Denn im Fernsehen verdient man natürlich viel mehr», so Schanze.

«Plopp» gehört bis heute zum Alltag

Im Grunde hätte er schon früher mit dem Theaterspielen beginnen sollen, sagt er rückblickend. Dass er bis heute ständig auf seine TV-Shows angesprochen werde, störe ihn aber nicht. «Was meinen Sie, wie oft jemand auf mich zukommt und ‹Plopp› macht?» Schanze nimmt es immer gelassen und mit Humor.

Der Tausendsassa träumt heute einzig noch von einer «richtig guten Fernsehrolle.» Kürzlich habe er ein Gastspiel in einer Folge von «Um Himmels Willen» gehabt. Angebote für grössere Rollen seien auch schon gekommen, jedoch mit seinen Theater-Engagement nicht zu vereinen gewesen. «Aber vielleicht klappt es mal. Das wäre toll.»

Bei all seinen beruflichen Veränderungen ist Schanze eines immer geblieben: ein Familienmensch. Der gute Kontakt zu seinen drei Söhnen Florian, Patrick und Sebastian ist ihm wichtig. Im Haus stehen zahlreiche Familienfotos aus früherer Zeit. Zu Weihnachten habe ihm sein in New York lebender Sohn Patrick ein neues Foto geschickt. Das hat schon einen Ehrenplatz in der Küche gefunden.

Seinen Geburtstag wird Schanze im kleinen Kreise feiern. Kopfzerbrechen bereitet ihm die 70 nicht. «Ich habe ja gar keine Zeit, darüber nachzudenken.»

 

Ute Wessels, DPA

kultur@luzernerzeitung.ch