MUSICAL: Horror-Show rockt das ganze Haus

Dass im Theater gesungen und getanzt wird, ist normal. Doch dass das Publikum auf den Rängen mitsingt und tanzt, ist eine Rarität im Luzerner Theater.

Kurt Beck
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Ausserirdisch schräg: «The Rocky Horror Show» am Luzerner Theater mit Samuel ­Zumbühl (Mitte) als Frank ’n’ Furter. (Bild: Luzerner Theater/Toni Suter)

Ausserirdisch schräg: «The Rocky Horror Show» am Luzerner Theater mit Samuel ­Zumbühl (Mitte) als Frank ’n’ Furter. (Bild: Luzerner Theater/Toni Suter)

Es wird keine gewöhnliche Premiere, das realisierte man am Samstagabend im Luzerner Theater schnell. Schälten sich Besucher aus ihrem Wintermantel, kam nicht nur das obligate kleine Schwarze oder der dunkle Anzug zum Vorschein, sondern auch recht gewagte Outfits: knappe Bodys, hochgeschnürte Korsagen, geschminkte Gesichter, schräge Brillen, High Heels und Netzstrümpfe – an Männerbeinen wohlverstanden.

Travestie war angesagt, denn es war der Premierenabend des Grusicals «The Rocky Horror Show». Richard O’Briens Kultmusical von 1973 hat vor allem seit seiner Verfilmung 1975 eine spezielle Zuschauer-Kultur entwickelt, die nach vierzig Jahren fast standardmässig zu jeder Aufführung gehört.

Das Luzerner Theater setzte auf die Mitwirkung des Publikums und unterstützte dies auch damit, dass am Saaleingang die Platzanweiserinnen nicht das obligate Programmheft im Angebot hatten, sondern eine schwarze Plastiktasche, mit dem notwendigen Sortiment an Requisiten, die den Zuschauer munitionierten, um das Bühnengeschehen aktiv und wirkungsvoll zu unterstützen und die Stimmung im ganzen Saal anzuheizen.

Party auf den Rängen

Es funktionierte. Und wie. Im Parterre etwas weniger als auf den Rängen. Hier herrschte Partystimmung. Anfänglich etwas zaghaft, am Schluss total. Es wurde jeder Song mitgesungen, es wurden die Leuchtstäbe geschwenkt, Papierschlangen ausgeblasen, es wurde bei besonders dramatischen Stellen geratscht und getrötet. Und getanzt. Speziell hervorgetan haben sich vier junge Frauen (in einem dem Anlass durchaus würdigen Outfit), die Choreografien aufführten, die dem Spektakel auf der Bühne kaum nachstanden.

Die Premiere zeigte es klar, die «Rocky Horror Show» rockt das Publikum heute noch. Nicht nur die Hippie-Generation, sondern auch junge Leute finden ihren Spass an der schrägen Show.

Zur guten Stimmung hat auch die Inszenierung von Isabel Osthues beigetragen. Sie hat auf scharfe Provokation verzichtet, dafür bei der Ausstattung aus dem Vollen geschöpft.

Spektakuläre Bilder

Die Geschichte der frischverlobten Brad und Jane, die sich nach einer Autopanne in einem Schloss wiederfinden, das von vom Wissenschaftler Frank ’n’ Furter vom Planeten Transsexual angeführten Ausserirdischen bewohnt wird, ist zügig und sorgfältig inszeniert. Das Stück überrascht und unterhält mit spektakulären Bildern, witzigen Einfällen und vielen Anspielungen.

Die Livemusik unterstützt die Schauspieler, die beachtliche Sangesqualitäten zeigen und vor allem in den tragenden Rollen herzerfrischend gut spielen. Wiebke Kayser, die sich von der spiessigen Verlobten zur selbstbewussten und fordernden Frau wandelt, Bettina Riebesel als Hausmädchen Magenta und Jörg Dathe in einer Doppelrolle spielen bravourös, doch wirklich verblüffend ist Samuel Zumbühl als transvestiter Frank ’n’ Furter. Er war unangefochtener, vom Publikum frenetisch gefeierter Star des Abends.

Stimmen aus dem Publikum

Im Publikum sassen auch Horror-Show-erfahrene und kritische Zuschauer. Andrea Hofer aus Luzern, der den Film über 50 Mal gesehen hat, war «positiv überrascht» von der Inszenierung und freute sich, dass so viele zum Mitmachen animiert wurden. Peter Maibach, mit weiss geschminktem Gesicht und weisser Perücke, sass mit Familie in der Vorstellung: «Es ist sensationell, was das Dreispartentheater hier bietet. Und Samuel Zumbühl war eine Wucht. Affenscharf», meint er. Petra Lütolf und Hannes Schmucki aus Kriens haben sich – zum Missfallen der Kinder – in Mieder und Korsett geworfen. Beide haben die Show genossen: «Auf einer so kleinen Bühne so grosses Theater zu bieten, ist toll. Wir haben keinen Augenblick bedauert, dass wir uns verkleidet haben.»

HINWEIS

Weitere Vorstellungen am Luzerner Theater: 5. 2., 6. 2., 14. 2., 16. 2., 1. 3., 7. 3., 13. 3., 23. 3., 14. 4., 26. 4., 29. 4. www.luzernertheater.ch