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MUSICAL: Heisse Miezen am Thunersee

Eine akrobatische Choreografie und ein stimmlich gut aufgestelltes Rudel: Mit «Cats» zeigen die Thunerseespiele die vielleicht gelungenste Produktion ihrer Geschichte.
Die Thuner «Cats» schleichen sich in neonfarbenen Kostümen an. (Bild: Thomas Hodel/Keystone)

Die Thuner «Cats» schleichen sich in neonfarbenen Kostümen an. (Bild: Thomas Hodel/Keystone)

Ein verfallenes Jahrmarktsgelände nach der Apokalypse, ein ramponiertes Kettenkarussell, der Eingang zu einer Geisterbahn. Aus allen Ecken schleichen sich Katzen an. Sie treffen sich zur Jahresversammlung der Jellicle-Cats, auf welcher der betagte Oberboss Alt Deuteronimus die Katze erwählt, die ein neues Leben verdient. Wie in einer Castingshow werden die einzelnen Katzencharaktere vorgestellt: der Rum Tum Tugger, ein nervtötender Bluffer, der reihenweise Miezenherzen bricht; Mungojerrie und Rumpelteazer, die keinen Blödsinn auslassen; der Bösewicht Macavity, der einen das Gruseln lehrt. Und vor allem die räudige Grizabella, einst eine glamouröse Samtpfote, welche das Rudel verlassen hat und als sie gealtert zurückkehrt von diesem nicht wieder aufgenommen wird. Herzerweichend singt sie ihren Welthit «Memory» in der in Thun gespielten deutschen Fassung «Mondlicht»: «Hoffnung, in mir lebt noch die Hoffnung/Dass ich nicht einfach sterbe, wie die Kerze im Wind.» Gänsehaut-Moment, Kleenex-Alarm.

Die Thuner Fassung von «Cats» ist nichts für Puristen; sie wiederholt nicht die Ur-Inszenierung, wie sie von Andrew Lloyd Webbers Firma Really Useful Group bis zum kleinsten Barthaar minutiös vorgeschrieben ist. Die Thuner Büsis sehen denn trotz Schwanz, Öhrchen und Katzengesichtern auch nicht ganz so «realistisch» aus wie diejenigen des Originals.

Um die Jellicle-Cats als Stammesmitglieder zu kennzeichnen, tragen die Darsteller Ganzkörperstrümpfe, die wie Tribal Tattoos aussehen. Darüber Röckchen, Hosen, Shorts, manche gestreift mit Neon-Farb­tupfern. Das wirkt moderner als die naturfarbenen Originale. Auch die katzenhaften Bewegungsstereotype hat Regisseurin und Choreografin Kim Duddy minimiert: Die seien ihr zu klischeehaft, sagt sie. Anderes hat sie wiederum verstärkt, vor allem die akrobatischen Einlagen. Mit der Österreicherin Christina Zauner als Victoria und dem Ukrainer Dmytro Karpenko als Mr. Mistoffeles hat sie zwei Luftakrobaten engagiert, die Aerial Hoop (Akrobatik am aufgehängten Ring) und Aerial Silk (Vertikaltuchakrobatik) beherrschen. Besonders Karpenko mit seiner Tuchnummer, bei der das Publikum den Schnauf anhält, ist spektakulär. Er kauft dem Schweizer Kunstturner Lucas Fischer eindeutig den Schneid ab, mag der noch so schöne Salti, Flic-Flacs und Schrauben machen.

Die Produzenten konnten bei der Besetzung den Rahm abschöpfen in der Musicalbranche: Für die 30 Katzenrollen gingen 700 Bewerbungen ein. Einer der überzeugendsten Darsteller ist der Zürcher Philipp Hägeli, der schon viermal an den Thunerseespielen mitwirkte, unter anderem als Jesus Christ Superstar. Dieses Jahr gibt er den Munkustrap, eine Art Vizechef des Rudels. Aber eigentlich sollte man den ganzen Cast lobend erwähnen: Den Darstellern gelingt es, ihre Büsis individuell zu charakterisieren. Dreh- und Angelpunkt jeder «Cats»-Aufführung ist natürlich die Grizabella. Kerstin Ibald singt sie makellos. Sie würde gern nächstes Jahr wieder auf der Thunerseebühne stehen, sagt sie. Die Crux: «Mamma Mia!» wird auf Berndeutsch gegeben. Da muss die Österreicherin passen. (sda)

Hinweis

www.thunerseespiele.ch

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