Möped-Lads-Konzert im Sedel:
Die Punk-Jungs sind zurück in der Stadt

Am Samstag feierte der Punk sein Live-Comeback in Luzern. Die Lokallegenden Möped Lads rockten den Sedel zusammen mit den Delilahs.

Stefan Welzel
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Das Musikzentrum Sedel steht wie kaum eine andere Institution in der Schweiz für harte Gitarrenriffs, schnelle Beats und wilden Rock ’n’ Roll. Seit bald 40 Jahren dient das ehemalige Gefängnis über dem Rotsee als Trutzburg alternativen Musikschaffens. Doch eine so lange Zwangspause wie nun in der Coronakrise haben die altehrwürdigen Gemäuer in den vergangenen Jahrzehnten noch nicht erlebt.

Seit einigen Wochen hat aber auch der Sedel – unter strenger Einhaltung der Schutzmassnahmen – sein Programm wieder aufgenommen. Am Samstagabend gab es erstmals seit rund fünf Monaten die volle Dröhnung Punkrock. Die Luzerner Lokallegenden Möped Lads, eine der dienstältesten Schweizer Punkbands, beendeten die Durststrecke und brachten die Wände des Sedels mit Unterstützung der Delilahs zum vibrieren. Die Lads riefen, und die Punk-Gemeinde kam.

Sony Moped alias Gössi (Mitte) gibt alles auf der Sedel-Bühne am vergangenen Samstag.

Sony Moped alias Gössi (Mitte) gibt alles auf der Sedel-Bühne am vergangenen Samstag.

Bild: Stefan Welzel

Von der Lust am Live-Gig

Die Lust nach dem Liveerlebnis war Band wie Publikum anzumerken. Man lechzte geradezu nach den wummernden Bässen, die den Körper durchdringen, den Songpassagen, die man mitsingen konnte und den Riffs, denen man sich kopfschüttelnd hingeben konnte. Sony Moped alias Gössi am Mikrofon wusste genau, was er seiner «Familie», wie er immer wieder betonte, schuldig war. Zu Beginn auch noch mit Vermerk auf die Coronasituation. Die entsprechenden Massnahmen wurden an diesem Abend von allen ernst genommen und seriös umgesetzt – samt ID-Vorzeigepflicht und Kontaktangaben beim Einlass.

Das Klebeband im Zuschauerraum, das den Abstand zur Bühne mit der vorgeschriebenen Distanz definierte, wurde gewissenhaft respektiert. Und auch der genre-typische Pogo-Tanz übte man solo aus. Die vielen bereits älteren Semester im Publikum begnügten sich sowieso im hinteren Teil des Klubs mit den stillen Genuss des Gigs  – mit ein wenig Beine-Wippen und einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen.

«Punk ist immer etwas Körperkontakt, aber halt nicht angesagt in diesen Zeiten, deshalb decken wir das musikalisch ab», leitete Gössi das Konzert ein. Es folgten Bandklassiker mit schweizerdeutschen Texten wie «Scho Rächt», «Nipster», «D’Schnorre H» oder, der darf nie fehlen an einem Moped-Läds-Abend: «Alles doble».

Abschluss mit Motörhead-Klassiker

Sony, Randy, Dandy, Sammy und Ronnie Moped, wie die Künstlernamen lauten, heizten mit ihren insgesamt 263 Lebensjahren auch im fortgeschrittenen Musikeralter mächtig ein. Die Wucht und Energie war dieselbe wie eh und je. Seit Februar stand die Combo nicht mehr auf einer Bühne – die Fünf hauten alles raus. Die Familie goutierte es, wollte mehr – und erhielt es in Form von Zugaben der Möped Lads und dem Auftritt der vier Zuger von den Delilahs, die unter dem Zusatz ’77 Coverversionen ihrer Lieblingssongs zum Besten gaben. Auch hier zog die Punkfamilie begeistert mit. Und so endete ein lauter, ausgelassener und sehr schöner Comebackabend nach der Coronapause mit dem Motörhead-Hit «Ace Of Spades». Krachender geht’s nicht – ein würdiger Schlusspunkt.

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