MUNDART-RAP: Mimiks zwischen Selbstzweifeln und Selbstlob

Mimiks (24) ging als erster Schweizer Musiker mit seinem Debüt auf Platz eins in der Hitparade. Jetzt folgt sein Zweitling, und trotz allem Grund zum Feiern ist dieser düsterer geraten.

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«Ich wollte mehr Inhalt in den Texten», sagt Angel Egli alias Mimiks (24). (Bild: PD/Oliver Bär)

«Ich wollte mehr Inhalt in den Texten», sagt Angel Egli alias Mimiks (24). (Bild: PD/Oliver Bär)

Michael Graber

Es war ein bisschen das musikalische Sommermärchen 2014. Ein junger Rapper aus Luzern landete mit seinem Debüt «VodkaZombieRamboGang» direkt auf Platz eins in der Hitparade. Damals steckte Angel Egli gerade im ersten Lehrjahr als Koch. Was folgte: Konzerte vor ausverkauften Sälen, Tour mit Stress und Fernsehinterviews.

Jetzt, anderthalb Jahre später, liegt die Lehre von Mimiks in den letzen Zügen, und mit «C.R.A.C.K» erscheint bereits sein zweites Album. Da hat einer einen grossen Arbeitseifer an den Tag gelegt. Oder? «Ich finde nicht, dass ich einen sonderlich hohen Output habe», sagt Mimiks. «Ich schreibe nur, wenn ich einen Beat richtig fühle.» 17 solche Beats hat er für sein neues Album gefühlt. Was verwundert: Der Grundton des Albums ist dunkler als noch beim Vorgänger. Selbstzweifel werden ebenso thematisiert wie die Schattenseite des Ruhms. Musikalischer ist alles etwas schleppender, langsamer, aber nicht ohne Druck.

Ständiger Begleiter

Da stürmt einer die Charts und wird nachdenklicher. Ein Widerspruch? «Nein, keineswegs», sagt Mimiks, «nur weil ich aufs eins gehe und am Wochenende vor ein paar hundert Leuten spiele, bin ich nicht nur Mimiks, sondern eben auch Angel Egli.» Selbstzweifel seien auch nichts Neues in seinem Leben, sondern eher ständiger Begleiter: «Die bringt man auch nicht so schnell weg», sagt Mimiks durchaus mit einem Lächeln.

Wer jetzt meint, Mimiks mutiere vom wortgewaltigen und leicht hedonistischen Rapper zum depressiven und enthaltsamen Asketen, der irrt. Der Club, das Feiern und auch das Prollige ist auch auf «C.R.A.C.K» gut vertreten. Da werden noch immer Flaschen ausgetrunken und anschliessend herumgeworfen, und trotz Selbstzweifeln wird auch das Selbstlob nicht vergessen.

Der Schritt zu mehr Tiefgründigkeit war ein bewusster: «Ich wollte mehr Inhalt in den Texten», sagt Mimiks. Dass er gut rappen kann – technisch ist er in der Schweiz locker auf einem Spitzenplatz in der Super League –, hat er mit «VodkaZombieRamboGang» auch einer breiten Öffentlichkeit bewiesen. Was fast ein bisschen unterging, war eben der Content. Die Songs waren zwar schnell und voller Wortwitz, einen tieferen Sinn suchte man oftmals aber vergeblich (was nicht heissen soll, dass Songtexte immer einen solchen haben müssten).

Dagegen wirken jetzt Songs wie «Tattoo» oder «Schatte» fast schon erwachsen. Ebenfalls sehr spannend ist «Bon Iver» mit GeilerAsDu als Gästen. Das ist fast schon ein bisschen lyrisch, wie Mimiks, Luzi und Mike über einen herrlich vielschichtigen Beat turnen. Auch für die andere Seite hat es gute Gäste auf der Platte. Stress und Xen bringen harte Punchlines, Ali und Capo Cris stehen da natürlich in nichts nach. Dave und Aleksej sorgen für die melodiösen Hooks, und Pablo beweist, dass Schweizer auch auf Englisch wunderbar flowen können.

Noch immer ist das Allermeiste auf «C.R.A.C.K» nicht wirklich radiotauglich. Für das Tagesprogramm bei den meisten Sendern sind die Texte zu hart – auf Englisch darf böse geflucht werden, und es kommt trotzdem in die Heavy Rotation. «Kompromisse will ich keine machen», sagt Mimiks. Trotzdem: Die Ansprüche sind natürlich gewachsen. Auf die Eins in der Hitparade wird gezielt, «jeder Musiker, der sagt, er wolle nicht dorthin, lügt». Mit Adele hat er aber derzeit eine starke Konkurrentin, die es sich auf dem Spitzenplatz bequem gemacht hat.

Bequemlichkeit ist momentan nicht so das Ding von Mimiks. Neben der Albumproduktion und der folgenden Tour stehen auch noch die Lehrabschlussprüfungen an. Davor hat der Rapper gesunden Respekt: «Derzeit glaube ich, es ist einfacher, an die Chartsspitze zu kommen, als die Prüfungen zu bestehen.» Im Sommer folgen dann Festivals – «Ich würde gerne mal an einem Hip-Hop-Festival zu einer richtig geilen Zeit auf der Hauptbühne auftreten». Das alles unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach: «Nach der Lehre will ich ein, zwei Jahre nur auf Musik setzen – ich will diese Möglichkeit nicht einfach verschenken», sagt Mimiks.

Facettenreicher

Er werde sich dann halt finanziell etwas «durchschlagen müssen». Die Lust auf das Abenteuer ist dem Luzerner aber anzumerken. Die positiven Starvoraussetzungen sind mit «C.R.A.C.K» durchaus gewachsen. Facettenreicher werden ist immer ein Pluspunkt im Musikmarkt. Und das muss ja nicht zwangsläufig immer anbiedernd sein, wie das andere Musiker machen.

Mimiks legt mit seinem zweiten Album eine Platte vor, die deutlich erwachsener geworden ist, es gibt allerdings immer noch genügend Momente, in denen er den Mittelfinger lustvoll in die Luft streckt. Irgendwie steht im beides gut.

Hinweis

Mimiks: C.R.A.C.K (FarMore) Plattentaufe: 20. Februar, Schüür, Luzern, Vorverkauf: www.starticket.ch oder alle LZ-Corner-Filialen