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MISSIONIERUNG: Das fatale Ende der Jesuiten in Japan

Martin Scorseses neuer Film «Silence» spielt während dem Ende des christlichen Jahrhunderts in Japan. Es begann mit Enthusiasmus und missionarischem Eifer und endete mit einer brutalen Christenverfolgung und der Isolation Japans.
Pascal Gut
Das fremde Aussehen der Missionare aus Europa (rechts) faszinierte im damaligen Japan. Die Fotografie zeigt das Werk eines anonymen japanischen Künstlers aus dem 17. Jahrhundert. Bild: Werner Forman/Getty

Das fremde Aussehen der Missionare aus Europa (rechts) faszinierte im damaligen Japan. Die Fotografie zeigt das Werk eines anonymen japanischen Künstlers aus dem 17. Jahrhundert. Bild: Werner Forman/Getty

Pascal Gut

Im Jahr 1539 betrat der jesuitische Missionar Franz Xaver erstmals japanisches Festland. Enttäuscht von den Erfahrungen aus seiner missionarischen Tätigkeit in Indien, wo er am Erfolg des Christentums zweifelte, hoffte er, im Gegensatz zu Indien, in Japan ein Volk vorzufinden, das «vernunftbegabt» war und sich mit Argumenten von der christlichen Wahrheit überzeugen lassen würde.

Sein Wissen über Japan setzte sich aus den Berichten portugiesischer Händler und den Schilderungen des japanischen Konvertiten Yajiro zusammen, der ihn begleitete.

Erste Rückschläge erfordern Strategiewechsel

Alsbald erwiesen sich allerdings viele seiner Annahmen als falsch, und immer wieder mussten die Missionare ihre Strategie neu überdenken. Erst im Jahr 1550, als Franz Xaver Kyoto erreichte, stellte er fest, dass der japanische Kaiser zu jener Zeit keine Zentralgewalt über das Land besass. Das Land war durch die andauernden Machtkämpfe lokaler Fürsten (Daimyo) und die buddhistischen Klöster zersplittert.

Einen weiteren Rückschlag erlebte die Mission durch fehlgeschlagene Übersetzungsversuche christlicher Texte ins Japanische. Yajiro sollte die christlichen Termini mit japanischen Begriffen übersetzen. Aufgrund seiner nur sehr oberflächlichen Kenntnisse des Buddhismus benutzte er allerdings buddhistische Begriffe, die meist nicht mit den christlichen Vorstellungen in Einklang zu bringen waren. Als die Missionare merkten, dass ihre Übersetzungen fehlgeschlagen waren, wurde ihre Religion bereits von vielen Japanern für eine exotische Form des Buddhismus gehalten.

Dennoch konnten die Missionare in den kommenden Jahrzehnten einige Erfolge verbuchen. Diese beruhten allerdings weniger auf religiösem Eifer als auf den Interessen der Daimyo am Handel mit den Portugiesen, die damals mit den Jesuiten kooperierten. 1563 konvertierte zum ersten Mal ein Daimyo zum christlichen Glauben. Unter den christlichen Daimyo kam es des Öfteren zu Massentaufen und Repression gegen Buddhisten.

Im Jahr 1580 wurde den Missionaren die Hafenstadt Nagasaki überlassen, die sich bald zum florierenden Handelszentrum entwickelte. Von besonderer Bedeutung für die Entwicklung der japanischen Mission war neben Franz Xaver, der Japan 1551 wieder verlassen hatte, Alessandro Valignano, der Japan das erste Mal 1579 besuchte. Valignano war von der Notwendigkeit überzeugt, dass sich die Missionare stärker der japanischen Kultur, ihren Sitten und Gebräuchen anpassen mussten und es zentral sei, dass sie die japanische Sprache lernten. Die Bemühungen um Anpassung wurden allerdings von einem europäischen Überlegenheitsdenken stets überschattet. Auch dem Buddhismus gegenüber verhielten sich die Jesuiten stets konfrontativ. Schon seit den Anfängen unter Franz Xaver bemühten sie sich, den Buddhismus in öffentlichen Disputationen als Irrlehre zu entlarven, anstatt sich um einen Dialog zu bemühen.

Missionare als Vorhut einer europäischen Invasion?

