MORGARTEN: Sie spielt mit der Narrenfreiheit

Bereits acht Mal ist das Freilichtspiel über die Bühne gegangen. Darstellerin Denise Bodenmann kann die weiteren Vorstellungen kaum erwarten – das Theater hat es ihr angetan.

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Denise Bodenmann (links) als Hofnärrin Mathurine bei der Premiere vom 7. August. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Denise Bodenmann (links) als Hofnärrin Mathurine bei der Premiere vom 7. August. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Rahel Hug

Das Morgarten-Freilichttheater feiert Halbzeit: Gestern Abend ging bei schönem Spätsommerwetter die achte von insgesamt siebzehn Vorstellungen über die Bühne. Die bisherigen Zuschauerzahlen übertreffen alle Erwartungen: Die ersten sieben Aufführungen waren laut einer Mitteilung der Veranstalter bis auf Einzelplätze immer fast wie ausgebucht (siehe Box). Das Stück «Morgarten – der Streit geht weiter» kommt aber nicht nur beim Publikum gut an, sondern sorgt auch bei den Schauspielerinnen und Schauspielern für Freude. Rund 90 Laiendarsteller sind mit Leidenschaft dabei. Eine von ihnen ist Denise Bodenmann. Die 28-jährige Unterägererin mit Walliser Wurzeln spielt die Rolle der französischen Hofnärrin Mathurine und hat dank ihrem liebenswerten Dialekt und ihrem Witz die Lacher immer wieder auf ihrer Seite. Im Interview erzählt die Primarlehrerin, wie sie sich mit ihrer Rolle identifiziert, weshalb sie das Theaterspielen so begeistert und wie sie die Probezeit erlebt hat.

Denise Bodenmann, Sie haben beim Morgarten-Spektakel eine tragende Rolle inne, sind auf der Bühne sehr präsent. Wie kam es dazu, dass Sie die Rolle der Hofnärrin Mathurine übernehmen durften?

Denise Bodenmann: Ich habe mich eigentlich auf eine Nebenrolle eingestellt, als ich mich vor über einem Jahr für das Casting angemeldet habe. Schliesslich war aber schnell klar, dass ich die Rolle der französischen Hofnärrin übernehmen würde. Ich kann gut Französisch, die Sprache liegt dem Walliserdeutsch nahe. Es war eine schöne Überraschung für mich, diese Herausforderung annehmen zu dürfen.

Die Hofnärrin Mathurine ist eine historische Figur aus dem 16. Jahrhundert. Was fasziniert Sie an der Rolle?

Bodenmann: Mathurine hat eine richtige Karriere gemacht. Aus einer Militärkantine ist sie an den Königshof gekommen. Sie war dem König näher als seine eigene Frau. Mathurine war eine mutige, ehrliche und intelligente Frau, die die Leute jederzeit zum Lachen bringen konnte. Ich habe mich sehr schnell mit dieser Rolle identifizieren können.

Wie viel von Ihnen steckt in der Mathu­rine, die Sie auf der Bühne spielen?

Bodenmann: Sehr viel. Als ich vor den Proben ein Buch über sie gelesen habe, ist mir klar geworden: Das könnte genauso gut ich sein, nur habe ich nicht in dieser Zeit gelebt. Ich lache gerne viel, bin ein lebhaf- ter und fröhlicher Mensch, kann aber auch ganz ernst sein.

Gemeinsam mit anderen namhaften Narren suchen Sie auf der Bühne nach der Wahrheit, nach einer Antwort auf die Frage, ob die Schlacht am Morgarten überhaupt stattgefunden hat. Wie läuft das Zusammenspiel in der Narrentruppe?

Bodenmann: Es ist ein schönes Miteinander, wir motivieren uns gegenseitig, stecken uns an. Ich habe das Gefühl, dass wir – und mit uns die gesamte Schauspielergruppe – von Vorstellung zu Vorstellung besser werden.

Was fasziniert Sie am Theaterspielen?

Bodenmann: Ich finde es spannend, in andere Rollen zu schlüpfen. Auf der Bühne kann ich aus mir herausgehen, das Leben und mich selber für einige Augenblicke vergessen. Ich habe gerne lustige Rollen. Als Närrin darf ich Blödsinn machen, laut sein und witzeln – das macht mir unglaublich Spass.

Haben Sie zuvor bereits Erfahrungen als Schauspielerin gesammelt?

