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MUNDART: Die uncoolen Coolen

Das St. Galler Duo Dachs hat soeben sein erstes Album «Immer schö lächlä» veröffentlicht. Es ist ein poetisches Album mit viel Synthesizer. Am Wochenende starten die beiden ihre Tour durch die Schweiz.
Philipp Bürkler
Lukas Senn und Basil Kehl sind Dachs. Sie haben eine eigene Ästhetik, nicht nur beim Sound, auch visuell. (Bild: Joa Schmied / Wanja Harb)

Lukas Senn und Basil Kehl sind Dachs. Sie haben eine eigene Ästhetik, nicht nur beim Sound, auch visuell. (Bild: Joa Schmied / Wanja Harb)

Philipp Bürkler

Plötzlich scheint Ostschweizer Dialekt in der Musik auch in anderen Regionen des Landes cool zu sein. Nachdem Manuel Stahlberger seit einiger Zeit in der restlichen Schweiz toleriert wird und «Prada» von Knöppel seltsamerweise vor kurzem vom SRF 3-Publikum zum besten Schweizer Song aller Zeiten gewählt wurde, starten nun die beiden St. Galler Basil Kehl und Lukas Senn mit ihrem Projekt Dachs durch. Oder wie sie es auf ihrer Facebook-Seite selber nennen: «Make SanGalle Great Again!»

Auf dem Débutalbum «Immer schö lächlä» singt Kehl, der auch die Texte schreibt, in astreinem St. Galler Dialekt in hoher Falsett-Stimmlage vom bünzligen Leben in der Ostschweizer Heimat und von Alltagssituationen wie den zwei Geschwistern, die als Kinder Versteckis spielen, sich dann aber als Erwachsene so ziemlich auseinanderleben. Der Bruder wurde zum Alki, die Schwester lässt ihn im Stich. In einem anderen Song reisen die beiden 300 Jahre in die Zukunft, ins Jahr 2315, in dem sich die Schlacht von Morgarten zum 1000sten Mal jährt. Autos fliegen herum und New York, Moskau, Paris und Berlin sind längst von der Bildfläche mit Bomben hinweggefegt worden.

Im Song «Bischofszell», eine Reverenz an das Thurgauer Städtchen, geht es um einen Fussballmatch auf dem Sportplatz, der ob seiner Zuschauerzahl in seine Nichtigkeit versinkt und nur den Mannschafts-Masseur dazu zwingt, sich jeden Match ansehen zu müssen. Am Ende ist es ein «Verlürerfilm – woni lieb, welli au en Verlürer bin», wie Kehl in seiner bescheidenen Art singt. Musikalisch orientiert sich das Album am Synthie-Pop. Basil Kehl hat erst im vergangenen Jahr sein Faible für klare Synthie-Melodien mit seinem Soloprojekt «Wassily» unter Beweis gestellt.

Rückzug in die Voralpen für Konzertproben

Zurzeit haben sich Kehl und Senn in die appenzellische Hügellandschaft zurückgezogen. In einer kleinen Hütte bei Schönengrund üben sie zurzeit ihre Songs für die kommende Tour. «Beim Produzieren für das Album haben wir uns noch keine Gedanken gemacht, wie es dann live tönen soll», sagt Kehl. Die Hütte sei auch ein idealer Ort, weil man da nicht fliehen, sondern konzentriert und fokussiert arbeiten könne, sagt Senn. «Es ist wie in einem Pfadilager oder besser, es ist unser Brokeback Mountain», erklärt Kehl scherzhaft die Abgeschiedenheit nd Einsamkeit der beiden Männer in Anlehnung an den Film. «Am Morgen ist es so kalt, dass man früh erwacht. Dann heizen wir ein, und anschliessend proben wir die Songs», sagt Senn.

Ernst gemeinte Kritik ist das Schönste

Wenn sie nicht mit Proben beschäftigt sind, reisen sie gelegentlich zu einem Radiointerview und «sagen ein paar nette Sätze ins Mikrofon», wie Kehl betont. Die beiden Mitzwanziger haben Dachs vor einigen Jahren als Kantiband mit mehreren Freunden gegründet. Mittlerweile ist die Band auf das Duo geschrumpft. Wahrscheinlich haben alle Uncoolen die Band verlassen, geblieben sind die beiden Coolen, die aber nicht cool sein wollen.

Einige oberflächliche Hörer interpretieren das «Cool- oder Uncoolsein» offenbar falsch. Auf YouTube kommentiert einer den Song DüDaDo mit «Wie cha me so schissdräck lose ;-D». Senn und Kehl nehmen es gelassen. «Das schönste Feedback ist das ernst gemeinte», so Senn. Nach einem Konzert sei ein anderer Musiker auf ihn zugekommen und habe fadegrad gesagt, er habe das Dachs-Konzert schlecht gefunden. «Schliesslich haben wir uns über eine Stunde bestens unterhalten. «Kritik ist gut, sie darf auch weh tun, aber wenigstens ist sie dann ehrlich», so Senn.

Neben der Synthie-Musik und der hohen Stimme von Kehl ist es genau die zurückhaltende und überlegte Art der beiden Künstler, die Dachs schweizweit so einmalig und sympathisch macht. «Authentizität» dürfen die beiden ungeniert in Grossbuchstaben schreiben.

Hinweis

Live: St. Gallen 02.03. im Palace und Luzern 09.03. in der Schüür

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