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MUNDART-POP: Hecht: «Erfolg ist etwas Vergängliches»

Hecht sind die Senkrechtstarter in der Schweizer Poplandschaft. Jetzt erscheint ihr drittes Album. Ein Gespräch mit dem Sänger über Druck, Geld und Durchdrehen.
Michael Graber
«Wir wollen, dass alle springen und etwas durchdrehen», sagt Stefan Buck. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 28. Februar 2018))

«Wir wollen, dass alle springen und etwas durchdrehen», sagt Stefan Buck. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 28. Februar 2018))

Interview: Michael Graber

Stefan Buck, nächste Woche erscheint «Oh Boy», die neue CD von Hecht. Die Tour ist bereits praktisch ausverkauft. Trotzdem noch nervös?

Es wäre ja komisch, wenn ich es nicht wäre. Es ist zum ersten Mal so, dass tatsächlich jemand auf unsere Musik gewartet hat. Bisher haben wir Alben veröffentlicht und dann gehofft, dass es jemanden interessiert.

Ist das ein Druck?

Das würde ich so nicht sagen. Wir machen immer noch unser Ding. Wenn man weiss, dass man damit wohl zumindest ein bisschen Erfolg haben wird, macht das vieles sogar etwas einfacher.

Was zum Beispiel?

Man kann viel mehr Geld und Zeit in die Produktion einer CD stecken, wenn man denkt, dass sich das wohl rechnen wird. Wir tragen alle Kosten selber und mussten uns daher bisher manchmal etwas zurücknehmen bei solchen Dingen.

In der Band haben alle einen Job. Sie auch. Wie bringt man das alles unter einen Hut?

Ich habe ein siebenmonatiges Sabbatical genommen und die Songs geschrieben, und die Band hat in dieser Zeit viele andere Vorarbeiten für das Album gemacht. Jetzt arbeite ich aber wieder 100 Prozent. Wenn unsere Erfolgsgeschichte so weitergeht, muss ich aber etwas ändern. Vor allem die Familie kommt neben Job und Band etwas zu kurz. Wenn ich die ganze Woche arbeite und am Wochenende Konzerte spiele, geht viel Zeit verloren, die ich eigentlich ganz gerne mit Frau und Kindern verbringen würde.

Gibt es schon eine Lösung?

Eine Idee gibt es, aber ich möchte sie nicht unbedingt in der Zeitung lesen (lacht).

Wann habt ihr eigentlich gemerkt, dass Hecht derart funktioniert?

Begonnen hat alles langsam. Wir haben Konzerte gespielt, bei denen keine 50 Leute im Publikum waren. Unser Vorteil war, dass es uns immer extrem Freude gemacht hat. Wenn wir selber Freude hatten, war es uns auch nicht so wichtig, ob der Saal voll oder leer ist. Wir waren Freunde, die Musik machen und nebenbei aber so auch Zeit miteinander verbringen konnten. Das Bier nachher im Zug war oft gleich wichtig. So schützt man sich vor Enttäuschungen. Was dann alles passierte, war Zufall. Oder Glück. Das Schöne ist: Wir sind immer noch eine Truppe Freunde geblieben.

Dem ursprünglichen Schlagzeuger wurde alles zu viel.

Aber auch da haben wir einen Typen gefunden, der sehr gut zum Rest passte. Das Mensch­liche war uns immer sehr wichtig – dass er gleichzeitig auch noch ein sehr guter Musiker ist, ist die nette Zugabe.

Mit Freunden wird es immer dann besonders unangenehm, wenn man über Geld sprechen muss.

Wir haben da ganz unromantisch alles per Vertrag geregelt. Das waren harte Diskussionen, und es war nicht einfach. Dass wir nicht mehr die Jüngsten sind, ist gleichzeitig unser Nachteil und unser Vorteil. Als 20-Jährige hätte die Band eine solche Gelddiskussion vielleicht nicht überlebt. Heute sind wir da pragmatischer. Es ist zudem illusorisch zu glauben, dass jeder in der Band gleich viel machen kann und will. Daher mussten wir für uns einen Schlüssel finden, der für alle stimmt.

