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Chick Corea hinterlässt im KKL einen zwiespältigen Eindruck

Der Pianist Chick Corea ist eine Ikone der Jazzmusik. Im Luzerner KKL spielt er jedoch ein durchzogenes Konzert. Es gibt Zuschauer, die verärgert den Saal verlassen.
Roman Kühne
Holte mehrere Leute aus dem Publikum auf die Bühne: Chick Corea. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 26. November, 2018)

Holte mehrere Leute aus dem Publikum auf die Bühne: Chick Corea. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 26. November, 2018)

Nun ja, der Pianist Chick Corea ist 77, und im Jazz ist er nahe an dem, was man eine lebende Legende nennt. Bei seinem Auftritt im KKL Luzern am Montagabend scheint er jedoch mehr auf die «Legende» zu vertrauen denn auf seine Schaffenskraft. Oder er hat schlichtweg keine Lust, ein weiteres Mal das immer gleiche Programm zu geben.

Schaut man sich im Internet die Berichte der letzten zehn Monate an, sind es immer die gleichen Stücke, mit denen er das Publikum unterhält. Und wie er selber sagt, sei dies die «letzte Darbietung einer langen Tournee». Auf seiner Homepage stehen zwar noch weitere Auftritte in Italien und Spanien. Aber wer weiss das schon so genau. Auf alle Fälle hinterlässt er im KKL einen ziemlich gemischten Eindruck.

Instrumentales Singen

Dabei beginnt der Abend eigentlich recht gut. Um im grossen Saal etwas Atmosphäre zu schaffen, durfte ein Teil der Zuschauer auf der Bühne Platz nehmen. Die Glücklichen sassen direkt neben dem Meister, konnten ihm quasi 1:1 in die Trickkiste schauen. Und die hat es nach wie vor in sich. Schon vor 30 Jahren hat Chick Corea begonnen, klassische Komponisten in seine Musik einzuweben. Er hat sogar zwei Klavierkonzerte komponiert. Im Konzert verknüpft er nun verschiedene Jazzer mit je einem klassischen Künstler.

Das Adagio aus einer Klaviersonate von Mozart wird noch recht simpel umgesetzt und geht ohne Umschweif auf George Gershwin über. Raffinierter ist der Mix zwischen «Beautiful Walk» von Bill Evans und einer Mazurka von Frédéric Chopin. In einer weitgreifenden Improvisation zerlegt er das Material des bekannten Jazzstandards, bis nur noch das Gerüst erkennbar ist. Langsam, praktisch unauffällig wird die Klassik eingewoben. Die Rhythmen und Akkorde dieses polnischen Tanzes bilden immer mehr die Basis der ausschweifenden Melodie. Denn was Chick Corea immer noch beherrscht, ist das instrumentale Singen. Wenn er eine Komposition des Cembalisten Domenico Scarlatti ausein­anderfächert, das Thema im gleichen Stile weiterspinnt, es mit synkopischen Jazzakkorden unterlegt, dann blitzt hier altes Können auf.

Im völligen Gegensatz zu seinen Jazzrockzeiten spielt der das Piano ausserordentlich sanft, lässt nie Kraft und Wildheit sprechen. Es ist Musik zum Zurücklehnen, eine entspannte Kaminatmosphäre. Aber schon in diesem ersten Teil sind es Klänge, die zwar munter perlen und die eine oder andere klangliche Überraschung produzieren. Doch sie berühren selten. Vieles wirkt kühl, die Stücke scheinen auswechselbar.

Kinderspiele und Jekami

Dann der Bruch: Chick Corea bittet Leute auf die Bühne, um Kinderspiele aus seiner Jugend aufzuführen. Er stellt einen Stuhl neben sich und porträtiert die darauf sitzende Person. Diese «Miniaturen» sind durchaus eine interessante Idee. Aber schon hier werden die Stücke kürzer und die Pausen länger. Bachab geht das Konzert, als weitere Zuhörer eingeladen werden, mit ihm am Klavier zu spielen. Für sich genommen ist auch dieser ein netter Einfall. Und an den frisch aufspielenden Gästen liegt es definitiv auch nicht. Aber es dauert zu lange, und der künstlerische Sinn ist nicht erkennbar. Ein beliebiger Zeitfüller mit wenig Gehalt. Die ersten Besucher verlassen den Saal.

Chick Corea lässt sich nicht stören: «Sie können machen was sie wollen. Ich mache auch, was ich will.» Und das macht er. Es folgen Eigenkompositionen aus «Children’s Song». Auf seiner Schallplatte mit allen zwanzig dieser reinen, die Seele der Kinder spiegelnden Lieder mag das funktionieren. Wenn er jedoch im Konzertsaal praktisch wahllos drei bis vier der kurzen Stücke spielt, ist es vor allem simpel und beliebig. Zum Glück entschliesst er sich in der letzten Nummer, noch einmal improvisierend in die Tasten zu greifen, beschert den Zuschauern wenigstens einen halbwegs versöhnlichen Abschluss.

Das Publikum klatscht. Der Meister geht. Eine Zugabe gibt es – das ist aber für Corea nichts Aussergewöhnliches – keine. Eine Götterdämmerung des Weltstars? Wohl eher die Lustlosigkeit am Ende der langen Tournee.

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