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Der Konstanzer Kunstpreis geht nach St.Gallen: Bilder mit einem Hang zum Unheimlichen

Die St.Galler Künstlerin Rachel Lumsden ist die Preisträgerin des Konstanzer Kunstpreises 2018. Der Kunstverein Konstanz zeigt jetzt bis Ende November siebzehn ihrer geheimnisvollen Arbeiten, die intensiv nachwirken.
Martin Preisser
Rachel Lumsden vor ihrer Arbeit «Grenfell», die auch auf den verheerenden Londoner Hochhausgrossbrand 2017 Bezug nimmt. (Bild: Martin Preisser)

Rachel Lumsden vor ihrer Arbeit «Grenfell», die auch auf den verheerenden Londoner Hochhausgrossbrand 2017 Bezug nimmt. (Bild: Martin Preisser)

Da fährt jemand mit dem Velo durch den Londoner Frühling. Oder Menschen scheinen einen ruhigen Nachmittag am Fluss zu verbringen. Auf einem weiteren Bild wartet ein Jet auf einsteigende Passagiere. Ein Ölgemälde zeigt zwei Mädchen hinter einem vom Wind bewegten Vorhang.

Ruhige, unspektakuläre Szenen wären das, wenn nicht hinter dem Velofahrer ein brennendes Hochhaus aus dem Bild auftauchen würde, wenn nicht ein U-Boot auf dem Fluss zu sehen wäre, wenn nicht eine schwarze Figur heimlich auf das Flugzeug schauen würde, wenn nicht die beiden Mädchen ein Geheimnis zu verbinden scheinen würde. Rachel Lumsdens Bilder sind stets mit etwas Geheimnisvollem, mit etwas nicht klar Bestimmbarem, mit leicht beunruhigender Spannung aufgeladen.

«Die Bilder klopfen bei mir an»

«Bilder müssen nicht alles zeigen», sagt Rachel Lumsden, die aktuelle Preisträgerin des renommierten Konstanzer Kunstpreises, der alle zwei Jahre an Kunstschaffende aus den drei Bodensee-Anrainerstaaten vergeben wird. Lumsdens Bilder zeigen aber sehr viel, gerade dadurch, dass sie oft mehrere Bildschwerpunkte haben und Unerklärliches rätselhaft aus ihnen auftauchen kann.

«In from the Blue»: Diese Arbeit von Rachel Lumsden gab der aktuellen Konstanzer Ausstellung auch den Titel.

«In from the Blue»: Diese Arbeit von Rachel Lumsden gab der aktuellen Konstanzer Ausstellung auch den Titel.

«Ich gehe immer mit der Vermutung an die Arbeit, das es hinter den Motiven etwas gibt. Die Bilder klopfen bei mir an», sagt die Künstlerin. Da ist manchmal etwas Aufwühlendes, das den Betrachter gefangen nimmt, Bildeinladungen, die Momentaufnahmen zu einer möglichen Geschichte werden lassen, Sujets, die einen grösseren, vielleicht unbeschreibbaren Hintergrund erahnen lassen. Es ist die oft magische Atmosphäre, die den Betrachter in Bann zieht.

«Kraftraum, in dem sich die Spannung auflädt»

Die St. Galler Kunsthistorikerin Corinne Schatz, die auch in der internationalen Jury für den Kunstpreis sass, sagt über die Arbeiten der 1968 geborenen und seit 2002 in St. Gallen lebenden Engländerin: «Ihre Gemälde leben von einer schwer zu beschreibenden Energie, die zwischen Motiv und Malerei erzeugt wird. Es entsteht eine Art Kraftraum, im dem sich die Spannung auflädt, je länger man die Bilder betrachtet.»

Konstanzer Kunstpreis

Der mit 8000 Euro dotierte Konstanzer Kunstpreis wird seit 1979 von der Stadt und dem Kunstverein Konstanz vergeben. Die zwanzigste Preis­trägerin, die St. Gallerin Rachel Lumsden, ist nicht die erste Künstlerin aus der Schweiz, die von einer internationalen Jury aus den drei Bodensee-Anrainerstaaten mit dem Preis geehrt wurde. Weitere Ostschweizer Preisträger der letzten Jahre sind etwa die Kunstschaffenden H. R. Fricker, Alex Hanimann, Simone Kappeler, Muda Mathis, Roman Signer und Hans Thomann. (map)

Die grossformatigen Arbeiten laden auch dazu ein, sich als Betrachter gleichsam in die Szenerie selbst hineinzubegeben. Rachel Lumsden sieht das genauso: «Das Malen der grossen Arbeiten ist ein körperlicher Akt, ich gehe beim Malen vor und zurück, ich steige ins Bild hinein und wieder aus ihm heraus.» Zum Spannungsvollen, Undefinierbaren der kräftigen Ausstrahlung ihrer Bilder gehört auch der Malakt selbst, der intensive, die Bildwirkung entscheidende Spuren hinterlässt.

Spezielle Leuchtkraft und variationsreicher Farbauftrag resultieren überdies auf einer von der Künstlerin neu entwickelten Maltechnik. Statt auf Leinwand malt sie auf mit Baumwolle bezogenen Holzplatten.

Hinweis

Bis 25.11.; Kunstverein, Kulturzentrum am Münster, Konstanz; nächste öffentliche Führung: So, 7.10., 11.30 Uhr; kunstverein-konstanz.de

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