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Künstlerin Helen Dahm: Entdeckungsfreudig bis ins hohe Alter

Helen Dahm liebte Frauen, experimentierte bis ins hohe Alter mit Kunststilen und fühlte sich oft zu wenig anerkannt. Das Kunstmuseum Thurgau zeigt in einer Retrospektive das Werk der Künstlerin.
Martin Preisser
Kunstmuseum Thurgau: Im Raum, der Helen Dahms Selbstporträts gewidmet ist. (Bild: Andrea Stalder)

Kunstmuseum Thurgau: Im Raum, der Helen Dahms Selbstporträts gewidmet ist. (Bild: Andrea Stalder)

«Ich fange jeden Tag an, als wäre er der erste und zugleich letzte», sagte Helen Dahm als 78-jährige Künstlerin. Mit achtzig wagte sie den Schritt in den abstrakten Expressionismus, experimentierte mit dem Tachismus, dem unbewussten Auftragen von Farbflecken. Und mit auf die Leinwand getropften Arbeiten, der Kunst des Drippings, erinnern ihre letzten Arbeiten gar an Jackson Pollock. Auch Kaffeerahm kam da zum Einsatz. Auch als greise Künstlerin konnte Helen Dahm, die 1878 bei Kreuzlingen geboren wurde und 1968 in Männedorf 90-jährig starb, mit den Experimenten ihrer jungen Zeitgenossen auf hohem Niveau mithalten.

Neue überraschende Facetten

Helen Dahm hat sich künstlerisch immer wieder neu erfunden, sie spiegelt in ihrer Biografie die Strömungen fast eines Jahrhunderts Kunstgeschichte wider. Von spätromantischen Naturimpressionen über den Blauen Reiter bis zum Expressionismus und hin zur Abstraktion. Warum zum fünfzigsten Todestag eine umfassende Retrospektive? Stefanie Hoch, die im Kunstmuseum die Helen-Dahm-Schau sorgfältig kuratiert hat, möchte eine Künstlerin zeigen, die man früher schubladisiert habe, als Einzelgängerin auf dem Land lebend, als malende Mystikerin. Helen Dahm hat das Malen selbst immer auch als spirituellen Akt gesehen. Die spirituelle Dimension zieht sich durch viele ihrer Arbeiten. Die neue Ausstellung will aber mehr Licht auf die vielen anderen überraschenden Facetten dieser Grenzgängerin werfen.

«Künstlerin sein heisst durchhalten, in einsamen Raum gestellt sein», sagte Helen Dahm einmal. Auch das Bild des einsamen, verkannten Genies will die Retrospektive, die in Kooperation mit dem Helen-Dahm-Museum in Oetwil am See entstanden ist, korrigieren.

Rolle der Frau als Künstlerin malend hinterfragt

Helen Dahm war eine unkonventionelle Frau, lebte in einer lesbischen Beziehung, riss nach München aus, folgte, bereits 60-jährig, dem Guru Meher Baba nach Indien. Ihr faszinierendes Werk durchzieht auch die Frage nach der Rolle der Frau als Künstlerin und dem Frauenbild ihrer Zeit ganz generell. Ausdruckstanz, Befreiung des Körpers, auch zu diesen Themen des frühen 20. Jahrhunderts äussert sich Helen Dahm bildnerisch. Ein schwieriger biografischer Aspekt ist der mögliche sexuelle Missbrauch Helen Dahms durch den Vater. Viele Arbeiten, die das Thema Frau und Schuld aufnehmen, mögen damit zusammenhängen.

Im Kunstmuseum Thurgau beeindrucken die Fülle, Dichte und Ideenvielfalt, das souveräne Ausleben ganz verschiedener kunstgeschichtlicher Stile und ästhetischer Richtungen. Der Fantasiereichtum dieser Künstlerin ist mit Händen zu greifen. Helen Dahm sagte, sie sei als Frau nicht angenommen worden, fühlte sich an den Rand gedrängt. Ein faktenreich gestaltetes Buch widerlegt dieses Selbstbild teilweise. Die Monografie «Ein Kuss der ganzen Welt» stellt Helen Dahm in den Kontext ihrer Zeit und konfrontiert ihre Arbeiten mit denen bekannter Zeitgenossen. Sie fällt da qualitativ niemals ab.

Ihr langes Zuhause fand die aussergewöhnliche Aussenseiterin schliesslich in Oetwil am See. Die Bilder dieser ihr fast heiligen Gegend gehören mit zu den schönsten der Ausstellung. Das Zürcher Oberland wird hier als Kraftort, als Rückzugsort gezeigt. Das Oetwiler Helen-Dahm-Museum ergänzt die Thurgauer Ausstellung vor allem durch den mehr biografischen Fokus auf diese begeisternde Künstlerin, die 1954 als erste Frau den Kunstpreis der Stadt Zürich erhielt.

Vernissagen:

Vernissage: So, 2.9., 11.30 Uhr, Kunstmuseum Thurgau; 16 Uhr, Dahm-Museum, Oetwil am See

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