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Auftritt im KKL: Mit Helge Schneider die Zeit totschlagen

Wenn Helge Schneider im Luzerner Saal auftritt, passiert vor allem zwei Stunden nichts. Sogar eine Studie zeigt, dass er nicht gar lustig ist. Man lacht trotzdem. Aber wieso?
Roman Kühne
Helge Schneider bespasst das KKL. (Bild: Nadia Schärli, 26. Januar 2019)

Helge Schneider bespasst das KKL. (Bild: Nadia Schärli, 26. Januar 2019)

Er ist eine Art Mischung zwischen Dackel und Gockel. Zweieinhalb Stunden schlurft Helge Schneider am Samstagabend durch die Bühne, zieht die Kabel des Mikrofons über den Boden. Er setzt sich ans Klavier, nimmt ein Cello zur Hand, nicht dass er es spielt, setzt sich wieder ans Klavier. Er erzählt mal dies, dann das und dann noch einmal dies. Unendlich langsam stösst er einen Stuhl an seinen Platz.

«So viel Zeit muss sein», murmelt er. Das Publikum bricht in schallendes Gelächter aus. Seine Gesten bewegen sich zwischen Huhn und Hengst. Auch bei seiner x-ten Tour durch die Schweiz ist Helge Schneider nicht fassbar. Eine Art sinnentleerte Wurst im Anzug. Die Wurst ist übrigens eines seiner Lieblingsthemen an diesem Abend. Die Witze sind nicht neu. Wie schon beim letzten Auftritt im KKL liest er den Namen «Luzern» auf seiner Hand ab. Das Publikum lacht. Er singt «cool». Das Publikum lacht. In einem Interview sagte er kürzlich: «Egal was ich mache, ich muss gar nicht lustig sein, die lachen sich kaputt.»

Er ist unerklärbar lustig

Auch die Musik bewegt sich, falls sie sich bewegt, auf ansprechendem Salonniveau. Künstlerische Stricke werden keine zerrissen. Schneider wechselt die Instrumente an diesem Abend häufiger als die Witze. Am Schlagzeug spielt der unverwüstliche Peter Thoms, der im nächsten Jahr 80 wird. Das fast gänzlich ernst vorgetragene «Mood Indigo» von Duke Ellington bleibt fade.

Und dennoch ist Helge Schneider unerklärbar lustig. Sein Nichtstun, sein Zeittotschlagen, seine immer gleiche Verulkungsmimik, wenn er ein Solo spielt – diese Packung aus Banalitäten macht es fast unmöglich, nicht zu lachen. Die inhaltsfreien Geschichten über einen Bauernhof oder eine Frau, die unbedingt Leberwurst, Fleischwurst oder was weiss ich genau möchte, der einzige wirkliche Sketch an diesem Abend, bringen unweigerlich das Zwerchfell in Schwung.

Musik auf Salonniveau. (Bild: Nadia Schärli, 26. Januar 2019)

Musik auf Salonniveau. (Bild: Nadia Schärli, 26. Januar 2019)

Verblüffung, Langeweile oder wirkliches Vergnügen – jeder Zuschauer lacht wohl aus eigenen Gründen. Fern von Vernunft ist es unmöglich, etwas zu hinterfragen. Gesellschaftskritik oder einfach ein in die Jahre gekommener Komiker, der für immer und ewig sein archaisches Feld beackert?

Da wird es sogar den Hardcore-Fans zu viel

Die «Vogelnummer», wo ein Bandmitglied gefühlte zwei Stunden über die Bühne flattert, ist sogar den Hardcore-Fans zu viel. Gelächter ist minutenlang praktisch keines zu hören. Fehlgriff oder künstlerisches Konzept?

Laut einer deutschen Studie ist Schneider nach Otto Waalkes und Mario Barth der bekannteste Komödiant. Aber in der Kategorie «Witzigkeit» belegt er den letzten Platz. Allerdings erscheinen unter den ersten fünf mit Martin Sonneborn und Nico Semsrott zwei Namen, die nur 10 Prozent der Deutschen überhaupt kennen. Wie passt das zusammen?

Schneider selber würde das lustig finden. Und eigentlich sind seine Texte gar nicht so sinnfrei. Auf der Heimfahrt läuft im Radio «The Lady Is A Tramp» von Sinatra. «Sie liebt den frischen, frischen Wind in ihrem Haar, das Leben ohne Sorgen ...» Schlimmer war es auch bei Helge nicht.

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