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Rock ’n’ Roll auf der Konstanzer Theaterbühne

Eine Zeitreise ins Jahr 2068: Schwarzer Humor und Selbstironie sind die Grundfesten der Komödie «Ewig jung» auf der Konstanzer Bühne. Inszeniert hat es Tim Kramer, der ehemalige Schauspieldirektor des Theaters St. Gallen.
Brigitte Elsner-Heller
Der Rollstuhl taugt im Seniorenheim als Harley-Davidson – mit Easy-Rider-Feeling. (Bild: Björn Jansen)

Der Rollstuhl taugt im Seniorenheim als Harley-Davidson – mit Easy-Rider-Feeling. (Bild: Björn Jansen)

Der Eiserne Vorhang wird schon lange nicht mehr hochgefahren. Daran, dass dies einmal die Bühne eines veritablen Theaters war, erinnern gerade noch die Porträts einstiger Intendanten. In der Ahnengalerie versammelt sind da Ulrich Khuon, Rainer Mennicken, Dagmar Schlingmann sowie Christoph Nix. Der mit Lorbeerkranz. Und dann noch das kleine Bild der Intendantin, die ab 2020 das Haus leitete. Wie hiess sie noch gleich?

Von den Schauspielern geblieben sind Frau Huke (Katrin mit Vornamen), Frau Simmering (Anne), Herr Biermann (Ingo), Herr Jung (Thomas Fritz) und Herr Rohde (André) – abgesehen von der fast virtuell zu nennenden Gegenwart der Herren Hase und Haase, die sich (insofern doch auch materiell) den Raum in einer Urne teilen. Die anderen: ebenfalls vergessen. Denn wir schreiben das Jahr 2068, das Theater ist zum Pflegeheim geworden, in dem Schwester Lydia (Lydia Roscher) für sich genommen schon alles an Sarkasmus transportiert, was Autor Erik Gedeon mit seiner musikalischen Komödie «Ewig jung» so aufbietet.

Ein Tänzchen auf nicht ganz zwei Beinen

Schwarzer Humor ist nicht unbedingt politisch korrekt, und so muss man sich schon entschliessen, die alten Leutchen, die durch die Tür im Eisernen Vorhang nach und nach den Gemeinschaftsraum der Pflegeanstalt betreten, um an der Musiktherapie teilzunehmen, nicht allzu sehr zu bemitleiden.

Einfacher fiele dieser moralische Umschwung allerdings, wenn die Eingangsszene straffer gehalten wäre (Regie: Tim Kramer). Denn eines muss man den «Alten» schon lassen: Sie sind verdammt nah dran an ihrer Geschichte. Dass sich die Komödie aber für einen unterhaltsamen Silvesterabend eignet (dann steht sie nämlich auch auf dem Spielplan), wird sich schon bald zeigen. Zunächst noch unter einem Tuch verborgen (eine kleine Schwäche der Ausstattung von Gernot Sommerfeld) tritt nämlich eine Band in Aktion, die den Greisinnen und Greisen den Blick ins Paradies eröffnet – will sagen, den Blick zurück in die Jahre von Rock ’n’ Roll & Co.

Als Schwester Lydia, die Grausame mit schöner Stimme, endlich den Raum verlassen hat, ist es ausgerechnet der schüchterne Herr Jung, gerade noch als langhaariges Nichts hinter dem Weihnachtsbaum geparkt, der ­einen Joint aus der Tasche zaubert. Und schon bald ändert sich die Stimmung. Herr Biermann schafft es, auf nicht mehr ganz zwei Beinen mit Frau Huke ein Tänzchen zu wagen, Frau Simmering, unflätigen Äusserungen sonst nicht ganz abgeneigt, versucht mit satter Soul-Stimme die Annäherung an die männlichen Mitstreiter, wobei Herr Jung schüchtern bleibt und Herr Rohde auch gern einmal den Spielverderber spielt.

Musik macht klar, dass Emotionen unsterblich sind

Was keinesfalls fehlen darf, sind die musikalischen Oden an das Leben, die nicht nur mit dem Rock ’n’ Roll in die Welt kamen. Während Schwester Lydia Kantaten singt, nur, um sie mit boshaften Texten zu unterlegen, rocken die «Insassen» ordentlich ab. Da ist es schon ein Glück, dass das Seniorenheim diese Band zu bieten hat (musikalische Leitung: Tobias Schwencke) – und die Greisinnen und Greise nicht nur ihr Handwerk im Schauspiel verstehen, sondern auch noch eine innige Beziehung zur Musik haben. Während mit Slapstick manche körperlichen Gebrechen «überspielt» werden, macht die Musik klar, dass Emotionen irgendwie tatsächlich unsterblich sind. Da gelingen anrührende Szenen, in denen der alten Liebe gedacht wird (Ingo Biermann und Katrin Huke lassen viele Zwischentöne aufscheinen) oder wo die alte Kraft auf einmal wieder da ist (Thomas Fritz Jung übt schön die Auferstehung).

Wilder Stimmungshöhepunkt ist «Born To Be Wild» der Band Steppenwolf, ein Song, der einst das Road-Movie «Easy Rider» mit seinen Helden in die Welt trug. In Ermangelung einer Harley greift Herr Biermann auf seinen Rollstuhl zurück, und dann geht es mit den Herren Rohde und Jung direkt ins Paradies. Ja, ungefähr so könnte man sich das mit dem Alter vorstellen.

Vorstellungen bis 23. Januar

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