Hallenbad-Zwischennutzung in Luzern feiert ihr 5-Jahr-Jubiläum

Das Neubad hat nochmals in seine Räumlichkeiten investiert. Der neue Klub im Keller wird von Dominika Jarotta koordiniert. Am 12. Oktober wird gefeiert.

Pirmin Bossart
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Gemütlich: Der Neubad-Vorplatz lädt vor allem im Sommer zum Stelldichein.

Gemütlich: Der Neubad-Vorplatz lädt vor allem im Sommer zum Stelldichein.

Wuff – schon blickt das Neubad auf fünf Jahre Betrieb zurück. Die Zwischennutzung im ehemaligen Hallenbad von Luzern ist eine Pionier- und Erfolgsgeschichte. Als sich 2013 Dutzende von Interessierten zur ersten Versammlung einfanden, um herauszufinden, wie das ehemalige Hallenbad genutzt werden könnte, war viel Enthusiasmus spürbar. Aber wer hätte sich damals einen Betrieb wie heute vorstellen können?

Ein neuer Klub im Keller

Im Neubad sind inzwischen 45 Mitarbeitende beschäftigt. 2017 wurde ein Umsatz von 2,25 Millionen Franken erzielt. 1,6 Millionen erwirtschaftete der Gastrobereich, die Veranstaltungen brachten 250 000 Franken in die Kasse. Die Lohnsumme beläuft sich auf 1,15 Millionen Franken. Es sind Zahlen, die bescheinigen, dass in diesem Haus nicht getrödelt wird. Was sie nicht zeigen, ist die Vielfalt der Angebote und der Besuchergruppen, die im Neubad ein und aus gehen. «Wir sind schon ein bisschen stolz auf das, was wir in den fünf Jahren erreicht haben», sagt Urs Emmen­egger, Leiter Veranstaltungen.

«Die rohe Architektur verleiht dem Raum eine Underground-Ästhetik, wie sie für Luzern ziemlich einmalig ist.»

Dominika Jarotta, Programmation und Koordination Klub

Jetzt ist die Neubad-Crew gespannt, wie sich die jüngste Errungenschaft entwickeln wird: der Keller-Klub. Wo einst die Tanks der Wasseraufbereitungsanlagen standen, ist ein weiterer Kulturraum eingerichtet worden. Er ist sound- und lichtmässig zeitgemäss ausgestattet und bietet 150 bis 200 Besuchern Platz. «Die rohe Architektur verleiht dem Raum eine Underground-Ästhetik, wie sie für Luzern ziemlich einmalig ist», freut sich Dominika Jarotta, die den Klub programmiert und koordiniert. Das Neubad hatte schon immer eine Möglichkeit gesucht, verstärkt Livekonzerte zu veranstalten. Aufgrund der Lärmimmissionen war das bisher nicht möglich. Nun ist im Keller gleich für beides Platz: Disco und Livemusik.

Die Klub-Programmatorin ist ein Beispiel dafür, wie junge Leute im Neubad schnell mitgestalten und das Haus mitprägen können. Vor zwei Jahren hatte Jarotta nach dem Bachelor in Literatur und Wirtschaft (Universität Basel) im Neubad ein einjähriges Kulturmanagement-Praktikum absolviert. Mit der Aussicht auf den neuen Klub ist sie gleich im Haus geblieben. «Im Neubad lernst du extrem viel. Auch als Praktikantin kannst du deine Handschrift hinterlassen», sagt sie. Emmenegger bestätigt, dass der Betrieb für sehr viele Leute ein gutes Sprungbrett sei, um Erfahrungen zu sammeln und sich zu entwickeln: «Sie haben keine Mühe, eine gute Anschlusslösung zu finden.»

Auch für externe Veranstalter

Wie soll es im neuen Klub tönen? Dominika Jarotta hat klare Vorstellungen: «Ein Sound zwischen zugänglich und experimentell, der überrascht und nicht immer superharmonisch sein muss, aber trotzdem tanzbar ist. Auch eher düstereres Zeugs passt in dieses Ambiente.» Sie möchte vieles ausprobieren, neue Formate und Reihen kreieren. So sollen Luzerner DJ-Kollektive wie Insel-Kollektiv, Kulturkonsumenten und weitere ihren Platz bekommen und sich – auch gestalterisch und visuell – ausleben können.

«Wir haben solide Finanzen, funktionierende Vereinsstrukturen und eine Infrastruktur, die auf dem neusten Stand ist. Jetzt können wir uns wirklich auf die Inhalte konzentrieren.»

Urs Emmenegger, Leiter Veranstaltungen

Neben diesem ambitionierten Klubprogramm mit Schwerpunkt Techno/elektronische Musik möchten Jarotta und Emmenegger auch ausgewählten Bands quer durch die Sparten eine Bühne geben, ebenso literarischen Formaten und Talks. Dabei sollen auch externe Veranstalter (beispielsweise Boa im Exil) ihre Akzente setzen. Jarotta: «Mein Ziel ist es, verschiedenste Leute einzuladen und zu begeistern, damit sie mit ihren Ideen den Klub mitprägen und wieder andere inspirieren können.» Nicht zuletzt wird der Raum für Diplomfeiern, Geburtstage, Partys und Feste zur Verfügung stehen.

Mit seiner Vielfalt ist der Klub ein weiteres wichtiges Glied in einer Kette von Räumlichkeiten und Angeboten, die das Neubad zu jenem (sozio-)kulturellen Gemischtwarenladen und zum «offenen Haus der Kultur» machen, für das es bekannt ist und geschätzt wird. Personell basiert der Betrieb auf einem kleinen Kern von Leuten, die schon länger dabei sind und Erfahrung haben. Dazu kommen immer wieder neue und junge Kräfte, die sich einbringen und mit ihren Ideen und Inputs die Crew und den Betrieb bereichern. So ist das Neubad fortlaufend in Bewegung und Veränderung, was ihm auch die besondere Frische gibt.

Das Neubad-Team hat in den letzten Monaten nicht nur den neuen Keller-Klub errichtet, sondern mit kleineren Massnahmen auch andere Betriebsbereiche wie Küche, Galerie, Backstage oder Coworking Spaces optimiert. Damit ist das Haus für die in Aussicht gestellte Zwischennutzung bis 2024/25 gut gerüstet. Urs Emmenegger: «Wir haben solide Finanzen, funktionierende Vereinsstrukturen und eine Infrastruktur, die auf dem neusten Stand ist. Jetzt können wir uns wirklich auf die Inhalte konzentrieren.»