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MIT NEUEM ALBUM: Laura Mvula kehrt ans Blue Balls Festival zurück

Laura Mvula war 2013 das Gesicht des Blue Balls Festival. Jetzt legt sie eine neue, grossartige Platte vor und kehrt wieder nach Luzern zurück.
«Im Laufe des Lebens erkennst du, wie wenig du überhaupt unter Kontrolle hast», sagt Laura Mvula (30). (Bild: PD)

«Im Laufe des Lebens erkennst du, wie wenig du überhaupt unter Kontrolle hast», sagt Laura Mvula (30). (Bild: PD)

Steffen Rüth

Laura Mvula braucht nur schnell die Augen zu schliessen, schon ist sie ganz woanders. Nicht mehr in London, wo die 30-jährige Sängerin und Songschreiberin am Abend ihr wundervolles zweites Studioalbum «The Dreaming Room» vorstellen wird. Sondern in Marrakesch. «Mein Gehirn schiesst dauernd Bilder, die es nie mehr vergisst», so Mvula. «In Marokko war ich als Teenager mit der A-cappella-Gruppe, in der ich sang. Die Hitze, das Essen, die fremden Gerüche, die Kamele, es war so chaotisch und intensiv, einfach herrlich.»

«Es ging immer nur um mich»

Mvulas fotografisches Sinnes- und Gefühlsgedächtnis hat freilich auch seine Tücken. Wenn es zu voll wird im Kopf, bekommt sie Panikanfälle, früher lag sie in der Nacht oft schlaflos im Bett. Musikalisch setzt Laura die Attacken, die seltener und berechenbarer geworden seien, mittels klanglicher Kakofonie am Schluss des zunächst harmonischen Albumauftaktstück «Who Am I» um. «Ich war lange sehr narzisstisch, das hat die Anfälle begünstigt. Alles ging immer um mich, mich, mich.»

Auch die extreme Bühnenangst, die sie einst quälte, und wegen der sie den Kirchenchor im heimischen Birmingham lieber dirigierte als in ihm zu singen, hat sich mittlerweile gebessert. Verstecken konnte sich das nachdenkliche Mädchen mit der tollen, tiefen Stimme eh nicht auf Dauer, und gleich das Debütalbum «Sing To The Moon» war 2013 ein Erfolg. Laura Mvula teilte die Bühne mit Prince und sang in Glastonbury direkt vor den Rolling Stones. Auch in Luzern kennt man sie seither bestens: Das Blue Balls kürte sie zu ihren «Face», und ihr Gesicht prangte auf Hunderten Plakaten in der ganzen Schweiz – dieses Jahr kehrt sie an das Festival zurück (30. Juli).

«Ich will Erfolg haben, kein Nischenthema sein», sagt die Sängerin mit den karibischen Wurzeln und der Leidenschaft für Gospel, die Jill Scott, Nina Simone, Sade und Erykah Badu als wichtigste Einflüsse nennt und die ursprünglich klassische Komposition studierte.

Frisch getrennt

Für ihr neues Album, auf dem sie geradezu schwerelos mit Pop, Gospel, Soul und Jazz experimentiert, habe sie sich noch weiter entfernt von Genrebegrenzungen. «Je länger ich eigene Songs schreibe, desto selbstbewusster werde ich», hat Laura beobachtet. «Die Zeit ist mein Freund. Mit jedem Lebensjahr blicke ich entspannter und grübelfreier auf mich selbst. Gerade feierte sie ihren Dreissigsten. «Im Laufe des Lebens erkennst du, wie wenig du überhaupt unter Kontrolle hast.» Das Leben schreibt eben seine eigenen Geschichten, und nicht immer nehmen diese ein glückliches Ende. «Nach 23 Jahren haben sich meine Eltern scheiden lassen, auch ich selbst habe mich vor kurzem von meinem Mann getrennt, die Mutter meiner besten Freundin ist gestorben.»

Das Schöne wie den Mist des Lebens in ihre Musik einzubauen, das gelingt Laura Mvula grandios auf «The Dreaming Room». Viele Lieder sind eher sanft und eindringlich, immer wieder kommt auch ein Chor zum Einsatz, richtig fulminant und hymnisch wird es ganz am Ende, in der Feminismus-Gospelsoul-Hymne «Phenomenal Woman». «Ich wollte einen Song schreiben für alle Frauen auf der ganzen Welt. Einen Song, zu dem du nackt vor dem Spiegel tanzt und weisst, dass du als Mensch einen hohen Wert hast.» Weitere Höhepunkte des Albums: Das energische, an der Gitarre von ihrem guten Freund Nile Rodgers veredelte, «Overcome», das vom Chor getragene «Bread» sowie das Popradio-taugliche, temporeiche «Let Me Fall».

Laufendes Kopfkino

Gemein haben alle diese Songs, dass Laura Mvula inhaltlich ihren Erfahrungsschatz mit ihrer ganz persönlichen Sicht aufs Sein verwebt. «Am Leben zu sein, ist so eine schrecklich komplizierte Sache. Aber auch so eine herrliche. Uns Menschen passieren tragische Dinge, immer wieder. Das Menschsein zu meistern ist eine Kunst, aber es ist möglich.» Als sich beim Schreiben von «Overcome» mal wieder Laura Mvulas Kopfkino anschaltete, stellte sie sich vor, im Stockdunkeln auf einen Berg zu kraxeln. «Als ich den Gipfel erreichte, ging die Sonne auf.»

Hinweis

Laura Mvula: The Dreaming Room (Sony) •••••

Live: 30. Juli, Blue Balls Festival, KKL, Luzern, 20.00, Infos und Tickets: www.blueballs.ch

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