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Marcel Bieri ist der Motor für die «lebendige Musik-Szene»

Als künstlerischer Leiter des B-Sides fördert Marcel Bieri die Vernetzung in der Musikszene und den Austausch mit anderen Kulturen. Jetzt wird seine Arbeit institutionalisiert – mit einer neuen Vermittlungsstelle.
Interview Pirmin Bossart
Marcel Bieris Projekt zur Musikförderung wurde von einer Jury ausgewählt. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 7. 6. 2016))

Marcel Bieris Projekt zur Musikförderung wurde von einer Jury ausgewählt. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 7. 6. 2016))

Marcel Bieri, der aus dem Seetal stammt, mischt als Veranstalter, Projektleiter und Netzwerker seit Jahren in der Luzerner Musikszene mit. Gestern hat er den Zuschlag erhalten, in einer dreijährigen Pilotphase eine Vermittlungsstelle zur Förderung des Musikschaffens in Luzern aufzubauen. Die Plattform wird von Kanton und Stadt Luzern, der Regionalkonferenz Kultur und der Albert Koechlin Stiftung mit jährlich 60 000 Franken unterstützt.

Marcel Bieri, warum braucht es eine solche Plattform?

In der Populärmusik gibt es zahlreiche Subsysteme wie den Sedel B-Sides, ein Kollektiv wie Red Brick Chapel oder die kleinen Clubs der zeitgenössischen Jazzszene. Diese Subsysteme und auch die Bedürfnisse des Publikums befinden sich in einem permanenten Wandel. Die Kulturförderer sind immer einen Schritt zurück, wenn sie das zeitgenössische Schaffen beurteilen wollen. Da braucht es eine Art Kompetenzstelle für die Förderer, die Musikschaffenden und das Publikum. Diese Plattform vermittelt, wie lebendig die Szene ist und welche Künstler eine Ausstrahlung haben. Diese können dann wiederum als Vorbilder auch jüngere kreative Musikschaffende mitziehen.

«Other Music Luzern» heisst Ihr Konzept. Was sind seine Kernpunkte?

Es geht um Begegnung, Vernetzung, Kommunikation. «Other Music Luzern» bietet Möglichkeiten, dass sich Menschen treffen und Erfahrungen austauschen. Wir erfassen die Szene und aktivieren ein Netzwerk von Partnern. Es braucht solche regionale Ebenen, wie es sie mit dem Rockförderverein Basel schon gibt. Sie versuchen, Künstler aus ihrer Region auf eine nationale und im besten Falle internationale Ebene zu bringen, indem man eine Band oder eine Musikerin zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Menschen vermittelt. Dafür setzen wir uns ein.

Was sind die Gefässe für diese Aktivitäten?

Zentral ist eine professionell ausgestaltete Plattform im Netz. Dort werden die Geschichten, spannenden Projekte und Aktivitäten aus unserer Szene spartenübergreifend dokumentiert, aufbereitet und weitervermittelt. Wir wollen wegkommen von diesem verstaubten Fachstellen-Groove. «Other Music Luzern» auf dem Netz wird eher eine Art Magazin sein. Unser Fokus liegt auf der Populärkultur und dem Jazz. Wir können Bands und Musiker, die das wollen und brauchen, bei ihrer weiteren Entwicklung begleiten. Damit werden wir auch zu einem interessanten Partner für die selektive Produktionsförderung.

Gibt es im Luzerner Umfeld Bands und Musiker, die das Charisma und die Kompetenz für eine nationale oder internationale Beachtung haben?

Definitiv. Ich denke an Pink Spider oder Schnellertollermeier. Auch an Jon Hood, Long Tall Jefferson, Blind Butcher, Hanreti oder den Elektronik-Künstler Samuel Savenberg, der bereits international arbeitet. Wir sind für innovative Musikschaffende da, die nicht gleich im Radio gespielt werden. Ihnen wollen wir die Möglichkeit bieten, ihr Netzwerk zu finden, sodass sie sich besser weiterentwickeln können.

Alle reden heute von Vernetzung. Auch Sie selber sind in diesem Umfeld tätig. Wie sehen Ihre Aktivitäten aus?

Ich besuche Festivals, höre mir Bands an, spreche mit Künstlern, Veranstaltern, Bookern, Festivalmachern. Letztes Jahr habe ich an einem grossen Festival in Kanada Kontakte geknüpft. Zwei dieser Menschen, der in Nordamerika über ein grosses Netzwerk verfügen, haben wir jetzt auch an das B-Sides eingeladen, damit sie in Kontakt mit der Szene treten können. Als Schnellertollermeier letztes Jahr an der Kilbi Bad Bonn gespielt haben, waren dort Vertreter von Eurosonic im Publikum. Auf diese Weise kann eine Band schnell die Runde machen.

Nächste Woche findet das B-Sides Festival auf dem Sonnenberg statt, das Sie künstlerisch leiten. Wie sieht dieses Jahr Ihre Vernetzungsarbeit aus?

Erstmals haben wir Bookers, Festivalveranstalter und Labelbetreiber aus Frankreich, Deutschland, Lettland, Ägypten, Tunesien und Kanada eingeladen. Für mich persönlich wichtig ist der Brückenschlag zu Musikern und Bands aus dem Nahen Osten und dem Maghreb. Wir wollen als Festival zum Ausdruck bringen, dass eine Verschmelzung der Kulturen stattfindet, die man nicht aufhalten kann. Für mich ist das, im Zeitalter der Migrationsströme, eine Verpflichtung. Sowieso bringen solche Bands eine Musik mit, die mir viel interessanter scheint als das, was wir mit unserer Indie-Pop-Kultur zelebrieren.

Am B-Sides stehen immer auch zahlreiche Musikerinnen auf der Bühne.

Wir sind als erstes Festival der Schweiz bei Keychange dabei. Die Organisation verpflichtet Festivals, dass bis 2022 50 Prozent aller auftretenden Bands mindestens mit einer Musikerin mit tragender Rolle besetzt sind. Wir erfüllen diese Quote schon.

Was ist Ihre Vision für das B-Sides und auch «Other Music Luzern»?

Wir haben die Ausstrahlung der ganzen Szene im Fokus. Der Kulturplatz Luzern soll nicht nur als Klassik-Hotspot mit dem Lucerne Festival wahrgenommen werden, sondern auch als ebenbürtiger Brennpunkt für Populärmusik und Jazz jenseits des Mainstreams. Das ist unser Ziel. Deshalb unterstützen wir junge Menschen, die Perspektiven suchen, um sich kreativ weiterzuentwickeln. Mit der neuen Stelle möchten wir dieses Verständnis fördern. Menschen, die sich kreativ austoben und damit Erfolg haben, sind letztlich auch für die Gesellschaft und die Wirtschaft wichtig. Davon bin ich überzeugt.

B-Sides Festival, 14. bis 16. Juni 2018. Weitere Informationen: www.b-sides.ch

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