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts gelang es Toyotomi Hideyoshi, den grössten Teil Japans unter seiner Herrschaft zu vereinen. Auf ihn folgte ab 1603 die Zeit des Tokugawa-Shogunats, welches die Geschicke des Landes bis 1868 lenken sollte. Obwohl Hideyoshi den Christen anfänglich noch freundlich gesinnt war, entstand alsbald aufgrund des expansiven Gebarens der portugiesischen und spanischen Krone die Angst, die Missionare seien nur die Vorhut einer europäischen Invasion. Ein weiteres Problem bestand darin, dass die Loyalität zu einem personalen Gott von den Christen über die Loyalität gegenüber dem säkularen Herrscher gestellt wurde.

Die Konkurrenz unter den Europäern um Einfluss in Japan tat sein Übriges, um die Lage der europäischen Missionare zu erschweren. Inzwischen missionierten nämlich auch Franziskaner und Dominikaner in Japan, und zwischen den Orden kam es immer wieder zu Konflikten. Für den Handel mit Japan interessierten sich nun auch die Spanier, Niederländer und Engländer, wobei es die letzteren beiden nicht unterliessen, die japanischen Herrscher vor den kolonialistischen Bestrebungen der Portugiesen und Spanier zu warnen.

Grausamer Kampf gegen die fremde Religion

1613 verwies Tokugawa Ieyasu die Christen des Landes. Seine Nachfolger wollten das Christentum in Japan ausrotten und verfolgten die Christen systematisch und mit zunehmender Grausamkeit. Shogun Tokugawa Iemitsu verbot 1639 schliesslich alle Kontakte zu katholischen Ländern und beendete den Aussenhandel fast gänzlich. Nur die Präsenz der Niederländer auf einer kleinen Insel im Hafen Nagasakis wurde weiterhin geduldet. Der jesuitische Priester Christavao Ferreira wurde von der japanischen Inquisition im Jahr 1633 gefangen genommen und schwor unter Folter von seinem Glauben ab. 1642 und 1643 wurden Missionare illegal nach Japan gesandt, um seine Seele zu retten. Eine solche Rettungsmission bildet auch den Hintergrund zu Martin Scorseses neuem Film «Silence», der seit dieser Woche in den Kinos gezeigt wird.

Beide Gruppen wurden rasch entdeckt und gefangen genommen. Während von der ersten Gruppe alle Mitglieder durch die Folter umkamen, schworen die Mitglieder der zweiten Gruppe von ihrem Glauben ab. Ferreira war bei den Verhören der zweiten Gruppe anwesend, da er inzwischen aktiv der japanischen Inquisition assistierte. Aus seiner Feder ist eine Abhandlung über das Verhör gefangener Christen überliefert. In der Schrift konfrontiert er die Christen mit der Frage, ob eine Religion gerecht sei, die alle Menschen in Errettete und Verdammte unterteilte, ohne dass diese etwas daran ändern können. Damit verwies er auf eine alte Sorge der japanischen Christen darüber, dass sich ihre nicht getauften Vorfahren in der Hölle befänden und nicht gerettet werden können.

Christen praktizierten im Untergrund weiter

Im Untergrund existierten die Christen trotz der Verfolgung weiter und entwickelten eigene Strategien, um unbemerkt ihren Glauben zu praktizieren. 1865 trafen christliche Missionare in Japan erstmals auf solche bis anhin verborgene Christen.

Der Inhalt ihrer Religion war allerdings nicht mehr mit dem von den Jesuiten gelehrten Katholizismus identisch, sondern hatte sich im Untergrund gewandelt. Dies traf auch auf die Sprache ihrer Gebete zu: Aus den ursprünglichen Begriffen war eine Art Pseudolatein und Pseudoportugiesisch geworden.

Hinweis

Die Schweizer Jesuiten organisieren zum Film «Silence» eine Vorführung mit Diskussion. Am Dienstag, 7. März, im Kino Bourbaki 2 am Löwenplatz in der Stadt Luzern, wird um 18.30 Uhr der Film gezeigt, anschliessend diskutieren Vertreter der Jesuiten mit Kulturwissensschaftlern und Historikern der Universitäten Luzern und Konstanz. Für die Filmvorführung gilt der Eintrittspreis des Kinos.

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