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MISSIONARE: Sakrale Klänge aus dem Urwald

Das geistige Erbe der Jesuitenmissionare in Lateinamerika umfasst auch Musikliteratur. Auf einer CD sind nun Ersteinspielungen zu hören. Darunter Werke des Baarer Jesuiten Martin Schmid (1694–1772).
Andreas Faessler
Die jungen Musikerinnen und Musiker des Ensembles Sonidos de Paraquaria fokussieren sich auf die Barockmusik aus der Zeit der Jesuitenreduktionen in Südamerika. (Bild: PD/Christian Ender)

Die jungen Musikerinnen und Musiker des Ensembles Sonidos de Paraquaria fokussieren sich auf die Barockmusik aus der Zeit der Jesuitenreduktionen in Südamerika. (Bild: PD/Christian Ender)

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Ab 1609 wurden aus Europa Jesuiten nach Südamerika entsendet, um dort für die indigene ­Bevölkerung Siedlungen zu errichten. Unter teils widrigen Umständen bauten die Patres ihre Missionswerke, die oft im tiefsten Urwald lagen, zu erfolgreichen Genossenschaften aus, welche den Ureinwohnern Schutz und Heimat boten.

Über 150 Jahre florierten die Reduktionen der europäischen Jesuiten, ehe sie im Jahre 1767 aus der Neuen Welt vertrieben wurden. Zahlreiche Kirchen und Gebäude haben jedoch die Zeit überdauert und zeugen noch heute, exakt 250 Jahre später, von dieser einzigartigen Episode in der Geschichte Südamerikas.

Ein versierter Musiker

Doch sind es nicht nur die architektonischen Relikte und auch der verbliebene katholische Glaube, welche an die Jesuitenreduktionen erinnern – die Patres haben ebenso reiches geistiges Kulturgut geschaffen, von dem erst in neuerer Zeit vieles wiederentdeckt worden ist. Der Schweizer Architekt Hans Roth reiste in den 1970er-Jahren erstmals nach Bolivien, um vor Ort einen Augenschein des kulturellen Jesuiten-Erbes zu nehmen und die Urwaldkirchen vor ihrem Verfall zu retten. Auf einer Kirchenempore in San Rafael stiess er auf ein ganzes Bündel handgeschriebener Noten, das tief in einer uralten Kiste versteckt lag. Es handelte sich um bislang verschollene Kirchenmusik des Baarer Jesuitenpaters Martin Schmid (1694–1772). Nach Abschluss des Jesuitengymnasiums in Luzern, Noviziat in Landsberg/Lech sowie Studium in Hall/Tirol und Ingolstadt folgten seine Priesterweihe und die Bestimmung zum Missionar in Südamerika. Dort traf er im Jahre 1730 ein.

Martin Schmid war in mehreren Disziplinen der Kunst ausserordentlich versiert. Nicht nur unterrichtete der Zentralschweizer die Einheimischen in allerlei Handwerk und Instrumentenbau, er entwarf und errichtete stattliche Kirchenbauten im Kolonialbarock und komponierte mit grosser Schaffenskraft sakrale Musik für sämtliche Jesuitenreduktionen im Bezirk. Das erwähnte Notenbündel aus San Rafael gilt heute als wichtigster Bestandteil des musikliterarischen Nachlasses Schmids. Hans Roth war schnell bewusst, dass es sich bei seinem Fund um ein wichtiges historisches Erbe der Jesuitenmissionare im südamerikanischen Urwald handelt, welches – sollte es irgendwann einmal sauber aufgearbeitet werden – für die heutige indigene Bevölkerung dieser Landstriche ein identitätsstiftendes Kulturgut sein würde, welches stark im Zusammenhang damit steht, wie ihre Vorfahren einst zu ihrem Glauben gelangt sind.

Ersteinspielungen aus einer goldenen Ära

Roths heimliche Hoffnung ist kein Luftschloss geblieben. Engagierte Musiker Lateinamerikas zeigen grosses Interesse am klingenden Erbe der Missionare. Darunter der Paraguayer Luis Szaran (*1953). Der international tätige Dirigent, Komponist und Musikwissenschaftler hat mehrere Fachpublikationen zur Geschichte der indigenen Musik veröffentlicht. Auf das Erbe der Jesuitenreduktionen hat er seit jeher einen besonderen Fokus gelegt. Mit den Sonidos de Paraquaria, ein aus dem sozialen Musikprojekt zur Förderung von Kreativität und kultureller Identität Sonidos de la Tierra hervorgegangenes Ensemble, hat er unter anderem das musikalische Erbe des Baarer Jesuiten zum Klingen gebracht und auf Tonträger gebannt.

Die CD «Jungle Baroque – Music From A Golden Era» umfasst 19 Ersteinspielungen aus dem Fundus der Jesuitenmissionare. Neben einigen anonymen Werken und Kompositionen der Jesuiten Domenico Zipoli und Jilian Atirahu finden sich von Martin Schmid vier Beiträge auf der Scheibe. Darunter ein «Ave Maria» oder eine viersätzige Suite. Luis Szaran hat für die Einspielung der Musik bewusst einen historisch bedeutsamen Ort gewählt: die Reduktionskirche von Santa María de Fe in Paraguay.

Die eingespielte Musik ist einerseits überzeugendes Beispiel für die erstaunlichen kompositorischen Fertigkeiten Martin Schmids und seiner Mitbrüder – und andererseits für die Freude der mitwirkenden Instrumentalisten und Gesangssolisten an dem geistigen Erbe ihrer Glaubensstifter.

Hinweis

«Jungle Baroque – Music From A Golden Era», Luis Szaran und die Sonidos de Paraquaria, 2017. Die CD ist im Handel erhältlich. www.klanglogo.de

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