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MUSIK: Am Puls des Klanggeschehens

«Zweikommasieben» vermittelt seit sechs Jahren Aspekte der zeitgenössischen Elektronikkultur: Das Magazin- und Veranstalterkollektiv ist in Luzern zu Hause.
Pirmin Bossart
Die Macher von «Zweikommasieben»: (von links) Remo Bitzi, Marc Schwegler, Guy Schwegler sowie (ganz oben im Bild) Remo Seeland, Chef des Labels Hallow Ground. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 17. Oktober 2017))

Die Macher von «Zweikommasieben»: (von links) Remo Bitzi, Marc Schwegler, Guy Schwegler sowie (ganz oben im Bild) Remo Seeland, Chef des Labels Hallow Ground. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 17. Oktober 2017))

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Remo Bitzi, Marc Schwegler und Guy Schwegler gehören zum Kernteam des kleinen Unternehmens, das sich Zweikommasieben nennt. Es ist zuallererst ein Magazin, aber auch eine Online-Plattform und ein Veranstalterkollektiv. Der Klub Kegelbahn an der Baselstrasse ist die Location, wo sie jeden Monat eine Reihe mit elektronischen Acts vorstellen. Ihr Atelier und Domizil haben sie am Kasernenplatz 2. Dort produzieren sie ihr Magazin, schreiben Essays, verlegen Publikationen, organisieren Events und geben gelegentlich auch einen Tonträger heraus.

Was vor sechs Jahren als Fanzine mit einer Auflage von 300 Exemplaren begann, hat sich zu einem stattlichen Magazin entwickelt, das halbjährlich erscheint und in den entsprechenden Kreisen inzwischen weltweit auf Beachtung stösst. «Es sind vor allem Leute aus der west­lichen Hemisphäre, die wir ansprechen. Aber wir haben immer wieder auch Bestellungen aus Asien, Australien oder Lateinamerika», sagt Remo Bitzi.

Vom Klubsound zur Klangkunst

«Ritueller Noise aus Frankreich», «Fiktion verorten – Drexcyians unter uns!», «Entropy as Exit»: Das sind einige Überschriften von Beiträgen, die in den aktuellen Printausgaben zu lesen sind. Der Fokus liegt auf Entwicklungen von elektronischer Musik. Marc Schwegler: «Wir haben uns keiner spezifischen Szene verschrieben, sondern lassen uns von unseren persönlichen Interessen leiten. Aber bei jeder Nummer kommen Themen zusammen, denen wir dann mit dem Editorial so etwas wie einen roten Faden geben.»

Zusammengebracht hat sie ein gemeinsames Interesse für Techno, Dance-Musik und Klubkultur. Daraus hat sich mit den Jahren eine tiefere Beschäftigung mit der Ästhetik der elektronischen Musik und ihrer künstlerischen Aspekte ergeben. Remo Bitzi: «Früher lag uns die Club- und Dance-Musik näher, heute sind wir stärker in die Bereiche Elektroakustik und Klangkunst gerückt.» Bitzi hat vor gut zehn Jahren in Berlin als Musikjournalist gearbeitet und absolvierte dann Studien in Designmanagement und Kulturpublizistik. Auch seine beiden Kollegen haben einen akademischen Background: Marc Schwegler hat Medien- und Kulturwissenschaften studiert, sein Bruder Guy beginnt mit einer Dissertation in Soziologie. Was mithin auch den eher intellektuellen Ansatz ihrer Auseinandersetzung mit der Elektronikkultur erklärt.

Ohne Rücksicht auf Genre-Fragen

Trotzdem wird in der Auswahl der Themen und bei den Veranstaltungen die Subjektivität hochgehalten. «Wir machen, was uns gerade interessiert, ohne Rücksicht auf Genre-Fragen oder sonstige Leitplanken», sagt Guy Schwegler. Zweikommasieben ist noch immer eine Art Fanzine, wenn auch ein betont heterogenes. Es switcht gerne wie ein DJ ohne Scheuklappen durch das zeitgenössische Sound-Geschehen.

Begonnen hat alles 2011. Damals war Marc Schwegler im Südpol tätig und Remo Bitzi nach seinem Berlin-Aufenthalt wieder in Luzern zurück. Sie fühlten sich etwas im luftleeren Raum, was die Wertschätzung und Vermittlung von elektronischer Musik betraf. Marc Schwegler: «Wir wollten anreichern, was vorhanden war, darüber schreiben und dadurch auch zur Bildung einer Community anregen.»

Wie hat sich dieser Gedanke in der Luzerner Szene entwickelt? Spontan fallen die Namen Samuel Savenberg, Belia Winnewisser, Rolf Laureijs oder Wavering Hands. «Diese Leute sind in ähnlichen Bereichen unterwegs.»

Auf der Suche nach neuen Ansätzen

Die «Zweikommasieben»-Macher versuchen in ihren Beiträgen, andere Sprachen zu finden für das anspruchsvolle Unter­fangen, dem elektronisierten Sound-Universum mit der Aneinanderreihung von Buchstaben gerecht zu werden. Das Team möchte «über den engeren Musikjournalismus hinausgehen und andere Ansätze erproben». Ab der neunten Ausgabe wurden alle Texte auch ins Englische übersetzt. Jedes Magazin erscheint in einem anderen Format. Die letzte Ausgabe ist mit 160 Seiten Umfang zu einem kleinen Buch geworden. Bei jeder Nummer arbeiten bis zu 30 Leute mit. Parallel werden die Online-Plattform und diverse Social-Media-Kanäle aktiviert.

Der Schwerpunkt neben dem Magazin aber sind Veranstaltungen und Events, die oft in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern realisiert werden. Diesen Frühling kam so in Zusammenarbeit mit anderen Schweizer Veranstaltern ein Festival in London zu Stande, im Dezember stehen Anlässe in Mailand, Venedig und Rom in Aussicht.

Im Frühling 2018 plant Zweikommasieben unter dem Titel «Ebbing Sounds» eine Konferenz in San Francisco. Dort werden ­Experten aus Kunst, Musik und Geisteswissenschaften über ästhetische und politische Fragen im Zusammenhang mit Musik-Streaming debattieren. Mit solchen Veranstaltungen, wo sich die Leute persönlich begegnen, erweitert sich ständig das Netzwerk. Das ist der elektronische Zweikommasieben-Virus, der schon längst in alle globalen Winde gestreut wurde. Zeit, dass man ihn auch in Luzern verstärkt wahrnimmt.

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