Der Komponist John Wolf Brennan aus Weggis ist mit einem neuen Trio am Start

Gleich drei neue CDs hat der Weggiser Pianist und Komponist John Wolf Brennan veröffentlicht. Darunter ein weltmusikalisches Album mit dem neuen Trio Sooon.

Pirmin Bossart
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Das Trio Sooon (v.l.n.r.): Tony Madjalani, Sonja Morgenegg und John Wolf Brennan.

Das Trio Sooon (v.l.n.r.): Tony Madjalani, Sonja Morgenegg und John Wolf Brennan.

Bild: Mark Nussbaumer

John Wolf Brennan hat in den letzten 40 Jahren ein so vielfältiges Werk veröffentlicht, das man leicht die Übersicht verlieren konnte. Nach etwas ruhigeren Zeiten taucht er nun mit einem neuen Trio wieder auf. Sooon besteht aus dem palästinensischen Multi-Perkussionisten Tony Madjalani, dem Pianisten John Wolf Brennan und der Ostschweizer Sängerin und Jodlerin Sonja Morgenegg. Die Musikerin ist nicht nur für Brennan eine Entdeckung, sondern auch für den Musikethnologen und Musiker Dieter Ringli, der die Liner Notes geschrieben hat.

Bei einem ihrer Konzerte hatten Brennan und Madjalani die Sängerin Sonja Morgenegg als Gast eingeladen. «Das hat dermassen gefunkt, dass wir beschlossen haben, in dieser Besetzung weiterzuarbeiten», sagt Brennan. Für Morgenegg war es, «wie wenn man eine Zauberkiste öffnet und sich wundert, was da noch alles drinsteckt». Bald war für sie klar: «Wir wollen mit unserer Begeisterung, die wir füreinander und mit der Musik haben, auch ein wenig Grenzen sprengen.»

Eine «Unterwegsmusik»

Das Album «Youchz Now» ist denn auch mehr, als die Summe seiner Einflüsse, die man mit alpiner Volksmusik, Jodel, schamanischen Gesängen, arabischer Musik, Irish Folk und Jazz bezeichnen könnte. Trotz ihrer volksmusikalischen Grundtönung ist diese Musik nicht zu verorten. In diesem Sinne hat sie eine transkulturelle Aura, ist aber mehr als die blosse Vermischung von Duftnoten. Ganz verschiedene Traditionen werden zitiert, abgewandelt, vermischt, übereinandergelegt.

Das ergibt eine multi-ethnisch gefärbte Stimmung, die oft mit atmosphärischen und beschwörerischen Passagen beginnt und sich dann rhythmisch und tänzerisch entfaltet. Es ist eine sehr organische und emotionale Musik, die schwelgt und raunt, singt und feiert, mal zart und innig, aber auch heiter und ausgelassen. Eine Musik der Spielfreude, die aus dem gemeinsamen Improvisieren entsteht, wenn sich virtuose Musiker in einer ähnlichen Chemie finden und sich weder von Trends noch von stilistischen Vorgaben leiten lassen. Dieter Ringli hat dafür den Ausdruck «Unterwegsmusik» oder «Wegmusik» gefunden, weil ihr durchschimmernder volksmusikalischer Charakter nicht an Regionen und Traditionszusammenhänge, an Ort und Gebräuche gebunden ist. Stattdessen wird frei variiert, was aus der Seele jedes Einzelnen steigt, was die eigene Erfahrung bereithält und was im gemeinsamen Daraufeinlassen entsteht.

Solo-Piano und Pago Libre

Neben dem Débutalbum von Sooon ist John Wolf Brennan auf zwei weiteren CDs zu hören, die ein paar wichtige Stationen seiner Vergangenheit in neuem Kleid aufnehmen: «Nevergreens» ist eine Anthologie von 20 Stücken quer durch seine sechs Piano-Solo-Alben. Das ergibt – auch mit dem Abstand der Jahre – nicht selten ein überraschendes Wiederhören mit zupackenden Klavierphantasien, experimentierfreudigen Präparationen und lyrischen Wortbeiträgen.

«Cinémagique 2.0» ist eine Wiederveröffentlichung von Aufnahmen aus dem Jahr 2000 der paneuropäischen Band Pago Libre. Es ist eine von Folk, Klassik und Jazz durchdrungene, virtuos gespielte Kammermusik, die als «soundtrack for an imaginary cinema» gehört werden können. Als Bonus sind drei Live Tracks vom Feldkirch Festival zu hören, die zusammen mit den ursprünglichen Titeln bestätigen, was für eine hervorragende Band zwischen 1990 und 2009 ihr leichtfüssiges Wesen getrieben hat.