Musik
Anna Mae zeigt ihre gute Country-Stimme mit erdigen Songs

Eine prägnante Stimme und ein Herz für Country, Folk und Rock: Anna Mae aus dem Luzerner Hinterland veröffentlicht ihr Débutalbum.

Pirmin Bossart
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Anna Mae überzeugt mit ihrem Debütalbum.

Anna Mae überzeugt mit ihrem Debütalbum.

Bild: Justine Rutz / PD

Da ist eine junge Stimme, die auffällt. Keck und kernig artikuliert sie ihre Songs, sie kennt das Country-Phrasing und scheut auch nicht ein gelegentliches Vibrato. Wer ist diese ambitioniert klingende Lady aus dem Luzerner Hinterland, die den amerikanischen Roots definitiv nähersteht als dem Hipster-Elektro-Pop?

Die gebürtige Willisauerin Nadja Limacher singt, schreibt Songs und spielt Gitarre. Seit zehn Jahren ist sie als Anna Mae unterwegs. Vor fünf Jahren hängte sie ihren Bürojob an den Nagel und setzte auf Musik. 2018 bekam sie Gelegenheit, mit drei Showcases an einem Festival in Toronto auf sich aufmerksam zu machen:

«Zuvor war ich drei Wochen durch den Mittleren Westen der USA getourt. Meine Konzerte sind sehr gut angekommen.»

Mit ihrem Débutalbum wolle sie ein Statement setzen, sagt Anna Mae. «Ich möchte zeigen, was ich in den letzten zehn Jahren geschrieben habe. Das ist meine Musik.» Auch privat hört sie gerne Roots-Musik und Country. Dieses «Lebensgefühl von Freiheit und Weite» spreche sie an. «Die erste Sängerin, die ich als Kind bewusst wahrgenommen habe, ist Tina Turner. Ich liebe sie immer noch, ihre Energie, ihre Frauenpower.» Auch Johnny Cash und Bruce Springsteen gefallen ihr.

Sorgfältig produziert

Die zehn Songs auf «Out Of The Woods» haben einen guten Fahrtwind, sind melodisch einprägsam und trotzdem nicht gängige Ware. Unsentimental-emotional schafft Anna Mae eine Atmosphäre, sucht das Eigene, bleibt eindringlich. Sie singt von persönlichen Befindlichkeiten und davon, sich von Schwierigkeiten auf dem Lebensweg nicht mutlos machen zu lassen:

«Es ist wichtig, an seine Träume zu glauben und dranzubleiben, wenn man von etwas überzeugt ist.»

«Out Of The Woods» ist nicht dieses oft schnell beliebig werdende Country-Pop-Album, wie es viele machen, die gut singen können und die dann zu vorhersehbar produziert werden. Der Produzent und Musiker Steffen Peters (Soundfarm Studios Obernau) hatte anderes im Sinn. Er lud mit Andi Schnellmann (Elektrobass), Christian Winiker (Gitarre), Tobi Gmür (Mandoline) oder Simon Iten (Kontrabass) einige bekannte Namen aus der hiesigen Szene zu den Aufnahmen.

Anna Mae brachte den Pedal Steel Gitarristen Brian Wilkie mit, den sie in Chicago kennen gelernt hatte, sowie den Gitarristen Gabriel Yaacoub aus Wauwil, mit dem sie schon oft aufgetreten ist. Lukas Bircher spielt Fiddle, Sebastian Meyer Piano und Orgel, Timo Wild Schlagzeug. Das ist ein reiches Arsenal an instrumentalen Stimmen, die je nach Song stimmig zusammengebracht werden. Der Sound ist rund und transparent, (fast) ohne Schmalz und Schwulst, dafür mit dem warmen Timbre und der Weite im Visier, die uns das imaginäre Roots-Amerika nahebringen.

Die gute Prise Rock

Ein Gewinn für das Album ist der rockige Gestus, der einige Songs durchdringt und sich auf «Wolves In The Woods», «It’s Hard To Be Good», «Freedom» oder auch auf dem souligen «Roaring Thunder» mit feiner Gitarrenarbeit auszeichnet. Diesbezüglicher Höhepunkt ist «A Place I Can Rest», mit sieben Minuten der längste und auch musikalisch ergiebigste Song des Albums, der sich mit slow-bluesiger Intensität in die Seele brennt.

Sie sei sehr zufrieden mit dem Album, sagt Anna Mae. «Ich freue mich, dass wir die Songs im Studio so anpassen und arrangieren konnten, dass sie mit einer Band gespielt und auch auf der Bühne umgesetzt werden können.» Schon als Jugendliche habe sie davon geträumt. Sie führt aus: «Das ist nun ein neuer Schritt, den ich mit einer toll besetzten Band machen kann.» Bleibt nur noch der Wunsch, dass sie ihre Songs in diesem vollen Format endlich auch live auf der Bühne vorstellen kann.

Anna Mae: Out Of The Woods, CD, 2021 (erhältlich im Old Town Record Store Luzern)

10. April, 19.30 Uhr, Treibhaus Luzern: Plattentaufe (inkl. Talk mit Gästen) als Online-Konzert. Tickets auf www.petzi.ch. Weitere Infos: www.anna-mae.net