Bodenmann: Als Kind habe ich jeweils Theaterstücke geschrieben, die ich gemeinsam mit meinen Geschwistern aufgeführt habe. Vor gut zwei Jahren bin ich dann zur Theatergesellschaft Unterägeri gestossen. Dort habe ich bisher bei zwei Produktionen mitgewirkt.

Jetzt spielen Sie vor über 850 Zuschauern, das sind einige mehr als bei einer Vorstellung des Dorftheaters. Sind Sie vor den Aufführungen jeweils nervös?

Bodenmann: Unsere erste Vorstellung, ein Auszug des gesamten Spektakels, hatten wir im Rahmen des Volksfestes im Juni. Damals war ich extrem nervös. Auch vor den ersten regulären Aufführungen hat es jeweils noch gekribbelt. Stehe ich aber auf der Bühne, ist die Aufregung wie weggeblasen.

Wie haben Sie die Premiere vom 7. August erlebt?

Bodenmann: Während der ersten 40 Minuten muss ich jeweils hinter einem Baum auf meinen Auftritt warten. Das war vor allem bei der Premiere hart. Während dieser Zeit bin ich mit meiner Nervosität allein, kann mich nicht beschäftigen oder ablenken. In besonders guter Erinnerung habe ich den Abschluss der ersten Aufführung. Wir waren alle so erleichtert, dass es keine Zwischenfälle gegeben hatte und das Publikum zufrieden war. Das ganze Team hat sich gemeinsam gefreut.

Seit März haben regelmässig Proben stattgefunden, zeitweise vier Mal pro Woche. Eine strenge Zeit?

Bodenmann: Und wie. Es gab Tage, da bin ich direkt nach der Schule, ohne Znacht, zur Probe geradelt und nachts um 23 Uhr todmüde ins Bett gefallen. Einmal hat es bei den Proben sogar geschneit, andere Male war es 35 Grad heiss. Man muss viel an sich arbeiten und mit Kritik umgehen. Soziale Kontakte und das Vereinsleben kommen zu kurz. Die Probezeit war sehr intensiv. Aber nach den Vorstellungen weiss man jeweils wieder, weshalb man das alles mitgemacht hat. Der Dank aus dem Publikum macht alles wieder wett.

Mittlerweile sind bereits acht Vorstellungen über die Bühne gegangen. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Bodenmann: Die Rückmeldungen sind durchwegs positiv. Wir sind ein eingespieltes Team und wissen nun, wie der Karren läuft. Ich freue mich jedes Mal von neuem aufs Schminken, aufs Paratmachen und schliesslich auf die Vorstellung. Es ist fast schon normal geworden, auf der Bühne zu stehen, es hat sich eine gewisse Routine entwickelt. Ich habe extra vorgesorgt, dass ich nach der Vorstellungszeit nicht in ein Loch falle: Ich werde einen Französischkurs besuchen.

Würden Sie den Entscheid, bei einem solch grossen Spektakel mitzumachen, wieder fällen?

Bodenmann: Ja, jederzeit. Aber zuvor würde ich mir eine kurze Pause gönnen.(lacht)

Bisher sehr gut ausgebucht

Zwischenbilanz red.Seit bald drei Wochen wird in der Naturarena am Ägerisee gespielt. Von den insgesamt siebzehn Aufführungen sind bereits acht über die Bühne gegangen. Laut einer Mitteilung der Veranstalter waren die ersten sieben Vorstellungen bis auf eine mit etwa 30 freien Plätzen alle ausverkauft. Gesamthaft erreichte das Freilichtspiel damit eine Auslastung von 99,75 Prozent. 5753 Personen haben das Stück nach den ersten sieben Vorstellungen gesehen. Und es wird im gleichen Stil weitergehen: Bis jetzt sind mehr als 10 000 Tickets verkauft. Ein Grossteil der Besucher stamme aus der Zentralschweiz, schreiben die Veranstalter weiter. Aber auch aus den Kantonen Bern, Basel, Zürich, der Ostschweiz und aus Glarus würden gute Frequenzen festgestellt. Gespielt wird noch bis am 12. September.

Weitere Infos und Vorverkauf unter www.morgartenspektakel.ch

Denise Bodenmann: «Wir sind ein eingespieltes Team.» (Bild: PD)

Denise Bodenmann: «Wir sind ein eingespieltes Team.» (Bild: PD)