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Das Jazzfestival Montreux blickt in die Zukunft

Noch bis am Samstag dauert das Jazzfestival in Montreux. Die Konzerte im neuen Jazz Club sind meistens ausverkauft. Dennoch will das Festival nicht grösser werden.
Stefan Künzli
Alle 600 Sitzplätze im neuen «House of Jazz» sind besetzt am Konzert zum 85. Geburtstag von Quincy Jones. (Bild: Valentin Flauraud/Keystone (Montreux, 9. Juli 2018))

Alle 600 Sitzplätze im neuen «House of Jazz» sind besetzt am Konzert zum 85. Geburtstag von Quincy Jones. (Bild: Valentin Flauraud/Keystone (Montreux, 9. Juli 2018))

Es ist 1.45 Uhr am Jazzfestival in Montreux. Eine Menschentraube drängt in den neuen Jazz Club im Petit Palais vis-à-vis des Hotels Palace. Quincy Jones, Gast auf Lebenszeit und erster Botschafter des Festivals, hat kurzfristig ein Konzert zu seinem 85. Geburtstag angesagt. Es ist heiss, die Sitzplätze sind schon alle besetzt, und es hätte schon längst beginnen sollen. «Tant pis!»

Es sind alle gekommen: der hochvirtuose Pianist Alfredo Rodriguez aus Kuba, Wunderbassist Richard Bona aus Kamerun, der britische Tausendsassa Jacob Collier, Monty Alexander aus Jamaica, der französisch-libanesische Trompeter Ibrahim Maalouf und die Rapper Mos Def und Talib Kweli. Alles wirkt charmant spontan. Wir erinnern uns an die Zeit, als alles noch etwas unorganisierter war. Bis gegen fünf Uhr in der Frühe dauert der Marathon. Hier, im schmucken Belle-Epoque-Gebäude, hat der Jazz und Jazz-Verwandtes seine neue Heimstätte erhalten: das «House of Jazz».

Meistens ausverkauft

Der Jazz Club ist eine Erfolgsgeschichte des Festivals in Mon­treux. 2012 hat er das Jazz Cafe ersetzt und war beim Publikum äusserst beliebt. Die Konzerte waren meist ausverkauft, obwohl der schlauchartige, niedrige Club atmosphärische Defizite aufwies und eigentlich nicht mehr als ein Provisorium war. Gleichzeitig war er mit einer Kapazität von 350 Leuten zu klein, um die Kosten der oft exklusiven Konzerte zu decken.

Mit 600 Sitzplätzen ist der neue Club fast doppelt so gross und stilvoll eingerichtet. Die Akustik ist grandios und die Sicht auf die grosse Bühne auch für die hintersten Plätze gewährleistet. Zufrieden ist auch Festivalleiter Mathieu Jaton. Auch im grossen, neuen Club sind die meisten Konzerte ausverkauft, die Auslastung beträgt bisher 85 Prozent.

Für Mathieu Jaton war die Nacht für Quincy Jones das beste Beispiel, was Jazz heute und in Zukunft ausmacht. Es ist eine ­Definition von Jazz, die offen ist gegenüber allen musikalischen Einflüssen dieser Welt. Jazz, der alle Barrieren niederreisst: «Jazz and beyond.» Jung und hip wie das neue Projekt «R+R=Now» mit Robert Glasper, Terrace Martin und Christian Scott, das einen zeitgenössischen Jazz aus dem Geist des Hip-Hop kreiert. Wie die Band-Projekte des französischen Schlagzeugers Manu Katché und des israelischen Trompeters Avishai Cohen, die in Mon­treux die Affinität zu Rock und Pop deutlich machten. In dieses Umfeld passt auch der hochgelobte Keyboarder Cory Henry, der heute den Jazz Club mit seinen Funk Apostels in einen brodelnden Groove-Tempel verwandeln wird.

Die grossen Arena-Konzerte sollen andere machen

Für Jaton ging es nicht nur darum, den Jazz Club zu verschieben und bessere Bedingungen zu schaffen. Ziel war vielmehr, «den Geist von Montreux, all das, was das Festival seit seinen Anfängen ausmacht, zu erhalten und sogar zu verstärken». Das Jazzfestival hat seit der Gründung vor über 50 Jahren grosse Veränderungen erlebt, ist immer grösser geworden.

Die Ende 2020 anstehende Renovation des Kongresszentrums hat Festivalleiter Jaton zu grundsätzlichen Überlegungen zur Zukunft des berühmtesten Festivals der Schweiz verleitet. «Wir wollen nicht grösser werden», sagt er denn auch bestimmt. Die grossen Arena-Konzerte sollen andere machen. «Wir wollen eine neue Intimität schaffen. Das ist die echte DNA von Montreux, für die Claude Nobs auch immer eingestanden ist», sagt Jaton weiter. Grösse würde dies zerstören.

Nach dem Festival 2020 wird gebaut und renoviert. Die Kapazitäten im Auditorium Stravinski (2500 bis 4000 Plätze) und im Lab (1000 bis 2000 Plätze) sollen erhalten bleiben. Für das Festival 2021 müssen Übergangslösungen gefunden werden. «Die Aktivitäten bewegen sich für ein Jahr auf die andere Seite der Stadt», verrät Jaton. Es sei noch nichts fixiert, betont er, aber im Fokus steht die Reaktivierung des Casinos sowie der Marktplatz.

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