Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Bitte klatschen! Publikumsvoting für die Stars von Morgen

Ein neues Format der Migros-Kulturprozent-Classics zur Förderung junger Musiker bringt Schweizer Solisten und Klassik-Stars in einem Konzert zusammen. Den Anfang machten Geigerin Julia Fischer und der junge Cellist Christoph Croisé.
Anna Kardos
Der Schweizer Christoph Croisé durfte an der Saisoneröffnung sein Können zeigen. Bild: HO

Der Schweizer Christoph Croisé durfte an der Saisoneröffnung sein Können zeigen. Bild: HO

Man fühlt sich fast wie bei DSDS (Deutschland sucht den Superstar): «Wir messen den Applaus, bitte klatschen Sie ausgiebig», erklärt Mischa Damev, Intendant von Migros-Kulturprozent-Classics, zu Beginn der Saison-Eröffnung. Und tatsächlich. Sobald der junge Cellist Christoph Croisé im bordeauxrot schillernden Anzug seinen Auftritt mit einer Geste beendet, die viel Effekt in einen einzigen Schlusston packt, applaudiert das Publikum. Laut. Langanhaltend. Herzlich.

Warum auch knausern mit Klatschen? Schliesslich geht’s hier nicht um herkömmlichen Beifall, sondern um einen möglichen Karriereschritt. Und die Stimmung im Saal ist gut. Aber nochmals alles der Reihe nach: Wo kein Publikum, da keine Stars. Was simpel klingt, ist für viele Musikerinnen und Musiker Realität. Gerade, wenn sie am Anfang ihrer Karriere stehen. Umso mehr, als die Aufmerksamkeit von Zuhörern und Medien oft auf grosse Namen fokussiert.

Etablierte Künstler, Entdeckung oder beides?

Was aber, wenn man sich gar nicht entscheiden muss zwischen Entdeckung und etabliertem Künstler? Hier setzt das neue Format «Ouvertüre» von Migros-Kulturprozent-Classics an. Dieses stellt dem Auftritt von Klassikstars – in der aktuellen Saison Julia Fischer, Sol Gabetta oder Joshua Bell – einen jungen Schweizer Solisten voran. Er oder sie bekommt ein zehnminütiges Zeitfenster, um sich den Zuhörern vorzustellen. Der ausgewertete Applaus entscheidet darüber, wer in der Folgesaison einen «richtigen» Auftritt gewinnt.

Perfekter gehts nicht: Geigenstar Julia Fischer spielte Brahms' Violinkonzert

Perfekter gehts nicht: Geigenstar Julia Fischer spielte Brahms' Violinkonzert

An der Saisoneröffnung besteht die Konstellation aus Geigenstar Julia Fischer und Jungsolist Christoph Croisé – und aus Virtuosität hoch zwei. Denn Julia Fischer spielt Brahms’ Violinkonzert mit solcher Perfektion, als gelte es, den grossen Technik-Preis zu gewinnen. Das ist beeindruckend, aber auch etwas enttäuschend, schliesslich hat die 36-Jährige schon im Jugendalter bewiesen, was sie handwerklich drauf hat. Längst möchte man lieber ihre persönliche Sicht auf das Werk hören als dessen perfekte Wiedergabe.

Virtuosität ist das Schlagwort der Stunde

Aber Virtuosität scheint generell das Schlagwort der Stunde. Denn auch Dirigent Philippe Jordan dirigiert Brahms’ Vierte Sinfonie mit durchgehend schnellen Tempi. Der vielleicht lieblichste unter den deutschen Romantikern wird beim erfolgreichen Schweizer Dirigenten und den Wiener Symphonikern zum Hünen, der seine Muskeln spielen lässt. Vielleicht darf man Brahms so sehen. Doch, wenn für einen kurzen Augenblick eine andere Welt aufscheint, mit geheimnisvollen Klängen oder charmant Wienerisch verzögertem Metrum, weiss man, dass man eigentlich etwas vermisst.

Und Ouvertüren-Solist Christoph Croisé? Auch er setzt auf schnelle, technisch herausfordernde Stücke mit Giovanni Sollimas «Alone» und Peter Pejtsiks «Stonehenge». Das ist eingängig Musik; das sind schnelle Finger und ein leichter Celloton. Vielleicht zu leicht. Zumindest im Vergleich zu Julia Fischer, die mit ihrer Paganini-Zugabe ein ähnlich schnelles Stück mit mehr Klang zu versehen weiss.

Aber man sollte Äpfel nicht mit Birnen vergleichen und Celli nicht mit Geigen, schliesslich hat jedes Instrument seine ganz eigenen Voraussetzungen. Und trotz Überdosis an Virtuosität: Das neue Format von Migros-Kulturprozent-Classics ist eines, in dem Spannung steckt.

Migros-Kulturprozent-Classics: Ouvertüre www.migros-kulturprozent-classics.ch. Das gesamte Saisonprogramm gibt's unter: www.migros-kulturprozent-classics.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.