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MUSICAL: Zu wenig aufs Bergdrama konzentriert

Die Uraufführung von «Matterhorn» am Theater St. Gallen wurde bejubelt. Das Drama um die Erstbesteigung ist professionell gemacht, aber in vielem unausgegoren.
Die singenden Bergsteiger am Matterhorn - Szene aus dem Musical "Matterhorn" von Michael Kunze und Albert Hammond, das am Theater St. Gallen uraufgeführt wurde. (Bild: Theater St. Gallen)

Die singenden Bergsteiger am Matterhorn - Szene aus dem Musical "Matterhorn" von Michael Kunze und Albert Hammond, das am Theater St. Gallen uraufgeführt wurde. (Bild: Theater St. Gallen)

Spektakulär ist bei dieser Musical-Neuproduktion vor allem das Bühnenbild. Der leicht schräge Boden zeigt eine Originalzeichnung des Matterhorn-Erstbesteigers Edward Whymper und bildet den Berg selbst ab. Oft wird der Boden auch zur zerklüfteten Eislandschaft. Bühnenbildnerischer Höhepunkt ist die Szene, in der Whympers Seilschaft mühsam den Weg nach oben sucht.

Das Musical packt viele Inhalte zusammen. Nicht nur das Drama um die Erstbesteigung des Matterhorns, sondern auch die Besessenheit durch den Berg, die in diesem Stück der Besessenheit in der Liebe gleichgesetzt wird. Weitere Themen sind die Gier nach Erfolg, auch der touristische Grössenwahn und die Frage des Umgangs mit der Natur.

Und da will man zu viel. Mit dem Ergebnis, dass Inhalte nur kurz angerissen werden. Es fehlt eine Stringenz in der Handlung, aber auch eine klare Linienführung, die die Psychologie der Figuren plastisch werden lassen könnte. Aus diesem Mosaikhaften resultiert eine gewisse Kühle der Inszenierung. Und wenn der Berggeist Orka vor einer sich drehenden Erdkugel über den Umgang des Menschen mit seinem Planeten reflektiert, wirkt das aufgesetzt.

Zu viele Wiederholungen, zu viele Schablonen

Albert Hammond (Ausgabe vom Samstag) ist ein fantasievoller Komponist, der Handwerk und Stilmittel beherrscht. In seinem ersten Musical scheinen indes zu viele Wiederholungen auf, alles wirkt standardisiert. Vor allem in den vorwiegend an den 80er-Jahren orientierten Songs bleibt harmonisch vieles schablonenhaft. Zu erleben ist bei der im Vorfeld stark gehypten «Matterhorn»-Inszenierung dafür eine sehr starke Musical-Darstellercrew.

Mit Michael Kunze hat das Theater St. Gallen erneut einen bekannten und versierten Autor und Songtexter engagiert. Er reisst viele Themen an, fokussiert aber zu wenig auf die Charaktere oder auf dramatische Zuspitzungen. Vieles wirkt sprachlich unausgereift. Manche Songzeilen gleiten ins Kitschig-Banale ab.

Mit «Matterhorn» gelingt ein farbiges, Alpenkolorit und Naturklischees abbildendes Musical. Alles ist professionell umgesetzt, aber der zündende Funke, der aus der Empathie für die Personen entstünde, bleibt aus. Eine Konzentration auf weniger Handlungsstränge hätte sich gelohnt.

Die Liebe zum Berg und die Liebe zu einer Frau

Die stärksten Ideen kommen zum Tragen, wenn die Inszenierung zwischen der Liebe zu einer Frau und der Liebe zu einem Berg wechselt. Die Nebenhandlung um das Big Business in der Gastronomie wirft interessante Fragen auf, verwässert aber die Konzentration auf das Bergdrama.

Martin Preisser

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Weitere 33 Vorstellungen bis zum Februar 2019. www.theatersg.ch

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