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Interview

Tanz-Event im Kleintheater Luzern:
«Mir gefallen die Facetten des Bösen»

Im Kleintheater Luzern steht ein «Doppelabend Tanz» an. Deborah Gassmann tanzt in ihrem Solo «Agnoia» das Gute und das Böse. Weshalb faszinieren diese Pole sie?
Interview: Edith Arnold
Die Tänzerin Deborah Gasmann. (Bild: Roberto Conciatori)

Die Tänzerin Deborah Gasmann. (Bild: Roberto Conciatori)

Sieben Minuten Text während 25 Minuten Tanzsolo: Ist «Agnoia» so erklärungsbedürftig?

Deborah Gassmann: Ich arbeite gerne mit Text. Eine Stimme kann viel Stimmung machen. Im Stück wird sie zu einem Instrument. Agnoia steht altgriechisch für Ignoranz und Unwissenheit.

Das Stück handelt von Gut und Böse. Weshalb das alte Thema?

Gut und Böse sind immer aktuell. Ich beobachte verängstigte Leute. Heute bekommen alle ständig alles mit. Das scheint auch in die Körper hineinzu­wirken.

Was ist für Sie böse?

Ich versuche das Böse nicht einfach mit bösem Verhalten wie Gewalt oder Mord in Verbindung zu bringen. Mich interessieren Emotionen wie Ängste, Neid, Missgunst, die sich im Dunkeln abspielen. Wobei auch am helllichten Tag plötzlich Störungen aufkommen können.

Welche Bewegungen kann das annehmen?

Ich fragte mich, wie das Böse reden würde, wie sich verhalten, was seine Dynamik wäre.

Nämlich?

Rhythmische, präzise, abrupte Bewegungen, kleine gemeine Interventionen. Einige Bewegungen wirken animalisch: anpirschen, stampfen, Kopf verrenken.

Welche Bewegungen entsprechen dem Guten?

Weniger abgehakte und kantige, weichere einfach.

Langweiligere also.

Ja, die Bewegungen sind allerdings so geschlechtsneutral wie möglich. Bei «Schwanensee» finde ich den schwarzen Schwan tänzerisch am interessantesten. Das fiese Eingreifenwollen in die Schönheit, dieses Intrigieren und Täuschen, um in eine bestimmte Position zu gelangen: Mir gefallen die Facetten des Bösen!

Vor der Tanzausbildung studierten Sie Philosophie an der Universität Bern. Was haben Sie herausgefunden, wozu gibt es das Böse?

Ich habe viele Ideen vom Bösen gelesen. Die Frage bleibt: Kann das Gute überhaupt ohne das Böse sein? Oder sind es zwei getrennte Pole, die sich gegenüberstellen lassen? Nach Platon tut kein Mensch aus freier Wahl etwas Schlechtes. Und später kann er seine Handlung rechtfertigen, auch wenn sie unrecht ist.

Einfach manipuliert werden und manipulieren?

Viele geschichtliche Fakten zeigen, wie beeinflussbar der Mensch ist. Er ist beweglich, und somit labil in seinem Denken, Fühlen und Handeln. Durch äussere Inputs ist ein Mensch ohne böse Absichten fähig, anderen Böses anzutun. Aber vielleicht geht es letztlich einfach ums Erhaltenbleiben. Das Tier tötet, um zu überleben. Der Mensch wendet Strategien an, um seine Position zu verteidigen und fortzubestehen.

Was soll «Agnoia» bewirken?

Idealerweise entsteht ein Sog. Und aus der Vorstellung katapultiert, fragt man sich: In welchem düsterem Gefilde war ich eben? Was sind meine Teufelchen?

Doppelabend Tanz mit Deborah Gassmann («Agnoia») und Elina Müller Meyer («Caso & Caos – Ein Solo für eine Tänzerin und einen Staubsauger»), Kleintheater Luzern, 22.und 23. Mai 2019, jeweils 20 Uhr.

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