Lucerne Festival: Mobbingvorwurf gegen Michael Haefliger entkräftet

Eine Expertise entlastet den Intendanten von Lucerne Festival im Arbeitskonflikt mit einem Mitarbeiter.

Urs Mattenberger
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Gaben im Frühling die Streichung der Nebenfestivals bekannt: der scheidende Präsident Hubert Achermann (links) und Intendant Michael Haefliger.

Gaben im Frühling die Streichung der Nebenfestivals bekannt: der scheidende Präsident Hubert Achermann (links) und Intendant Michael Haefliger.

Bild: Roger Grütter (Luzern, 7. Mai 2019)

Eigentlich hatte Lucerne Festival Anfang dieser Woche bloss den Präsidialwechsel im Stiftungsrat vermeldet. Demnach tritt Hubert Achermann nach elf Jahren auf Ende 2019 zurück, sein Nachfolger werden soll Markus Hongler (siehe Kasten unten). Aber der kurzfristig angekündigte Wechsel kommt zu einem für das Festival heiklen Moment und wirft deshalb weitere Fragen auf.

Für negative Schlagzeilen gesorgt hatte im Frühling die Streichung der Nebenfestivals an Ostern und am Piano und kürzlich der Mobbingvorwurf des Mitarbeiters Dominik Deuber an den Intendanten Michael Haefliger. Da stellt sich rasch die Frage, ob es von solchen Vorkommnissen einen Zusammenhang zum Wechsel im Präsidium des Stiftungsrats gibt.

Kein Mobbing, aber ein Arbeitskonflikt

Einen solchen Zusammenhang gibt es im Mobbingfall offenbar nicht. Denn heute Mittwoch gab Lucerne Festival auf Anfrage das ­Resultat der angekündigten Untersuchung bekannt. Demnach haben «die Abklärungen des Stiftungsrates in Zusammenarbeit mit einer auf Arbeitsrecht spezialisierten Anwältin ergeben, dass keine Anhaltspunkte für Mobbing bestehen», sagt Mediensprecherin Nina Steinhart.

Bestätigt hat sich hingegen, dass «ein Mitarbeiter seine Unzufriedenheit geäussert hat und es in diesem Zusammenhang einen Arbeitskonflikt gibt». Dieser ergab sich aus unterschiedlichen Auffassungen in seinem Bereich und in der Zusammenarbeit mit dem ganzen Team und nicht nur mit dem Intendanten.

Damit ist der Mobbingvorwurf gegen Michael Haefliger vom Tisch. Zwar handelt es sich bei der Abklärung durch die Anwältin lediglich um eine Expertise, die die Vorfälle zuhanden des Stiftungsrats klärt. Aber eine formelle Rechtsklage hatte der in leitender Funktion in der Academy tätige Dominik Deuber auch gar nicht eingereicht. Seine Vorwürfe, dass seine Mittel und Kompetenzen in unangemessener Weise beschränkt worden seien, hatte er in Form einer Korrespondenz mit dem Stiftungsrat vorgetragen.

Pikantes Detail: Das Wort ­Mobbing hatte Deuber in diesen Schreiben gar nicht benutzt. Es wurde im Artikel in der «NZZ am Sonntag» verwendet und gelangte von da in die Medien. Vielleicht deshalb hatte Deuber diesen Bericht «überrascht zur Kenntnis genommen», wie er gegenüber unserer Zeitung ­sagte.

Trennung mit Bedauern

Ein Schönheitsfehler an der vorliegenden Expertise ist, dass sie von einer Anwältin erstellt wurde, die in diesem Fall im Mandat von Lucerne Festival arbeitet. Aber ein Gefälligkeitsgutachten könnte sich eine renommierte Anwältin in einem derart sensiblen Fall schlicht nicht leisten, stellt Steinhart klar.

Wie also geht es weiter? Eine Rekursmöglichkeit gibt es nicht, da es sich nicht um ein rechtliches Verfahren handelt. Allerdings hat sich Lucerne Festival entschlossen, sich von Deuber zu trennen – dies durchaus bedauernd nach dessen erfolgreichem Wirken in der Academy. Die entsprechende Kündigung wäre dann allerdings anfechtbar.

Präsidialwechsel zu einem heiklen Zeitpunkt

Der Ausschuss des Stiftungsrats von Lucerne Festival schlägt gemäss einer Medienmitteilung Markus Hongler als neuen Präsidenten des Stiftungsrats ab 1. Januar 2020 vor, als Nachfolger von Hubert Achermann, der auf Ende Jahr aus dem Stiftungsrat austritt.

Der Luzerner Markus Hongler ist seit 2012 Mitglied des Stiftungsrats und derzeit dessen Vizepräsident. Er führt seit 2011 als CEO die Mobiliar und ist unter anderem Verwaltungsrat der Luzerner Kantonalbank. Er werde sein Bestes geben, um «mit dem Intendanten Michael Haefliger und seinem Team» dieses Festival «von nationaler Bedeutung und weltweiter Ausstrahlung weiterzuentwickeln», heisst es in der Mitteilung.

Hubert Achermann stand elf Jahre an der Spitze von Lucerne Festival. Dass er jetzt aus dem Stiftungsrat ausscheiden wird, kommt dennoch überraschend. Achermann hatte sich prominent im Rechtsstreit um die Salle Modulable engagiert. Zuletzt wurde im Frühling unter seinem Präsidium die Festivalstruktur markant verändert – mit Wochenenden als Ersatz für die Festivals an Ostern und am Piano. Durch die Restrukturierung werde die «Zukunft des Festivals langfristig gesichert», bekräftigt die Medienmitteilung.

Dass Intendant Michael Haefliger damals betonte, wie schwer ihm die Streichung der Festivals gefallen war, mag ein Hinweis auf interne Spannungen sein. Mediensprecherin Nina Steinhart stellt aber klar, dass die Restrukturierung «vom ganzen Stiftungsrat getragen wurde». Lucerne Festival dankt Hubert Achermann denn auch «für sein grosses Engagement und seine wertvollen Beiträge zur erfolgreichen Weiterentwicklung von Lucerne Festival».