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Film «Calendaria»: Mit Liebe und Musik lässt sich das Leid ertragen

Das Sozialdrama «Calendaria» aus Kuba entfaltet sich zu einer Liebesgeschichte. In schönen, überraschenden Einstellungen wird respektvoll von der zart wiederaufflammenden Liebe eines alten Paares erzählt.
Calendaria und ihr Mann finden wieder zueinander. (Bild: DCM)

Calendaria und ihr Mann finden wieder zueinander. (Bild: DCM)

«Ich kann vor Wehmut sterben. Oder vor Hunger.» Der 76-jährige Victor Hugo (Alden Knight) wählt fürs Erste die Wehmut und verscherbelt seine Uhr, ein Erinnerungsstück seines Vater, an den stadtbekannten Hehler. Mit den zehn Dollar kauft er sich ein gebrauchtes Fahrrad und Reis mit Schweinefleisch, ein Festmahl für sich und seine Frau Calendaria (Veronica Lynn). Das alte Ehepaar musste in letzter Zeit mit ­Rübenkompott Vorlieb nehmen.

«Calendaria», der dritte Spielfilm des kolumbianischen Regisseurs Jhonny Hendrix Hinestroza («Chocó»), spielt in Havanna im Jahr 1994, eine dunkle Zeit der «Sonderperiode», in der Erdöl und Nahrungsmittel knapp sind. Der Zerfall der Sowjetunion stürzte das sozialistische Kuba in eine schwere Wirtschaftskrise. Darunter zu leiden haben die ­einfachen Leute wie Victor Hugo und Calendaria, die mit ihren 75 Jahren in einer Hotelwäscherei arbeitet. Während die Jungen auf die Barrikaden gehen und «Freiheit! Freiheit!» skandieren, sortiert sie die Dreckwäsche – und findet eine Videokamera.

Hier nimmt die Geschichte eine Wendung vom Sozialdrama zur Liebesgeschichte. Durch die ­Kameralinse entdeckt Victor Hugo seine Frau Calendaria neu. Er schaut ihr zu, wie sie sich des Abends bei Kerzenlicht – um 16 Uhr wird der Strom abgestellt – fürs Bett bereit macht. Das erste Mal seit langem schaut er sie richtig an.

Sie finden zurück zu gemeinsamer Lebensfreude

Wie häufig im Film dringt das Politische übers Radio ins Private. Auch um zu zeigen, dass sich Calendaria und Victor Hugo gar nicht dafür interessieren. Das passiert ein bisschen zu oft und zu plakativ. Doch die Bedrohung durch das CDR, das Komitee zur Verteidigung der Revolution, ist für das Paar real. Was, wenn ­jemand erfährt, dass sie fünf ­Küken bei sich zu Hause haben?

«Auf dieser Insel könnten wir jeden Moment vor Hunger sterben. Das Floss könnte im Meer untergehen. Auf Kuba lauert der Tod überall.» Solche Sätze, hier aus dem Mund von Calendaria, entlarven den Regisseur als Touristen. Doch findet Jhonny Hendrix Hinestroza schöne, manchmal überraschende Einstellungen und erzählt sehr respektvoll von der zart wiederaufflammenden Liebe. Die charismatischen Protagonisten lernen, das Alte neu zu sehen, und finden zurück zu gemeinsamer Lebensfreude. Mit Liebe und Musik lässt sich das Leiden besser ertragen.

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