Von Hecht könnten finanziell wahrscheinlich alle beteiligten Musiker leben.

Vielleicht. Aber wir machen mittlerweile seit 18 Jahren Musik. Jetzt können wir zum ersten Mal etwas aus der Bandkasse nehmen für uns persönlich. Meistens haben wir da nur eingezahlt oder im Maximalfall etwas für die Produktion verwenden können. Ich habe zudem in all den Jahren Musikmachen auch viele gesehen, die plötzlich wieder weg vom Fenster waren. Der Erfolg ist ­etwas Vergängliches. Wir ge­niessen es jetzt, machen uns aber keine falschen Illusionen.

Bei den Liedern sind Sie als alleiniger Autor für Text und Musik genannt. Ist Hecht eigentlich Stefan Buck und Band?

Nein, überhaupt nicht. Aber die Lieder schreibe ich tatsächlich alleine. Ich habe mir angeeignet, mit dem Computer Musik zu basteln, und kann so daheim arbeiten. Zuerst schreibe ich die Musik und dann den Text. Anschliessend gehen wir mit diesen Songs in den Bandraum. Manchmal passiert dann noch recht viel mit den einzelnen Liedern – manchmal weniger. Und ich habe beim Schreiben der Songs ja immer die Band im Hinterkopf.

Mundart ist angesagt. Ihr habt schon auf Mundart gesungen, als das noch verpönt war.

Schön, dass das mal jemand sagt. Wenn ich 2010 gesagt habe, dass wir jetzt auf Schweizerdeutsch singen, haben alle nur die Nase gerümpft. Für uns fühlte sich der Wechsel einfach logisch an. Auch an Konzerten. Es ist doch komisch, wenn ich auf Englisch singe und dann zwischen den Songs auf Mundart mit dem Publikum rede: «Der nächste Song heisst ‹Flower›. Es geht um Blumen.»

In eurer ersten Single «Kawasaki» geht es unter anderem um den Tod, und im Refrain kommt mit «Helvetica» eine Schriftart vor.

Ich finde das grossartig. Wir haben lange diskutiert, welches die erste Single wird. Für mich war immer klar: Es muss der Song sein. Er ist eben nicht typisch Hecht und unterläuft einige ­Erwartungen. Einfach wieder so ein klassischer Hecht-Song wäre doch langweilig gewesen.

Ihr seid sonst bekannt für eure Euphorie-Songs. Zu denen man rumhüpfen und, wie Sie immer sagen, etwas «durchdrehen» kann.

Das stimmt. Aber das ist ja auch genau das, was wir auf der Bühne wollen. Wir wollen, dass alle springen und etwas durchdrehen. Das ist doch schön.

Merkt man beim Songschreiben daheim: Der funktioniert. Da drehen alle durch.

Ganz kann man das natürlich nie sagen, aber ein bisschen ein Gespür haben wir wohl mittlerweile schon entwickelt.

Und wie umschifft man die Seichtheitsfalle?

Da muss man wahnsinnig aufpassen. Ich will immer, dass unsere Songs eine Geschichte erzählen und eine Aussage haben. Natürlich könnte ich auch einen Song über einen Cervelat schreiben. Mir fielen sogar ein paar lustige Wortspiele dazu ein, und ich bin sicher, so ein Lied käme auch gut an. Ich muss immer abwägen: Wie platt kann ich sein und wie platt will ich sein. Wir wollen unsere Fans nicht ­vergrämen und nehmen beim Schreiben schon Rücksicht, aber am Schluss muss es uns wohl sein bei dem, was wir machen. Ich will mich nicht für einen Text schämen, nur weil ich damit zweihundert Platten mehr verkaufen würde.

Hinweis

Stefan Buck ist Sänger und Gitarrist von Hecht. Der 37-Jährige ist im Luzerner Seetal aufgewachsen, lebt heute mit seiner Frau und den zwei Kindern in Zürich.

«Wir wollen, dass alle springen und etwas durchdrehen», sagt Stefan Buck. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 28. Februar 2018))

«Wir wollen, dass alle springen und etwas durchdrehen», sagt Stefan Buck. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 28. Februar 2018))

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